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HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP): Leitlinie (AWMF/DAIG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die PrEP mit TDF/FTC wird für Personen mit substanziellem HIV-Infektionsrisiko (z.B. MSM, serodiskordante Paare) empfohlen.
  • Standard ist die tägliche Einnahme; eine anlassbezogene Einnahme ist off-label, aber für analen Verkehr möglich.
  • Vor Beginn müssen eine HIV-Infektion ausgeschlossen, die Nierenfunktion (eGFR >60 ml/min) geprüft und der Hepatitis-B-Status erhoben werden.
  • Ein regelmäßiges Monitoring (HIV-Test, STI-Screening, Nierenwerte) alle 3 Monate ist obligatorisch.
  • Die Schutzwirkung tritt bei täglicher Einnahme nach 3 Tagen (kolorektal) bzw. 7 Tagen (vaginal) ein.
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Hintergrund

Die HIV-Infektion ist eine lebenslange, bislang nicht heilbare Erkrankung. Neben der effektiven antiviralen Therapie von HIV-Positiven ist die Prävention bei HIV-Negativen entscheidend. Die medikamentöse Präexpositionsprophylaxe (PrEP) mit systemisch wirksamen antiretroviralen Substanzen reduziert das Risiko einer HIV-Transmission signifikant (bis zu 99 % bei hoher Adhärenz).

Indikation

Ein substanzielles HIV-Infektionsrisiko und damit eine Indikation zur PrEP besteht insbesondere bei folgenden HIV-negativen Personen:

  • MSM oder Trans-Personen mit analem Sex ohne Kondom in den letzten 3–6 Monaten (oder voraussichtlich in der Zukunft) bzw. einer STI in den letzten 12 Monaten.
  • Serodiskordante Paare, wenn der/die HIV-positive Partner/in keine suppressive ART erhält (z.B. keine ART, Anfangsphase der ART oder Viruslast nicht seit 6 Monaten <200 Kopien/ml).
  • Sexarbeitende.
  • Personen mit kondomlosen Sexualkontakten mit Partner*innen mit potenziell undiagnostizierter HIV-Infektion.
  • Drogeninjizierende Personen ohne Gebrauch steriler Materialien.

Substanzauswahl und Einnahmeschemata

Zur PrEP soll das orale Kombinationspräparat Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil (TDF/FTC) eingesetzt werden. TAF/FTC oder Cabotegravir i.m. werden derzeit nicht als Standardalternative empfohlen.

SchemaDosierungBemerkung
Kontinuierlich1 Tablette täglichStandardempfehlung. Schutz ab Tag 3 (kolorektal) bzw. Tag 7 (vaginal).
Anlassbezogen2 Tbl. 2-24h vor Sex, dann 1 Tbl. täglich, bis 2 Tage nach letztem SexOff-Label-Use. Nur für analen Sex empfohlen. Kontraindiziert bei chronischer Hepatitis B.

Voraussetzungen vor PrEP-Beginn

Vor der Erstverordnung müssen zwingend folgende Parameter geprüft werden:

  • HIV-Serologie: Negativer 4.-Generations-ELISA (mit p24-Antigen). Bei sehr hohem Risiko und Dringlichkeit zusätzlich HIV-PCR.
  • Hepatitis B: Ausschluss einer replikativen Infektion (HBsAg, anti-HBc) und Prüfung der Immunität.
  • Nierenfunktion: Kreatinin-Bestimmung. Die eGFR soll mindestens 60 ml/min betragen (sollte >80 ml/min sein).

Monitoring unter PrEP

Eine enge medizinische Begleitung ist für die Sicherheit der PrEP essenziell. Folgende Kontrollen werden empfohlen:

UntersuchungIntervallBemerkung
HIV-Serologie (4. Gen)Alle 3 MonateZusätzlich einmalig 4 Wochen nach PrEP-Beginn
Lues-SerologieAlle 3 Monate
Gonorrhoe/ChlamydienAlle 12 MonateAbstriche (pharyngeal, anorektal, genital/Urin). Kann auf 3-6 Monate verkürzt werden.
Kreatinin (eGFR)Alle 3 MonateBei <40 J. und eGFR >90 ml/min ggf. alle 6-12 Monate
HCV-SerologieAlle 6-12 MonateBei bisher HCV-seronegativen Nutzern
BeratungAlle 3 MonateÜberprüfung der Indikation, Adhärenz und Risikoreduktion

Vorgehen bei Verdacht auf HIV-Infektion

Trotz PrEP kann es in seltenen Fällen zu einer HIV-Infektion kommen (z.B. bei mangelnder Adhärenz). Treten Symptome einer primären HIV-Infektion auf (Fieber, Exanthem, Lymphadenopathie, Mundaphthen), muss zwingend eine Plasma-HIV-RNA-Bestimmung (PCR) sowie ein 4.-Generations-Test erfolgen.

  • Bei positivem PCR-Nachweis: PrEP sofort absetzen und in eine wirksame antiretrovirale Therapie mit hoher Resistenzbarriere überführen. Resistenzanalyse veranlassen.
  • Bei positivem ELISA, aber negativer PCR: PrEP fortführen und Befunde nach 2 Wochen kontrollieren (Verdacht auf falsch-positiven ELISA).

Schwangerschaft

Tritt unter der PrEP eine Schwangerschaft ein, sollte die PrEP bei weiterbestehendem HIV-Infektionsrisiko nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung unverändert fortgeführt werden.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie jede PrEP-Beratung, um den Impfstatus (insbesondere Hepatitis A/B und Mpox) zu prüfen. Klären Sie Patienten strikt darüber auf, dass die PrEP nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) schützt.

Häufig gestellte Fragen

Bei kontinuierlicher Einnahme geht man von einem Schutz nach 3 Tagen (kolorektal) bzw. 7 Tagen (vaginal) aus. Bei anlassbezogener Einnahme (nur anal) besteht der Schutz 2-24 Stunden nach der initialen Doppeldosis.
Nein. Wegen fehlender Daten und einem verzögerten Erreichen ausreichender Gewebespiegel in der Vaginalschleimhaut wird die anlassbezogene PrEP für vaginale Sexualkontakte nicht empfohlen.
Gab es in der Pause sexuelle Risikokontakte, wird vor dem Wiederbeginn eine Testung mittels HIV-PCR empfohlen. Zudem muss 4 Wochen nach dem Neustart eine erneute HIV-Serologie erfolgen.
Eine generelle Empfehlung für eine STI-PEP mit Doxycyclin in Ergänzung zur HIV-PrEP gibt es aktuell nicht. Bei Patienten mit mehreren STIs im letzten Jahr kann sie jedoch im Einzelfall erwogen werden.

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