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Vitamin-D-abhängige Rachitiden: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Vitamin-D-abhängige Rachitiden (VDAR) sind seltene, meist autosomal-rezessive Störungen des Vitamin-D-Stoffwechsels.
  • Ein fehlendes Ansprechen auf die übliche Vitamin-D- und Kalziumtherapie ist das klinische Leitsymptom.
  • Normale 1,25(OH)2D-Serumspiegel sprechen gegen das Vorliegen einer VDAR I, II oder III.
  • Die Therapie reicht je nach Subtyp von physiologischen Calcitriol-Dosen bis hin zu hochdosiertem Cholecalciferol oder Kalziuminfusionen.
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Hintergrund

Vitamin-D-abhängige Rachitiden (VDAR) sind seltene, angeborene Störungen des Vitamin-D-Stoffwechsels. Sie folgen meist einem autosomal-rezessiven Erbgang (Ausnahme: VDAR III, autosomal-dominant). Klinisch und radiologisch ähneln sie der klassischen Vitamin-D-Mangelrachitis, zeichnen sich jedoch durch ein fehlendes Ansprechen auf die übliche Vitamin-D- und Kalziumtherapie aus.

TypGendefektPathomechanismus
VDAR IACYP27B1Enzymaktivitätsverlust der 1α-Hydroxylase; gestörte renale 1,25(OH)2D-Synthese
VDAR IBCYP2R1Störung der 25-Vitamin-D-Hydroxylase
VDAR IIAVDRRezeptordefekt für 1,25(OH)2D
VDAR IIBÜberexpression hnRNPs C1/C2Postrezeptordefekt (verhinderte Bindung an VDRE)
VDAR IIICYP3A4 (aktivierend)Rasche Inaktivierung der Vitamin-D-Metabolite (25-OHD und 1,25(OH)2D)

Leitsymptome

  • Klinik und radiologische Veränderungen wie bei Vitamin-D-Mangelrachitis
  • Fehlendes Ansprechen auf die primäre Rachitistherapie
  • Bei VDAR IIA: Etwa 50 % der Betroffenen weisen eine Alopezie auf

Diagnostik

Die Diagnostik sollte durch einen Kinder-/Jugendarzt oder pädiatrischen Endokrinologen/Diabetologen erfolgen. Normale 1,25(OH)2D-Serumspiegel sprechen gegen VDAR I, II und III.

Diagnostik-SäuleParameter / Maßnahmen
LaborAP, S-Kalzium, S-Phosphat, S-Kreatinin, PTH, 25-OHD, 1,25(OH)2D
BildgebungRöntgen Hand links; für Schweregrad (Thacher-Score) zusätzlich Röntgen Knie links
GenetikMolekulargenetischer Nachweis der VDAR I A/B, IIA/B und III möglich

Therapie

Die Therapie muss subtypspezifisch erfolgen und erfordert regelmäßige Kontrollen von Serum-Kalzium, Parathormon, AP sowie der Kalzium/Kreatinin-Ratio im Urin.

TypTherapieBemerkung
VDAR IA0,3–2,0 µg Calcitriol/TagLebenslang. Initial Kalzium-Gabe zur Absättigung ("hungry bone") erforderlich.
VDAR IB0,3–2,0 µg Calcitriol/TagAltersentsprechende Kalziumzufuhr mit der Nahrung.
VDAR IIA/BBehandlungsversuch: bis zu 50 µg Calcitriol/Tag p.o. + KalziumBei Therapieversagen: Umstellung auf orales Kalzium (3–5 g/m2). Bei anhaltender Hypokalzämie selten nächtliche Kalziuminfusionen nötig.
VDAR III1.000–50.000 IE Cholecalciferol/Tag-

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei einer Rachitis, die nicht auf die Standardtherapie mit Vitamin D und Kalzium anspricht, an eine hereditäre Vitamin-D-abhängige Rachitis (VDAR) und veranlassen Sie eine erweiterte Labordiagnostik.

Häufig gestellte Fragen

Zur Basisdiagnostik gehören AP, Serum-Kalzium, Serum-Phosphat, Kreatinin, Parathormon (PTH), 25-OHD und 1,25(OH)2D.
Etwa die Hälfte der Patienten mit einer VDAR IIA leidet zusätzlich zur Rachitis an einer Alopezie.
Durch eine Röntgenaufnahme des linken Knies zur Erhebung des Thacher-Scores, ergänzend zur Standard-Röntgenaufnahme der linken Hand.

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