Gonorrhö (Tripper): RKI-Ratgeber & Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Die Gonorrhö verläuft häufig asymptomatisch (Männer 10-30%, Frauen ca. 50%), was die unbemerkte Ausbreitung fördert.
- •Die Diagnostik erfolgt primär mittels hochsensitiver NAT (Nukleinsäure-Amplifikationstechnik) aus Abstrichen oder Erststrahlurin.
- •Eine kulturelle Anzucht ist zur Antibiotika-Empfindlichkeitstestung aufgrund weltweit steigender Resistenzen essenziell.
- •Die kalkulierte Therapie der unkomplizierten Gonorrhö besteht aus einer dualen Gabe von Ceftriaxon und Azithromycin.
- •Eine Therapieerfolgskontrolle (Test of Cure) wird frühestens 4 Wochen nach Therapieende mittels NAT empfohlen.
Hintergrund
Die Gonorrhö (umgangssprachlich Tripper) wird durch Neisseria gonorrhoeae (gramnegative Diplokokken) verursacht. Die Übertragung erfolgt ausschließlich durch direkten Schleimhautkontakt (genital, oral, anal) oder perinatal beim Geburtsvorgang. Die Inkubationszeit beträgt 1-14 Tage. Der Mensch ist der einzige Wirt des Erregers.
Klinische Symptomatik
Das klinische Bild reicht von eitrigen Schleimhautinfektionen bis hin zu asymptomatischen Verläufen, die ein wichtiges Infektionsreservoir darstellen.
| Patientengruppe / Lokalisation | Leitsymptome | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Männer (Urethritis) | Massiver urethraler Ausfluss, Dysurie | 10-30% asymptomatisch |
| Frauen (Zervizitis/Urethritis) | Vermehrter Ausfluss, Dysurie, Zwischenblutungen | ca. 50% asymptomatisch; Risiko für Pelvic Inflammatory Disease (PID) und Infertilität |
| Pharyngeal / Rektal | Oft asymptomatisch, Proktitis möglich | Wichtiges Infektionsreservoir, Übertragung durch orogenitalen Kontakt |
| Neugeborene | Akute purulente Konjunktivitis (Ophthalmoblennorrhoea neonatorum) | Tritt ca. 5 Tage postpartal auf, Erblindungsgefahr |
| Disseminiert (DGI) | Intermittierendes Fieber, Polyarthritis, vaskulitisch-hämorrhagische Hautläsionen | Selten; Erregernachweis oft nur aus primärem mukosalem Ort möglich |
Diagnostik
Die Diagnose erfolgt durch direkten Erregernachweis. Serologische Verfahren stehen nicht zur Verfügung.
| Methode | Probenmaterial | Indikation / Bemerkung |
|---|---|---|
| NAT (Nukleinsäure-Amplifikation) | Erststrahlurin (Männer), Abstriche (zervikal, vaginal, urethral, pharyngeal, rektal) | Goldstandard für symptomatische und asymptomatische Infektionen |
| Kultur | Urethral- / Endozervikalabstrich (kein Urin!) | Zwingend erforderlich für Antibiotika-Empfindlichkeitstestung |
| Mikroskopie (Gram-Färbung) | Urethralabstrich (Mann) | Nur bei symptomatischer Urethritis des Mannes ausreichend sensitiv (95%) |
Eine Therapieerfolgskontrolle wird nach jeder Behandlung empfohlen. Bei Nutzung der NAT darf diese frühestens 4 Wochen nach Therapieende erfolgen, um falsch-positive Ergebnisse durch residuale (abgestorbene) DNA zu vermeiden.
Therapie und Resistenzen
Aufgrund weltweit steigender Antibiotikaresistenzen (insbesondere gegen Cephalosporine und Azithromycin) muss die Therapie leitliniengerecht erfolgen.
| Therapiestrategie | Medikamente und Dosierung | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Duale Therapie (Kalkuliert) | Ceftriaxon 1-2 g i.v./i.m. + Azithromycin 1,5 g p.o. | Standardempfehlung bei unkomplizierter Gonorrhö |
| Monotherapie | Ceftriaxon 1-2 g i.v./i.m. (einmalig) | Nur bei gesicherter Therapieerfolgskontrolle und Ausschluss von Koinfektionen |
| Gezielte Therapie | Nach Antibiogramm (Cephalosporin- und Azithromycin-sparend) | Vorliegen einer Empfindlichkeitstestung |
Meldepflicht und Prävention
- Meldepflicht: Nach § 7 Abs. 3 IfSG ist jeder Nachweis von N. gonorrhoeae an das RKI meldepflichtig.
- Partnerbenachrichtigung: Männliche Patienten mit Urethritis sollten Partner der letzten 2 Wochen informieren. Frauen und Patienten mit extragenitaler Gonorrhö sollten Partner der letzten 3 Monate kontaktieren.
- Prävention: Kondomnutzung und regelmäßige Testung (z.B. alle 3-6 Monate bei PrEP-Nutzern).
💡Praxis-Tipp
Führen Sie bei Verdacht auf Gonorrhö neben der NAT immer auch eine kulturelle Diagnostik durch, um bei der zunehmenden Resistenzproblematik ein Antibiogramm zu sichern. Denken Sie bei asymptomatischen Patienten stets an pharyngeale und rektale Abstriche.