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Gonorrhö (Tripper): RKI-Ratgeber & Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Gonorrhö verläuft häufig asymptomatisch (Männer 10-30%, Frauen ca. 50%), was die unbemerkte Ausbreitung fördert.
  • Die Diagnostik erfolgt primär mittels hochsensitiver NAT (Nukleinsäure-Amplifikationstechnik) aus Abstrichen oder Erststrahlurin.
  • Eine kulturelle Anzucht ist zur Antibiotika-Empfindlichkeitstestung aufgrund weltweit steigender Resistenzen essenziell.
  • Die kalkulierte Therapie der unkomplizierten Gonorrhö besteht aus einer dualen Gabe von Ceftriaxon und Azithromycin.
  • Eine Therapieerfolgskontrolle (Test of Cure) wird frühestens 4 Wochen nach Therapieende mittels NAT empfohlen.
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Hintergrund

Die Gonorrhö (umgangssprachlich Tripper) wird durch Neisseria gonorrhoeae (gramnegative Diplokokken) verursacht. Die Übertragung erfolgt ausschließlich durch direkten Schleimhautkontakt (genital, oral, anal) oder perinatal beim Geburtsvorgang. Die Inkubationszeit beträgt 1-14 Tage. Der Mensch ist der einzige Wirt des Erregers.

Klinische Symptomatik

Das klinische Bild reicht von eitrigen Schleimhautinfektionen bis hin zu asymptomatischen Verläufen, die ein wichtiges Infektionsreservoir darstellen.

Patientengruppe / LokalisationLeitsymptomeBesonderheiten
Männer (Urethritis)Massiver urethraler Ausfluss, Dysurie10-30% asymptomatisch
Frauen (Zervizitis/Urethritis)Vermehrter Ausfluss, Dysurie, Zwischenblutungenca. 50% asymptomatisch; Risiko für Pelvic Inflammatory Disease (PID) und Infertilität
Pharyngeal / RektalOft asymptomatisch, Proktitis möglichWichtiges Infektionsreservoir, Übertragung durch orogenitalen Kontakt
NeugeboreneAkute purulente Konjunktivitis (Ophthalmoblennorrhoea neonatorum)Tritt ca. 5 Tage postpartal auf, Erblindungsgefahr
Disseminiert (DGI)Intermittierendes Fieber, Polyarthritis, vaskulitisch-hämorrhagische HautläsionenSelten; Erregernachweis oft nur aus primärem mukosalem Ort möglich

Diagnostik

Die Diagnose erfolgt durch direkten Erregernachweis. Serologische Verfahren stehen nicht zur Verfügung.

MethodeProbenmaterialIndikation / Bemerkung
NAT (Nukleinsäure-Amplifikation)Erststrahlurin (Männer), Abstriche (zervikal, vaginal, urethral, pharyngeal, rektal)Goldstandard für symptomatische und asymptomatische Infektionen
KulturUrethral- / Endozervikalabstrich (kein Urin!)Zwingend erforderlich für Antibiotika-Empfindlichkeitstestung
Mikroskopie (Gram-Färbung)Urethralabstrich (Mann)Nur bei symptomatischer Urethritis des Mannes ausreichend sensitiv (95%)

Eine Therapieerfolgskontrolle wird nach jeder Behandlung empfohlen. Bei Nutzung der NAT darf diese frühestens 4 Wochen nach Therapieende erfolgen, um falsch-positive Ergebnisse durch residuale (abgestorbene) DNA zu vermeiden.

Therapie und Resistenzen

Aufgrund weltweit steigender Antibiotikaresistenzen (insbesondere gegen Cephalosporine und Azithromycin) muss die Therapie leitliniengerecht erfolgen.

TherapiestrategieMedikamente und DosierungVoraussetzung
Duale Therapie (Kalkuliert)Ceftriaxon 1-2 g i.v./i.m. + Azithromycin 1,5 g p.o.Standardempfehlung bei unkomplizierter Gonorrhö
MonotherapieCeftriaxon 1-2 g i.v./i.m. (einmalig)Nur bei gesicherter Therapieerfolgskontrolle und Ausschluss von Koinfektionen
Gezielte TherapieNach Antibiogramm (Cephalosporin- und Azithromycin-sparend)Vorliegen einer Empfindlichkeitstestung

Meldepflicht und Prävention

  • Meldepflicht: Nach § 7 Abs. 3 IfSG ist jeder Nachweis von N. gonorrhoeae an das RKI meldepflichtig.
  • Partnerbenachrichtigung: Männliche Patienten mit Urethritis sollten Partner der letzten 2 Wochen informieren. Frauen und Patienten mit extragenitaler Gonorrhö sollten Partner der letzten 3 Monate kontaktieren.
  • Prävention: Kondomnutzung und regelmäßige Testung (z.B. alle 3-6 Monate bei PrEP-Nutzern).

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei Verdacht auf Gonorrhö neben der NAT immer auch eine kulturelle Diagnostik durch, um bei der zunehmenden Resistenzproblematik ein Antibiogramm zu sichern. Denken Sie bei asymptomatischen Patienten stets an pharyngeale und rektale Abstriche.

Häufig gestellte Fragen

Frühestens 4 Wochen nach Therapieende, da sonst residuale (abgestorbene) DNA zu falsch-positiven Ergebnissen führen kann.
Für die NAT eignen sich Abstriche (urethral, zervikal, vaginal, pharyngeal, rektal) sowie Erststrahlurin bei Männern. Für die Kultur ist Urin ungeeignet.
Die Leitlinie empfiehlt eine duale Therapie aus Ceftriaxon (1-2 g i.v. oder i.m.) und Azithromycin (1,5 g p.o.).
Ja, gemäß § 7 Abs. 3 IfSG ist jeder direkte labordiagnostische Nachweis von Neisseria gonorrhoeae an das RKI zu melden.

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