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Diagnostik interstitieller Lungenerkrankungen (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnostik der ILD erfordert zwingend eine multidisziplinäre Diskussion (MDD/ILD-Board) als Goldstandard.
  • Die Basisdiagnostik umfasst eine ausführliche Anamnese, Lungenfunktion (Bodyplethysmographie, DLCO, 6MWT) und ein natives Dünnschicht-Volumen-CT (HRCT).
  • Ein serologisches Screening auf rheumatologische Grunderkrankungen wird bei unklarer ILD generell empfohlen.
  • Die transbronchiale Kryobiopsie (TBLC) wird bei fibrosierenden ILDs als primäres Biopsieverfahren gegenüber der chirurgischen Lungenbiopsie bevorzugt.
  • Eine transbronchiale Zangenbiopsie (TBB) soll bei einem sicheren radiologischen UIP-Muster nicht durchgeführt werden.
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Hintergrund

Interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) umfassen eine heterogene Gruppe komplexer Lungenerkrankungen. Die Diagnostik erfordert ein standardisiertes, interdisziplinäres Vorgehen. ILDs werden in vier Hauptgruppen unterteilt:

  • Bekannte Ursachen: z.B. medikamentös-toxisch, rheumatische Systemerkrankungen, Pneumokoniosen (Berufskrankheiten).
  • Idiopathische interstitielle Pneumonien (IIP): z.B. idiopathische Lungenfibrose (IPF), idiopathische nicht-spezifische interstitielle Pneumonie (iNSIP), Raucher-assoziierte Formen.
  • Granulomatöse ILDs: z.B. Sarkoidose, exogen-allergische Alveolitis (EAA).
  • Andere/seltene Formen: z.B. Lymphangioleiomyomatose (LAM), pulmonale Langerhanszell-Histiozytose.

Klinische und Funktionelle Basisdiagnostik

Die Basisdiagnostik beginnt mit einer strukturierten Anamnese (inkl. Berufs- und Umweltanamnese) und körperlichen Untersuchung. Ein inspiratorisches Knisterrasseln (Sklerosiphonie) weist auf eine Fibrose hin, während ein inspiratorisches "Juchzen" für eine Bronchiolitis (z.B. bei EAA) spricht.

Die Lungenfunktionsprüfung dient der Quantifizierung und Verlaufsbeurteilung:

  • Bodyplethysmographie: Meist restriktive Ventilationsstörung (verminderte TLC). Obstruktive Muster sind seltener, kommen aber z.B. bei LAM, Sarkoidose oder EAA vor.
  • Diffusionskapazität (DLCO): Häufig der erste eingeschränkte Parameter.
  • 6-Minuten-Gehtest (6MWT): Wichtig für Funktionsstatus und Oxygenierung unter Belastung.

Labor- und Autoimmundiagnostik

Da ILDs häufig die erste oder einzige Manifestation einer rheumatischen Systemerkrankung sind, wird bei unklarer ILD ein serologisches Screening empfohlen.

VerdachtsdiagnoseEmpfohlene Autoimmundiagnostik
Basis-Screening (unklare ILD)BSG, CRP, CK, ANA, ENA (bei positiven ANA), IgM-Rheumafaktor, ACPA (anti-CCP)
Radiologisches UIP-MusterZusätzlich MPO-ANCA
V.a. MyositisMyositis-Blot (z.B. Jo-1, PL-7, MDA-5)
V.a. VaskulitisPR3-/c-ANCA, MPO-/p-ANCA

Bei Verdacht auf eine exogen-allergische Alveolitis (EAA) sollten spezifische IgG-Antikörper (sIgG-Ak) bestimmt werden (z.B. gegen Vogelstäube oder Schimmelpilze).

Radiologische Diagnostik (HRCT)

Die Computertomographie des Thorax ist essenziell. Standard ist das dünnschichtige Volumen-CT (HRCT).

