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Lungenfehlbildungen bei Kindern: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Lungenfehlbildungen (Prävalenz 1:2.500-8.000) werden zunehmend pränatal im Ultraschall diagnostiziert.
  • Das kongenitale lobäre Emphysem erfordert bei manifester klinischer Symptomatik eine chirurgische Lobektomie.
  • Lungensequestrationen (intra- und extralobär) weisen eine atypische systemische Blutversorgung auf und sollten meist reseziert werden.
  • Bei der CPAM (früher CCAM) besteht eine grundsätzliche Operationsindikation aufgrund des Entartungs- und Infektionsrisikos, idealerweise im Säuglingsalter.
  • Auch asymptomatische bronchogene Zysten sollten chirurgisch saniert werden, da symptomatische Befunde ein erhöhtes Operationsrisiko bergen.
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Hintergrund

Angeborene Lungenfehlbildungen werden aufgrund der verbesserten pränatalen Ultraschalldiagnostik zunehmend häufiger festgestellt. Die aktuelle Häufigkeit bei Lebendgeborenen wird auf 1:2.500 bis 1:8.000 geschätzt. Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie fasst die Diagnostik und Therapie der vier wichtigsten Entitäten zusammen: Kongenitales lobäres Emphysem, Lungensequestration, CPAM und bronchogene Zysten.

Kongenitales lobäres Emphysem

Beim kongenitalen lobären Emphysem kommt es zu einer zunehmenden Überblähung, die gewöhnlich auf einen Lungenlappen beschränkt ist. Es macht etwa 10 % der angeborenen Lungenfehlbildungen aus (Prävalenz 1:20.000-30.000).

  • Lokalisation: Meist linker Oberlappen, seltener rechter Mittel- oder Oberlappen.
  • Ursache: Vermutet wird ein Ventilmechanismus durch subtotalen Bronchusverschluss bei Exspiration (z. B. durch Bronchomalazie, Schleimhautsegel oder externe Kompression).
  • Symptomatik: Atemnot (oft in den ersten Lebenstagen oder innerhalb der ersten 6 Monate) und rezidivierende pulmonale Infekte.
  • Therapie: Bei fehlender Symptomatik kann observiert werden (eine Spontanrückbildung ist jedoch nicht zu erwarten). Bei klinisch manifester Symptomatik besteht die Indikation zur chirurgischen Lobektomie (thorakoskopisch oder offen).

Lungensequestration

Eine Lungensequestration ist ein abgrenzbarer Lungenabschnitt mit eigenständiger Blutversorgung aus dem Systemkreislauf. Man unterscheidet zwei Hauptformen:

MerkmalExtralobäre SequestrationIntralobäre Sequestration
Häufigkeit10-25 %75-90 %
PleuraüberzugEigenständigGemeinsam mit Lungenlappen
LokalisationMeist links dorsobasalMeist Unterlappen (55 % links, 45 % rechts)
Venöser AbflussMeist V. azygos / hemiazygosMeist Lungenvenen
GeschlechtJungen häufiger (3:1)Jungen häufiger (1,5:1)

Therapieempfehlungen:

  • Extralobär: Bei kleinen, asymptomatischen Befunden ohne wesentlichen arteriellen Blutfluss kann zunächst abgewartet werden. Bei fehlender Regression, Größe >20 % des Hemithorax, zystischen Veränderungen oder Herzinsuffizienz (durch Shuntvolumen) ist eine Resektion indiziert.
  • Intralobär: Aufgrund des Infektionsrisikos (durch mögliche Verbindung zum Tracheobronchialsystem) und der schweren Abgrenzbarkeit zu anderen Läsionen wird die chirurgische Entfernung (meist Lobektomie) bei allen intrapulmonalen Sequestrationen empfohlen, idealerweise vor Eintreten von Infekten.

CPAM (Congenital pulmonary airway malformation)

Die CPAM (früher CCAM) ist eine hamartöse, gutartige Veränderung mit soliden und zystischen Anteilen (Inzidenz ca. 1:7.200). Es kann in bis zu 25 % der Fälle eine systemische Gefäßversorgung vorliegen ("Hybridläsion").

KlassifikationKriterienKlinische Relevanz
Stocker (Typ 0-4)Histologisches Bild und ZystengrößeNur bedingt klinisch relevant
AdzickMikrozystisch vs. Makrozystisch (> 5 mm)Zusammen mit Volumetrie hilfreich für pränatale Risikostratifizierung

Therapie:

  • Es besteht eine grundsätzliche Operationsindikation aufgrund des Entartungsrisikos und der Gefahr rezidivierender Infekte.
  • Die Resektion (meist Lobektomie zur Vermeidung von Restläsionen) ist noch im Säuglingsalter empfehlenswert.
  • Eine spätere Operation nach vorangegangenen Infektionen geht mit einem mehr als 2-fach erhöhten Risiko postoperativer Komplikationen einher.

Bronchogene Zysten

Bronchogene Zysten entstehen durch eine Entwicklungsstörung des Vorderdarms. Sie sind mit Schleim oder Flüssigkeit gefüllt und mit respiratorischem Epithel ausgekleidet.

  • Lokalisation: Meist unilokulär in der Lunge oder im Mediastinum.
  • Symptomatik: Oft erst im zweiten Lebensjahrzehnt durch Infektionen, Atemstörungen oder Hämoptyse. Seltener im frühen Kindesalter durch Kompression (Schluck- oder Atemstörungen).
  • Therapie: Vollständige Resektion der Zyste. Auch asymptomatische Befunde sollten chirurgisch saniert werden, da das Operationsrisiko bei bereits symptomatisch gewordenen Zysten erhöht ist und eine Malignomentstehung beschrieben wurde.

Nachbehandlung

Nach der chirurgischen Entfernung jeglicher Lungenfehlbildungen muss eine ambulante Weiterbetreuung durch Kinderchirurgen und Kinderpneumologen (ggf. auch Kinderkardiologen) gewährleistet sein. Die Nachsorge wird individuell anhand der Therapie, Symptomatik und Begleiterkrankungen festgelegt.

💡Praxis-Tipp

Planen Sie die Resektion einer CPAM idealerweise noch im Säuglingsalter. Abwarten bis ins spätere Kindesalter erhöht das Risiko für rezidivierende Infektionen, welche die spätere Operation deutlich erschweren und das Komplikationsrisiko mehr als verdoppeln.

Häufig gestellte Fragen

Die intralobäre Form (75-90%) teilt sich die Pleura mit der restlichen Lunge und drainiert venös meist über die Lungenvenen. Die extralobäre Form hat einen eigenen Pleuraüberzug und drainiert meist über das Azygos-System. Beide erhalten arterielles Blut aus dem Systemkreislauf.
Die chirurgische Entfernung (meist als Lobektomie) wird noch im Säuglingsalter empfohlen, um rezidivierenden pulmonalen Infektionen und einer möglichen malignen Entartung zuvorzukommen.
Ja, eine vollständige Resektion wird auch bei asymptomatischen Befunden empfohlen. Das Operationsrisiko ist bei bereits symptomatisch gewordenen Zysten deutlich erhöht, zudem ist eine maligne Entartung möglich.
Bei klinisch manifester Symptomatik (Atemnot, rezidivierende Infekte) besteht die Indikation zur chirurgischen Lobektomie. Eine Spontanrückbildung ist nicht zu erwarten.
Zur genauen Beurteilung der Ausdehnung und zur Operationsplanung wird in der Regel ein Thorax-CT (ggf. mit Kontrastmittel) oder ein MRT empfohlen. Der Zeitpunkt der Bildgebung sollte sich nach der geplanten Resektion richten.

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