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Hypoparathyreoidismus: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Hypoparathyreoidismus (HypoPT) ist durch verminderte Parathormonsekretion mit Hypokalzämie und Hyperphosphatämie gekennzeichnet.
  • Pseudohypoparathyreoidismus (PHypoPT) beruht auf einer Parathormon-Resistenz, oft kombiniert mit weiteren Hormonresistenzen.
  • Die Dauertherapie erfolgt primär oral mit aktivem Vitamin D (Calcitriol/Alfacalcidol) und Calcium.
  • Bei autosomal dominanter Hypokalzämie (ADH) sollte nur bei klinischen Symptomen therapiert werden, um eine Nephrokalzinose zu vermeiden.
  • Die Akuttherapie einer schweren Hypokalzämie erfolgt intravenös mit Calciumglukonat 10 %.
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Hintergrund

Unter dem Begriff Hypoparathyreoidismus (HypoPT) werden Störungen des Kalzium-Phosphatstoffwechsels zusammengefasst. Sie sind durch eine verminderte Parathormonsekretion (PTH) sowie eine konsekutive Hypokalzämie und/oder Hyperphosphatämie gekennzeichnet. Ursachen können Traumata, Tumoren, Strumektomien oder hereditäre Syndrome (z. B. Mikrodeletionssyndrom 22q11.2, APECED-Syndrom) sein.

Vom HypoPT ist der Pseudohypoparathyreoidismus (PHypoPT) abzugrenzen. Hierbei werden Hypokalzämie und Hyperphosphatämie nicht durch einen PTH-Mangel, sondern durch eine verminderte PTH-Wirkung (PTH-Resistenz) verursacht. Dies führt reaktiv zu erhöhten PTH-Konzentrationen. PHypoPT gehört zur Gruppe der inaktivierenden PTH/PTHrP-Signalerkrankungen (iPPSD).

Leitsymptome

Die Symptomatik variiert je nach Ursache und Ausprägung stark:

ErkrankungTypische Symptome
HypoPT (allgemein)Tetanie, zerebrale Krampfanfälle, intrakranielle Verkalkungen, Katarakt, Zahnanomalien, Alopezie
PHypoPT (iPPSD)PTH-Resistenz (oft erst in späterer Kindheit), weitere Hormonresistenzen (TSH, GHRH), Adipositas, Kleinwuchs, Brachydaktylie, subkutane Ossifikationen, kognitive Verzögerung
APECED-SyndromNebenniereninsuffizienz, mukokutane Candidiasis, HypoPT
Autosomal dominante Hypokalzämie (ADH)Oft asymptomatisch (Zufallsbefund), Muskelkrämpfe, ggf. Nephrokalzinose

Diagnostik

Die Diagnostik zielt auf den Nachweis der Hypokalzämie und der fehlenden PTH-Sekretion bzw. -Wirkung ab.

Basislabor:

  • Serum: Kalzium, Phosphat, alkalische Phosphatase, intaktes PTH, Magnesium, Kreatinin
  • Urin: Kalzium/Kreatinin-Quotient

Erweiterte Diagnostik bei PHypoPT: Da beim PHypoPT weitere Endokrinopathien auftreten können, ist eine zusätzliche Abklärung erforderlich:

AchseDiagnostik
WachstumshormonGHRH-Resistenz prüfen (GH-Stimulationstest, ggf. GH-Nachtprofil)
SchilddrüseTSH, fT3, fT4 (bei Hypothyreose: Antikörper, Sonografie)
GonadenAbklärung eines Hypogonadismus (besonders bei Adoleszenten/Erwachsenen)

Die Bestätigung der Diagnose erfolgt molekulargenetisch (z. B. Gen-Panel, MLPA, FISH).

Therapie

Im Gegensatz zu anderen Hormonmangelzuständen wird beim HypoPT in der Regel nicht das fehlende Hormon substituiert. Rekombinantes PTH ist bei Kindern nur als Ultima Ratio im Off-Label-Use zu erwägen.

Medikamentöse Dauertherapie

WirkstoffDosierungIndikationTherapieziel
Calcitriol / Alfacalcidol15-40 ng/kg/Tag (oral, 1-2 ED)HypoPT & PHypoPTHypoPT: Serum-Kalzium im unteren Referenzbereich. PHypoPT: Kalzium/Phosphat normal, PTH zwischen mittlerem Normbereich und 2-fach erhöht.
Calcium (oral)20-30 mg/kg/Tag (max. 1500 mg, 2-3 ED)HypoPT & PHypoPTVermeidung von Hyperkalziurie/Hyperkalzämie (Gefahr der Nephrokalzinose).

Hinweis zur ADH: Bei der autosomal dominanten Hypokalzämie sollte eine medikamentöse Therapie nur bei klinischen Symptomen erfolgen, da die Calciumsubstitution das Risiko einer Nephrokalzinose erhöht.

Akuttherapie

Bei schwerer Hypokalzämie erfolgt die Gabe von Calciumglukonat 10 % (1-2 ml/kg KG) als langsame intravenöse Infusion. Aufgrund der Gefahr von Gewebsnekrosen ist die orale Gabe wann immer möglich vorzuziehen.

Follow-up bei Pseudohypoparathyreoidismus

Aufgrund der hohen Variabilität ist eine lebenslange multidisziplinäre Betreuung notwendig:

  • Labor (Ca, PO4, PTH, 25-OH-Vit D, TSH, fT3, fT4, Urin-Ca/Crea): Kinder alle 3-6 Monate, Erwachsene 1x jährlich.
  • Apparativ: Nierensonografie alle 6-12 Monate bei Hyperkalziurie.
  • Zusätzlich: Jährliche ophthalmologische und zahnärztliche Kontrollen, psychologische Diagnostik bei Bedarf.

💡Praxis-Tipp

Bevorzugen Sie die orale Calciumsubstitution gegenüber der intravenösen Gabe, da bei i.v.-Gabe von Calciumglukonat ein hohes Risiko für Gewebsnekrosen besteht. Therapieren Sie eine autosomal dominante Hypokalzämie (ADH) nur bei klinischen Symptomen.

Häufig gestellte Fragen

Beim PHypoPT liegt kein Mangel an Parathormon vor, sondern eine PTH-Resistenz. Das PTH im Serum ist reaktiv erhöht.
Die Basistherapie besteht aus aktivem Vitamin D (Calcitriol oder Alfacalcidol) und oralem Calcium. Rekombinantes PTH wird bei Kindern nur als Ultima Ratio eingesetzt.
Das Serum-Kalzium sollte in den unteren Referenzbereich angehoben werden, um eine Hyperkalziurie und damit eine Nephrokalzinose zu vermeiden.
Durch langsame intravenöse Infusion von Calciumglukonat 10 % (1-2 ml/kg KG).

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