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Gedächtnisstörungen bei neurologischen Erkrankungen (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Demenz-Screenings (z. B. MMST) sind zur Erfassung leichter bis mittelschwerer Gedächtnisstörungen nicht geeignet.
  • Bei leichten bis mittelschweren Defiziten wird ein spezifisches kognitives Training (mindestens 10 Sitzungen) empfohlen.
  • Bei schwerer Amnesie liegt der therapeutische Fokus auf Kompensationsstrategien und fehlerarmem Lernen (Spaced Retrieval).
  • Elektronische Erinnerungshilfen (z. B. Smartphones) sollen unabhängig vom Schweregrad in die Therapie einbezogen werden.
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Hintergrund

Gedächtnisstörungen nach erworbenen Hirnschädigungen (z. B. Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall, Multiple Sklerose, Enzephalitiden) erfordern eine differenzierte Diagnostik und Therapie. Die Einschränkungen können von leichten Defiziten bis hin zur schweren globalen Amnesie reichen und beeinträchtigen die Alltagsaktivitäten und Teilhabe der Patienten oft erheblich.

Diagnostik

Die Untersuchung von Gedächtnisfunktionen darf nicht isoliert erfolgen, sondern muss in eine umfassende neuropsychologische Testung eingebunden sein (inklusive Aufmerksamkeit, Exekutivfunktionen und Affekt).

Wichtig: Screening-Verfahren, die für den Ausschluss einer Demenz entwickelt wurden (z. B. MMST), sind für die Identifikation leichter bis mittelschwerer Gedächtnisstörungen nicht geeignet (Empfehlungsgrad A). Bei Auffälligkeiten soll eine eingehende Untersuchung durch einen qualifizierten Neuropsychologen erfolgen.

IndikationEmpfehlung
Subjektive Klagen (Patient/Angehörige)Orientierende Untersuchung mit standardisierten psychometrischen Verfahren.
Läsionen in gedächtnisrelevanten StrukturenNeuropsychologische Untersuchung anbieten, auch ohne subjektive Klagen (besonders bei geplanter beruflicher Wiedereingliederung).

Basisdiagnostik

Eine ausführliche Basisdiagnostik sollte folgende Teilfunktionen umfassen:

  • Orientierung (örtlich, zeitlich, situativ, zur Person)
  • Verbale und figurale Merkspannen
  • Arbeitsgedächtnis
  • Lernparadigma (z. B. Wortliste) mit verzögertem Abruf
  • Unmittelbare und verzögerte Wiedergabe komplexer verbaler und figuraler Informationen

Therapie nach Schweregrad

Die Auswahl der Therapiemethoden richtet sich maßgeblich nach der Schwere der Gedächtnisstörung.

SchweregradEmpfohlene TherapieBemerkung
Leicht bis mittelschwerSpezifisches funktions- oder strategieorientiertes kognitives TrainingEmpfehlungsgrad A. Mindestens 10 Sitzungen gelten als gute klinische Praxis.
Schwere AmnesieKompensationsstrategien (Verbesserung von Aktivitäten/Teilhabe)Keine Empfehlung für funktionsorientiertes Training mangels Wirksamkeitsnachweis.
Alle SchweregradeElektronische Erinnerungshilfen (z. B. Smartphone-Kalender)Empfehlungsgrad A. Einsatz als Kompensationsstrategie, sofern Patient bereit ist.

Spezifische Lernmethoden bei schwerer Amnesie

Patienten mit schwerer Amnesie können domänenspezifisches Wissen und Alltagsroutinen erlernen. Hierbei wird folgendes Vorgehen empfohlen (Empfehlungsgrad B):

  • Fehlerarmes Lernen (Errorless Learning): Fehler durch eindeutige Hinweise möglichst vermeiden.
  • Spaced Retrieval: Ein aktiver Abruf soll angeregt werden, indem das Abrufintervall zunächst sehr kurz und im weiteren Verlauf zunehmend länger gestaltet wird.

Assistive Technologien

Der Einsatz von Smartphones und elektronischen Kalendern ist ein zentraler Baustein der Therapie. Da sich die Nutzung als Gedächtnishilfe von der Alltagsnutzung Gesunder unterscheidet, soll die Anwendung in der Therapie explizit thematisiert und geübt werden. Zudem müssen Patienten über Datensicherheit und Datenschutz aufgeklärt werden.

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich bei leichten bis mittelschweren Gedächtnisstörungen nicht auf Standard-Demenz-Screenings wie den MMST. Überweisen Sie Patienten stattdessen zur ausführlichen neuropsychologischen Diagnostik.

Häufig gestellte Fragen

Nein, Screening-Verfahren für Demenz sind nicht sensitiv genug für leichte bis mittelschwere Gedächtnisstörungen. Es wird eine ausführliche neuropsychologische Diagnostik empfohlen.
Als gute klinische Praxis gelten mindestens 10 Sitzungen, da die Wirksamkeit von der Trainingshäufigkeit abhängt.
Ein funktionsorientiertes Training ist hier nicht wirksam. Der Fokus sollte auf Kompensationsstrategien, elektronischen Hilfsmitteln und fehlerarmem Lernen (Spaced Retrieval) für Alltagsroutinen liegen.
Ja, elektronische Erinnerungshilfen sollen unabhängig vom Schweregrad als Kompensationsstrategie einbezogen werden, sofern der Patient dazu bereit ist.

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