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Vitamin-D-Mangel-Rachitis: S1-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose wird durch Klinik, Labor (AP erhöht, PTH erhöht, 25-OHD erniedrigt) und Röntgen (Hand/Knie links) gesichert.
  • Eine normale Alkalische Phosphatase (AP) schließt eine Rachitis in der Regel aus.
  • Die Therapie erfordert zwingend die Kombination aus hochdosiertem Vitamin D3 und Kalzium zur Vermeidung hypokalzämischer Krämpfe.
  • Korrekturoperationen von Beinachsenfehlstellungen sind meist nicht nötig; die Begradigung dauert unter Therapie 2-3 Jahre.
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Hintergrund

Die Vitamin-D-Mangel-Rachitis ist eine kalzipenische Rachitis. Sie führt zu einer gestörten Mineralisierung und Strukturstörung der Wachstumsfuge. Ursächlich sind eine unzureichende Zufuhr, fehlende Prophylaxe, verminderte endogene Synthese oder intestinale Malabsorption, was in einer verminderten intestinalen Kalziumabsorption resultiert.

Besonders gefährdet sind Säuglinge, Kleinkinder und Adoleszente mit geringer Sonnenexposition, dunkler Hautpigmentierung oder geringer Kalzium-/Vitamin-D-Zufuhr. Tritt die Erkrankung außerhalb dieser Altersgruppen auf, müssen Differenzialdiagnosen wie Zöliakie, Mukoviszidose, Morbus Crohn, Leber-/Gallenwegserkrankungen oder chronische Niereninsuffizienz bedacht werden.

Leitsymptome

Die klinische Präsentation umfasst verschiedene Organsysteme:

OrgansystemSymptome
SkelettAchsenabweichungen (Knie), Diaphysenverbiegung, aufgetriebene/gebecherte Metaphysen, Glockenthorax, rachitischer Rosenkranz, Craniotabes
NeurologieMuskuläre Hypotonie, Tetanie, motorische Entwicklungsverzögerung, Krampfanfälle
SonstigeErhöhte Infektanfälligkeit, Herzrhythmusstörungen (bei schwerer Hypokalzämie), Gingivahyperplasie

Diagnostik

Die Diagnose basiert auf Anamnese, Klinik, Labor und wird radiologisch bestätigt.

Laborparameter:

  • Alkalische Phosphatase (AP) im Serum
  • S-Kalzium, S-Phosphat, S-Kreatinin
  • U-Phosphat, U-Kreatinin
  • Intaktes Parathormon (PTH)
  • 25-OH-Vitamin-D (25-OHD)

Bildgebung:

  • Röntgenaufnahme: Hand links und Knie links
  • Schweregrad-Bewertung: Thacher-Score (2000)

Differenzialdiagnostische Laborprofile

DiagnoseAPS-PhosphatS-Kalzium25-OHDPTH
Vitamin-D-Mangel-Rachitisnormal / ↓normal / ↓
Hypophosphatämische Rachitisnormalnormalnormal

Wichtige diagnostische Ausschlüsse:

  • Eine normale AP schließt eine Rachitis in der Regel aus (Ausnahmen: Hypophosphatasie, renal tubuläre Azidose).
  • Ein normales PTH schließt eine kalzipenische Rachitis aus.
  • Entbehrlich sind: Knochendichtemessung, Kollagenmarker und 1,25(OH)2D (bei bereits gesichertem 25-OHD-Mangel).

Therapie

Die kausale Therapie erfordert zwingend die Kombination aus Vitamin D3 und Kalzium, um initiale hypokalzämische Krampfanfälle zu vermeiden.

Stufenschema der kausalen Therapie

AlterVitamin D3KalziumDauerErhaltung / Folge
< 12 Monate2.000 IE/Tag40–80 mg/kg/Tag12 Wochen500 IE/Tag bis Ende 1. Lebensjahr
1–12 Jahre3.000–6.000 IE/Tagmind. 500 mg/Tag12 Wochen-
ab 13 Jahren6.000 IE/Tag500–1.000 mg/Tag--

Therapiekontrolle: Laborkontrolle nach 3–4 Wochen zur Dosisanpassung. Fällt das PTH nicht ab, muss die Diagnose überprüft werden (Verdacht auf Vitamin-D-abhängige Rachitis Typ I, II, III).

Symptomatische Therapie bei hypokalzämischen Krämpfen/Tetanien

  • 10% Kalziumglukonatlösung: 1–2 ml/kg KG langsam i.v. (Cave: Herzrhythmusstörungen)
  • Zügige Umstellung auf orale Gabe bei anhaltender Hypokalzämie (Cave: Nekrosegefahr bei i.v.-Gabe)

Orthopädische Intervention

Korrekturoperationen der Beinachsen sind meist nicht nötig. Unter adäquater Therapie dauert die vollständige Begradigung 2–3 Jahre.

Prophylaxe

  • Generell: Mindestens 500 IE/Tag im 1. Lebensjahr.
  • Ausschließlich gestillte Säuglinge: 500 IE/Tag bis zum 2. Lebensjahr.
  • Risikogruppen (chronisch Kranke, dunkles Hautkolorit, antiepileptische Therapie): 1.000 IE/Tag generell empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Substituieren Sie bei der Einleitung einer hochdosierten Vitamin-D-Therapie zwingend ausreichend Kalzium, um einen hypokalzämischen Krampfanfall in der Initialphase zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Typisch sind eine erhöhte Alkalische Phosphatase (AP) und ein erhöhtes Parathormon (PTH) bei gleichzeitig erniedrigtem 25-OH-Vitamin-D.
Empfohlen wird eine Röntgenaufnahme der linken Hand und des linken Knies zur Bewertung nach dem Thacher-Score.
Laut Leitlinie ist eine Knochendichtemessung bei gesichertem Vitamin-D-Mangel (erniedrigtes 25-OHD) entbehrlich.
Bei adäquater Zufuhr von Kalzium und Vitamin D dauert es in der Regel 2 bis 3 Jahre. Operationen sind meist nicht erforderlich.

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