ParameterEmpfehlung für die ILD-Diagnostik
TechnikSpiraltechnik, nativer Scan (ohne Kontrastmittel)
SchichtdickeMaximal 1,5 mm
AtemkommandoTiefe Endinspiration
ZusatzserienExspiration (bei V.a. Air-Trapping), Bauchlage (zur Differenzierung dorsobasaler Verdichtungen)
VerlaufskontrolleLow-Dose-Protokoll bevorzugt

Die Radiologie beschreibt CT-Muster (z.B. UIP, NSIP, OP), die in der multidisziplinären Diskussion der eigentlichen Erkrankung zugeordnet werden.

Bronchoskopie und Biopsieverfahren

Wenn Klinik und HRCT keine eindeutige Diagnose zulassen, sind invasive Verfahren indiziert.

Bronchoalveoläre Lavage (BAL)

Die BAL ist bei der Mehrheit der unklaren ILDs indiziert. Die Differenzialzytologie liefert wichtige Hinweise:

  • Lymphozytose (>20%): Spricht für EAA, Sarkoidose oder organisierende Pneumonie (OP). Hilft bei der Abgrenzung zur IPF.
  • Neutrophilie: Häufig bei IPF, fibrotischer NSIP oder Asbestose.
  • Eosinophilie (>25%): Diagnostisch für eosinophile Pneumonie.

Biopsieverfahren im Vergleich

VerfahrenIndikation & StellenwertBemerkung
EBUS-TBNAMethode der 1. Wahl bei unklarer mediastinaler/hilärer LymphadenopathieHohe Trefferquote bei Sarkoidose.
Transbronchiale Zangenbiopsie (TBB)Gut für zentrilobuläre ILDs (Sarkoidose, LAM)Nicht empfohlen bei sicherem radiologischem UIP-Muster.
Transbronchiale Kryobiopsie (TBLC)Primäres Biopsieverfahren bei fibrosierenden ILDsHöhere diagnostische Aussagekraft als TBB, geringeres Risiko als chirurgische Biopsie.
Chirurgische Lungenbiopsie (VATS)Goldstandard, wenn TBLC nicht aussagekräftig istEntnahme aus mind. 2 verschiedenen Lappen. Minimalinvasive Verfahren (VATS) bevorzugen.

Multidisziplinäre Diskussion (MDD)

Das ILD-Board (MDD) ist der Goldstandard der Diagnostik. Hier werden klinische, radiologische und histopathologische Befunde zusammengeführt.

  • Obligate Teilnehmer: Pneumologie, (Thorax-)Radiologie, (Thorax-)Pathologie (bei vorliegender Histologie).
  • Fakultative Teilnehmer: Rheumatologie (dringend empfohlen bei V.a. Systemerkrankung), Arbeitsmedizin, Thoraxchirurgie.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei jeder neu diagnostizierten ILD unklarer Genese ein serologisches Rheuma-Screening (inkl. ANA, RF, ACPA) durch. Verzichten Sie bei einem eindeutigen radiologischen UIP-Muster auf eine transbronchiale Zangenbiopsie (TBB).

Häufig gestellte Fragen

Empfohlen werden BSG, CRP, CK, ANA (ggf. ENA), IgM-Rheumafaktor und ACPA (anti-CCP). Bei einem UIP-Muster zusätzlich MPO-ANCA.
Bei Verdacht auf eine fibrosierende ILD, bei der interdisziplinär eine Lungenbiopsie indiziert ist, soll die TBLC als primäres Verfahren vor der chirurgischen Biopsie eingesetzt werden.
Ein natives Dünnschicht-Volumen-CT (HRCT) in Spiraltechnik mit einer Schichtdicke von maximal 1,5 mm in tiefer Endinspiration.
Die BAL ist bei unklarer ILD indiziert. Eine Lymphozytose von >20 % hilft beispielsweise, eine chronische exogen-allergische Alveolitis (EAA) von einer idiopathischen Lungenfibrose (IPF) abzugrenzen.
Obligat sind erfahrene Fachärzte aus der Pneumologie, Radiologie und Pathologie (sofern Histologie vorliegt). Rheumatologen sollten bei Verdacht auf Systemerkrankungen hinzugezogen werden.

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