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Trikuspidalatresie bei Kindern: Leitlinie (AWMF/DGPK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Trikuspidalatresie ist ein zyanotischer Herzfehler mit univentrikulärer Kreislaufphysiologie und obligatem Rechts-Links-Shunt auf Vorhofebene.
  • Die Echokardiographie ist der Goldstandard zur Diagnosestellung; ein diagnostischer Herzkatheter ist initial nicht indiziert.
  • Die definitive chirurgische Therapie erfolgt nach dem Fontan-Prinzip (totale cavo-pulmonale Konnektion).
  • Die Art der neonatalen Palliation (z.B. mBTS oder PA-Banding) richtet sich nach dem Ausmaß der pulmonalen Durchblutung.
  • Bei balancierter Hämodynamik kann die obere cavo-pulmonale Anastomose (CPA) ab dem 3. Lebensmonat als Primäreingriff erfolgen.
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Hintergrund

Die Trikuspidalatresie beschreibt die Agenesie der rechtsseitigen AV-Klappe. Der rechte Ventrikel ist meist rudimentär angelegt, sodass der dominante linke Ventrikel als singuläre Pumpkammer agiert. Es handelt sich um einen zyanotischen Herzfehler mit vollständiger Durchmischung von systemvenösem und pulmonalvenösem Blut im Systemventrikel bei obligatem Rechts-Links-Shunt auf Vorhofebene.

Zusätzliche kardiale Fehlbildungen (ASD, VSD, offener Ductus arteriosus) sind für das Überleben erforderlich. Das Ausmaß der Lungendurchblutung variiert stark und bestimmt die klinische Symptomatik (Zyanose vs. Herzinsuffizienz).

Klassifikation nach Rao

Die Einteilung erfolgt primär nach der Stellung der großen Arterien und sekundär nach der pulmonalen Perfusion:

TypStellung der großen Arterien
Typ INormale Stellung (ca. 75 % der Patienten)
Typ IID-Transposition der großen Arterien (D-TGA, ca. 20-25 %)
Typ III, IVMalpositionen (z.B. L-TGA, DORV)
SubgruppenPulmonale Perfusion
aPulmonalatresie, intaktes Ventrikelseptum
bPulmonalstenose oder Hypoplasie der Pulmonalarterie
cKeine Restriktion der Lungendurchblutung, normale Pulmonalarterien

Diagnostik

Die transthorakale Echokardiographie sichert die Diagnose und ist die Basis für die hämodynamische Einschätzung.

  • Soll nicht: Ein diagnostischer Herzkatheter ist zur reinen Diagnosestellung heute nicht empfohlen.
  • Soll: Nach intrauteriner Diagnose soll die Entbindung in einer Klinik mit kinderkardiologischer Expertise erfolgen.
  • Soll: Eltern sollen eine ausführliche, ergebnisoffene Beratung und das Angebot zur Vernetzung mit Patientenorganisationen erhalten.

Typische Befunde in der Basisdiagnostik:

  • EKG: Überdrehter Linkstyp (QRS-Achse 0° bis -90°), rechtsatriale/biatriale und linksventrikuläre Hypertrophie.
  • Pulsoxymetrie: Wichtiges Tool zur Erfassung von Änderungen der Lungendurchblutung im Verlauf (Interstage-Monitoring).

Risikostratifizierung vor oberer CPA

Vor dem zweiten Schritt der univentrikulären Palliation (obere cavo-pulmonale Anastomose, CPA) sollte eine vollständige angiographische und hämodynamische Evaluation erfolgen. Bei erhöhtem Risiko sollte ein Herzkatheter durchgeführt werden; bei niedrigem Risiko kann ein MRT/CT ausreichend sein.

ParameterNiedriges RisikoErhöhtes Risiko
Alter bei OP3. – 6. Monat< 2 Monate
Gewicht-< 4 kg
LV-Funktion (Echo)EF > 55 %EF < 45 %
Systemische AV-Klappe< geringe Insuffizienz> moderate Insuffizienz
Pulmonalarteriendruck (mPAP)< 10 mmHg> 15 mmHg
Pulmonalvaskulärer Widerstand< 2 WE x m²> 3 WE x m²
Pulmonalarterien-AnatomieAusreichende Dimension, keine StenosenPA-Hypoplasie, Torsion, Stenosen

Therapie und Stufenschema

Da eine nicht korrigierbare univentrikuläre Kreislaufphysiologie vorliegt, ist das Ziel die definitive Palliation nach dem Fontan-Prinzip.

Medikamentöse und interventionelle Therapie

  • Prostaglandin E: Obligat bei ductusabhängiger Lungen- oder Systemkreislaufperfusion.
  • Ballonatrioseptostomie: Ist bei restriktiver Vorhofkommunikation zeitnah indiziert.
  • Thromboseprophylaxe: Nach Anlage eines Shunts wird eine dauerhafte Behandlung mit einem Thrombozytenaggregationshemmer (z.B. ASS 1-3 mg/kg/d) empfohlen. Nach Anlage einer oberen CPA soll ebenfalls eine medikamentöse Thromboseprophylaxe erfolgen.

Chirurgisches Stufenschema (Säuglingsalter)

Der Primäreingriff richtet sich nach der pulmonalen Durchblutung:

HämodynamikPrimäreingriff (Neugeborenenphase)Bemerkung
Pulmonale MinderdurchblutungAorto-pulmonaler ShuntMeist modifizierter Blalock-Taussig-Shunt (mBTS)
Pulmonale MehrdurchblutungPulmonalarterienbändelungPA-Banding zur Vermeidung einer Systemkreislaufinsuffizienz
TGA (Typ II) mit SubaortenstenoseDKS-Anastomose + mBTSUmgehungsanastomose des systemischen Ausflusstraktes
Balancierte LungendurchblutungKeine neonatale PalliationDirekte Etablierung der oberen CPA ab dem 3. Lebensmonat

Im Alter von 3-6 Monaten folgt in der Regel die obere cavo-pulmonale Anastomose (bidirektionale Glenn-OP) als Zwischenschritt, bevor im weiteren Verlauf die totale cavo-pulmonale Anastomose (Fontan-Komplettierung) durchgeführt wird.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei Neugeborenen mit Trikuspidalatresie auf die Dynamik der Lungendurchblutung: In den ersten Lebenswochen kann sich eine subpulmonale Obstruktion verändern, was zu progredienter Hypoxämie oder Herzinsuffizienz führt. Engmaschige pulsoxymetrische Kontrollen sind essenziell.

Häufig gestellte Fragen

Typisch ist ein überdrehter Linkstyp (QRS-Achse gewöhnlich zwischen 0° und -90°) in Kombination mit einer rechtsatrialen oder biatrialen sowie linksventrikulären Hypertrophie.
Zur initialen Diagnosestellung ist er nicht mehr indiziert. Er wird jedoch interventionell (z.B. Ballonatrioseptostomie bei restriktivem Vorhofseptum) oder zur präoperativen Evaluation vor der cavo-pulmonalen Anastomose (insbesondere bei erhöhtem Risiko) eingesetzt.
Empfohlen wird eine dauerhafte Behandlung mit einem Thrombozytenaggregationshemmer. Am häufigsten wird ASS in einer Dosis von 1-3 mg/kg/d und/oder Clopidogrel 0,5-1 mg/kg/d gegeben.
Die definitive Palliation erfolgt nach dem Fontan-Prinzip durch die stufenweise Etablierung einer totalen cavo-pulmonalen Konnektion, da eine biventrikuläre Korrektur nicht möglich ist.

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