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Syphilis (Lues): Leitlinie & Empfehlungen (RKI)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Erreger der Syphilis ist Treponema pallidum, die Übertragung erfolgt meist durch sexuelle Kontakte.
  • Die Erkrankung verläuft in vier Stadien (Lues I-IV), wobei Patienten in Stadium I und II hochinfektiös sind.
  • Die Diagnostik erfolgt stufenweise über Suchtest (TPHA/TPPA), Bestätigungstest (FTA-ABS) und Aktivitätsparameter (VDRL/RPR).
  • Mittel der Wahl in allen Stadien ist Penicillin; Resistenzen sind bisher nicht bekannt.
  • Bei Therapiebeginn kann eine Jarisch-Herxheimer-Reaktion auftreten, die mit Cortison behandelt wird.
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Hintergrund

Die venerische Syphilis (Lues) wird durch das gramnegative, spiralig gewundene Bakterium Treponema pallidum (subspecies pallidum) verursacht. Der Erreger ist für den Menschen obligat pathogen und wird am häufigsten durch direkte sexuelle Kontakte über Mikroläsionen der Schleimhaut oder Haut übertragen.

Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich 14 bis 24 Tage (Spannweite 10-90 Tage). Seit 2010 steigen die Fallzahlen in Deutschland kontinuierlich an, wobei über 90 % der männlichen Fälle Männer betreffen, die Sex mit Männern haben (MSM). Bei etwa der Hälfte der gemeldeten MSM-Fälle liegt eine HIV-Koinfektion vor.

Klinische Stadien

Der klinische Verlauf wird in Frühsyphilis (bis ein Jahr nach Infektion) und Spätsyphilis (ab einem Jahr) unterteilt. Ohne Therapie sind Patienten in den Stadien I und II ansteckend, im Stadium III besteht keine Infektiosität mehr.

StadiumZeitraumTypische klinische Symptomatik
Lues I (Primäre Syphilis)Wochen nach InfektionUlkus durum (schmerzloses Geschwür mit derbem Rand) an der Eintrittspforte, regionale Lymphadenopathie (Primärkomplex). Heilt nach 4-6 Wochen spontan ab.
Lues II (Sekundäre Syphilis)4-10 Wochen nach InfektionHämatogene Aussaat: Polyskleradenitis, makulopapulöses Exanthem (oft an Handflächen und Fußsohlen), Condylomata lata, Alopecia specifica, Plaques in der Mundhöhle.
Lues III (Tertiäre Syphilis)Jahre nach InfektionLues tuberosa (tuberöse Hautveränderungen), Lues gummosa (ulzerierende Gummen in Organen), kardiovaskuläre Lues (Mesaortitis, Aneurysmen).
Lues IV (Neurosyphilis)Jahre bis JahrzehnteAsymptomatisch, Tabes dorsalis (Hinterstrangdegeneration), syphilitische Meningitis, progressive Paralyse.

Besonderheiten bei HIV-Koinfektion: Die Latenzzeit zwischen Stadium II und Tertiärsyphilis ist oft stark verkürzt. HIV-positive Patienten erkranken häufiger an einer Syphilis maligna (ulzerierende/nekrotisierende Herde) und an einer Neurosyphilis.

Lues connata (Angeborene Syphilis)

Eine transplazentare Übertragung auf den Fötus ist möglich, die Übertragungsrate beträgt bei frischer mütterlicher Infektion bis zu 100 %. Unbehandelt führt dies häufig zu Aborten, Totgeburten oder schweren Schäden beim Kind:

  • Lues connata präcox (Säuglingsalter): Oft bei Geburt unauffällig. Später Atemnotsyndrom, Hepatosplenomegalie, Hauteffloreszenzen, Pseudoparalyse.
  • Lues connata tarda (ab 3. Lebensjahr): Interstitielle Keratitis, Tonnenzähne, Sattelnase, Taubheit, Säbelscheidentibia.

Diagnostik

Die Diagnose erfolgt in der Regel serologisch. Ein Direktnachweis (Dunkelfeldmikroskopie, PCR) ist nur bei primären Ulzera oder Condylomata lata sinnvoll.

Serologische Stufendiagnostik

StufeTestverfahrenBedeutung und Interpretation
1. SuchtestTPHA, TPPA, CIA, EIAWird 2-3 Wochen nach Infektion positiv und bleibt meist lebenslang positiv. Bei negativem Befund ist eine Lues (außer in der Frühphase) ausgeschlossen.
2. BestätigungstestFTA-ABS, ImmunoblotSichert die Spezifität bei positivem Suchtest ab.
3. AktivitätsbeurteilungVDRL, RPR, 19S-IgM-FTA-ABSLipoidantikörper (VDRL/RPR) und IgM-Antikörper beweisen die Entzündungsaktivität und Behandlungsbedürftigkeit.

Neurosyphilis-Diagnostik: Bei neurologischen Auffälligkeiten oder HIV-Koinfektion mit CD4 <200/µl ist eine Liquoruntersuchung indiziert. Ein ITpA-Index > 3,0 (Liquor/Serum-Quotient) beweist eine intrathekale Antikörpersynthese.

Therapie

Die Therapie der ersten Wahl ist in allen Stadien Penicillin. Eine Resistenz von Treponema pallidum ist bisher nicht bekannt.

  • Wirkspiegel: Wegen der langen Generationszeit der Treponemen müssen treponemizide Wirkstoffspiegel über eine Mindestdauer von 10 Tagen aufrechterhalten werden.
  • Komplikation: Durch den raschen Erregerzerfall kann es zur Jarisch-Herxheimer-Reaktion (Schüttelfrost, Fieber, Kopfschmerzen) kommen. Diese wird prophylaktisch/therapeutisch mit Cortison-Präparaten behandelt.

Verlaufskontrolle

Der Therapieerfolg wird quantitativ über die Aktivitätsparameter (VDRL/RPR) kontrolliert. Ein vierfacher Titerabfall (Reduktion um zwei Verdünnungsstufen) innerhalb von Monaten bis zu einem Jahr gilt als Hinweis auf einen Therapieerfolg. Ein Titeranstieg um ≥ 2 Stufen spricht für ein Rezidiv oder eine Reinfektion.

Meldepflicht

Gemäß § 7 Abs. 3 IfSG ist der direkte oder indirekte Nachweis von Treponema pallidum nichtnamentlich an das Robert Koch-Institut (RKI) zu melden.

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei unklaren makulopapulösen Exanthemen an Handflächen und Fußsohlen (Palmoplantarsyphilide) immer an eine Lues II. Führen Sie bei jeder Syphilis-Diagnose eine vollständige STI-Diagnostik inklusive HIV-Test durch.

Häufig gestellte Fragen

Ohne Behandlung sind Patienten im Stadium I (Primäraffekt) hochinfektiös und im Stadium II infektiös. Im Stadium III besteht trotz schwerer Organschäden keine Ansteckungsfähigkeit mehr.
Der Erfolg wird serologisch durch die quantitative Bestimmung der Lipoidantikörper (VDRL- oder RPR-Test) kontrolliert. Ein Abfall des Titers um mindestens zwei Verdünnungsstufen (vierfacher Titerabfall) zeigt den Therapieerfolg an.
Es handelt sich um eine toxische systemische Reaktion (Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen), die durch den raschen Erregerzerfall nach Beginn der Antibiotikatherapie ausgelöst wird. Sie kann mit Cortison behandelt werden.
Ja, der direkte oder indirekte Nachweis von Treponema pallidum muss gemäß § 7 IfSG nichtnamentlich an das Robert Koch-Institut gemeldet werden.

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