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Diagnostik und Therapie der Syphilis: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Syphilis-Diagnostik erfolgt als Stufendiagnostik: Suchtest (z. B. TPPA), gefolgt von einem Bestätigungstest (z. B. FTA-ABS) und Aktivitätsparametern (VDRL, IgM).
  • Ein direkter Erregernachweis (PCR oder Dunkelfeldmikroskopie) ist besonders im frühen Primärstadium bei noch negativer Serologie indiziert.
  • Als Therapieerfolg gilt ein mindestens vierfacher Abfall des Lipoidantikörpertiters (zwei Verdünnungsstufen) innerhalb eines Jahres.
  • Bei Verdacht auf Neurosyphilis ist eine Liquordiagnostik zwingend erforderlich; ein ITpA-Index > 3,0 beweist eine spezifische Antikörpersynthese im ZNS.
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Hintergrund

Die Syphilis ist eine chronische Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Treponema pallidum ausgelöst und fast ausschließlich sexuell übertragen wird. Epidemiologisch zeigt sich in Deutschland eine Konzentration in Ballungsräumen, wobei Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), mit etwa 85 % die am stärksten betroffene Gruppe darstellen.

Klinische Stadieneinteilung

Die Erkrankung verläuft unbehandelt in mehreren Stadien, die unterschiedliche klinische Leitsymptome aufweisen:

StadiumZeitraumKlinische Merkmale
Primärsyphilisca. 3 Wochen nach InfektionSchmerzloses Ulkus (Primäraffekt, harter Schanker) mit derbem Randwall, indolente regionäre Lymphadenopathie.
Sekundärsyphilis9-12 Wochen (nach Abheilung Primäraffekt)Hämatogene Aussaat. Makulopapulöses Exanthem (oft Hand-/Fußflächen), Plaques muqueuses, Condylomata lata, generalisierte Lymphadenopathie.
Tertiärsyphilis1 bis 10 Jahre nach InfektionGranulomatöse Reaktionen (Gummen) an Haut und Organen, kardiovaskuläre Syphilis (Aortitis).

Aus therapeutischen Gründen wird die Erkrankung bis zu einem Jahr nach Infektion als Frühsyphilis und danach als Spätsyphilis bezeichnet.

Serologische Stufendiagnostik

Die serologische Diagnostik der Syphilis folgt einem klaren Stufenschema. Bei klinischem Verdacht oder zum Ausschluss einer Syphilis soll zunächst ein erregerspezifischer Suchtest durchgeführt werden.

StufeTestverfahrenBedeutung / Indikation
1. SuchtestTPPA, TPHA, TPLA oder polyvalente ImmunoassaysHohe Sensitivität. Bei negativem Ausfall ist eine Infektion meist ausgeschlossen.
2. BestätigungstestFTA-ABS, IgG/IgM-WesternblotSoll bei reaktivem Suchtest erfolgen, um falsch-positive Ergebnisse auszuschließen.
3. AktivitätsbestimmungVDRL, RPR (Lipoidantikörper), spezifisches IgMSoll bei positivem Bestätigungstest erfolgen, um eine Seronarbe von einer behandlungsbedürftigen Syphilis zu unterscheiden.
  • Starker Konsens: Besteht der Verdacht auf eine sehr frühe Primärsyphilis, soll gleichzeitig zum Suchtest ein spezifischer IgM-Test durchgeführt werden.
  • Starker Konsens: Bei weiter bestehendem Verdacht trotz negativer Tests sollen diese nach 2 Wochen wiederholt werden.

Direkter Erregernachweis

Bei frühen, erregerreichen Läsionen kann der direkte Erregernachweis erfolgen. Dies ist wertvoll, da die Serologie im frühen Primärstadium noch in bis zu 30 % der Fälle negativ sein kann.

  • Dunkelfeldmikroskopie (DFM): Untersuchung von Reizsekret aus dem Ulkus. Erfordert Erfahrung und sofortige Auswertung.
  • PCR (NAAT): Deutlich empfindlicher als die DFM. Bei klinischem Verdacht auf einen frühen Primäraffekt sollte neben der Serologie ein direkter Erregernachweis mittels NAAT aus der Läsion erfolgen.

Verlaufskontrolle nach Therapie

Um den Therapieerfolg zu beurteilen, sind serologische Verlaufskontrollen unerlässlich:

  • Ausgangswert: 3-4 Wochen nach Therapieeinleitung soll ein quantifizierbarer Aktivitätsparameter (VDRL/RPR oder IgM) bestimmt werden.
  • Kontrollintervalle: Nach 3, 6 und 12 Monaten.
  • Therapieerfolg: Bei einem Titerabfall um mindestens 2 Stufen (vierfacher Abfall) soll die Therapie als erfolgreich betrachtet werden.

Neurosyphilis

Eine Neurosyphilis kann in jedem Infektionsstadium auftreten. Eine Neurosyphilis soll ausgeschlossen werden, wenn bei nachgewiesener Syphilis unklare neurologische, psychiatrische, okuläre oder otogene Symptome festgestellt werden.

Bei Verdacht ist eine Lumbalpunktion indiziert. Die Diagnose stützt sich auf folgende Liquorbefunde:

ParameterBefund bei Neurosyphilis
ZellzahlPleozytose (> 4 Zellen/µl), meist mononukleär
GesamtproteinErhöht (> 500 mg/l) oder Albumin-Quotient > 8,0
VDRL im LiquorSpezifisch, aber geringe Sensitivität (30-85 %)
ITpA-Index> 2,0 deutet auf ZNS-Antikörpersynthese hin; > 3,0 beweist sie sicher

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie bei Verdacht auf einen frühen Primäraffekt (harter Schanker) immer auch einen direkten Erregernachweis (PCR) aus dem Ulkusabstrich, da die Antikörpertests in dieser Phase noch falsch-negativ sein können.

Häufig gestellte Fragen

Syphilis-Schnelltests werden in Deutschland nicht als generelle Alternative zur Labordiagnostik empfohlen, da sie besonders bei Vollbluttestungen eine geringere Sensitivität aufweisen. Ein negatives Ergebnis schließt eine aktive Frühsyphilis nicht sicher aus.
Ein Therapieerfolg liegt vor, wenn der Lipoidantikörpertiter (VDRL oder RPR) innerhalb eines Jahres um mindestens zwei Verdünnungsstufen (z. B. von 1:16 auf 1:4) abfällt.
Diese Konstellation (ohne positives IgM) spricht in der Regel für eine Seronarbe nach einer zurückliegenden, erfolgreich behandelten Syphilis. Treponemenspezifische Antikörper (TPPA) persistieren meist lebenslang.
Eine Lumbalpunktion ist indiziert bei neurologischen, psychiatrischen, okulären oder otologischen Symptomen, bei Therapieversagen sowie bei HIV-Koinfektion mit CD4-Zellen <200/µl.

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