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Exekutive Dysfunktionen: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Exekutive Dysfunktionen treten haeufig nach Schaedel-Hirn-Trauma, Schlaganfall, Multipler Sklerose oder Morbus Parkinson auf.
  • Die Diagnostik sollte Arbeitsgedaechtnis, kognitive Flexibilitaet, planerisches Denken und die Selbstwahrnehmung umfassen.
  • Fremdanamnese und Verhaltensbeobachtung sind essenziell, da Patienten oft eine Anosognosie (fehlende Krankheitseinsicht) aufweisen.
  • Kognitiv uebende Verfahren und Arbeitsgedaechtnistraining haben den hoechsten Empfehlungsgrad (Empfehlungsstaerke A).
  • Fuer Verhaltensauffaelligkeiten ist das Goal Management Training (GMT) stark empfohlen (Empfehlungsstaerke A).
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Hintergrund

Als exekutive Funktionen werden integrative metakognitive Prozesse bezeichnet, die zur Erreichung eines Ziels die flexible Koordination mehrerer Subprozesse steuern. Exekutive Dysfunktionen treten haeufig bei Erkrankungen auf, die den praefrontalen/orbitofrontalen Kortex, subkortikale Strukturen (Basalganglien, Thalamus) oder deren Faserverbindungen schaedigen.

Typische neurologische Ursachen sind:

  • Schaedel-Hirn-Trauma (SHT)
  • Zerebrovaskulaere Schaedigungen (Schlaganfall)
  • Extrapyramidale Erkrankungen (Morbus Parkinson, PSP, Chorea Huntington)
  • Entzuendliche Erkrankungen (Multiple Sklerose, Meningoenzephalitis)
  • Hypoxische Hirnschaedigungen und Hirntumoren

Diagnostik

Eine dezidierte Diagnostik soll erfolgen, wenn Patienten in neuen Situationen inadaequat reagieren, stereotypes Verhalten zeigen, Multitasking-Faehigkeiten verlieren oder eine knowing-doing-dissociation (Dissoziation von Wissen und Umsetzung) aufweisen. Da viele Patienten eine Anosognosie (mangelnde Krankheitseinsicht) zeigen, sind Fremdanamnese und Verhaltensbeobachtung essenziell.

Zu testende KomponenteBeispielhafte Testverfahren
Arbeitsgedaechtnis & MonitoringTAP (Untertest Arbeitsgedaechtnis), Stroop-Test
Planerisches & problemloesendes DenkenWisconsin Card Sorting Test (WCST), Tower of London (TOL), HOTAP
Kognitive Flexibilitaet & FluessigkeitRegensburger Wortfluessigkeitstest (RWT), Ruff Figural Fluency Test (RFFT)
HandlungsflexibilitaetTAP (Reaktionswechsel), Trail Making Test B (TMT B)

Therapie

Die Therapie muss spezifisch auf das jeweilige Defizit zugeschnitten sein. Es wird zwischen kognitiven Therapieansaetzen, Verhaltensmanagement und Umweltmodifikation unterschieden.

TherapieansatzIndikation / ZielgruppeEmpfehlungsstaerke
Kognitiv uebende Verfahren (allgemein)MS, SHT, SchlaganfallA (⇑⇑)
ArbeitsgedaechtnistrainingHirnverletzte, MSA (⇑⇑)
Therapie des planerischen DenkensInsbesondere SHT-PatientenA (⇑⇑)
ProblemloesetrainingSchlaganfallpatientenB (⇑)
Goal Management Training (GMT)SHT, HirnverletzteA (⇑⇑)
Impulskontrolle / SelbstregulationMorbus ParkinsonB (⇑)
Kombiniertes kognitives TrainingParkinson-PatientenA (⇑⇑)
  • Kognitive Ansaetze: Zielen auf die Veraenderung von Koerperstrukturen und -funktionen durch neuronale Plastizitaet ab.
  • Verhaltensmanagement: Umfasst Selbstinstruktion, Selbstwirksamkeit und Ziel-Management (z.B. GMT). Besonders geeignet fuer Patienten mit Verhaltensauffaelligkeiten.
  • Umweltmodifikation: Einsatz von Kompensationsmitteln (z.B. Paging-Systeme) fuer schwer betroffene Patienten zur Erhoehung der Selbststaendigkeit im Alltag.

Fahreignung

Exekutive Dysfunktionen erfordern in der Fahreignungsdiagnostik besondere Beachtung, speziell bei mangelndem Stoerungsbewusstsein. Neben Reaktionszeiten muessen Fehlreaktionen und Auslassungen bewertet werden. Eine praktische Fahrverhaltensprobe wird empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Beziehen Sie bei der Diagnostik exekutiver Dysfunktionen zwingend die Angehoerigen ein, da Patienten haeufig eine Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln (knowing-doing-dissociation) sowie eine mangelnde Krankheitseinsicht zeigen.

Häufig gestellte Fragen

Bei inflexiblem Verhalten, mangelndem Multitasking, Regelverstoessen oder einer Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln.
Arbeitsgedaechtnis, Monitoring, planerisches/problemloesendes Denken, kognitive Flexibilitaet und Selbstwahrnehmung.
Kognitiv uebende Verfahren, Arbeitsgedaechtnistraining, Therapie des planerischen Denkens und Goal Management Training (alle Empfehlungsstaerke A).
Aktuell gibt es aufgrund unterschiedlicher Substanzen und Krankheitsbilder keine klare Empfehlung fuer pharmakologische Interventionen.

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