Infizierte Osteoradionekrose (IORN): Therapie & Verlauf
Hintergrund
Die infizierte Osteoradionekrose (IORN) ist eine schwerwiegende Langzeitkomplikation nach einer hochenergetischen Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich. Durch die Bestrahlung kommt es zu einer Devaskularisation und Devitalisierung des Kieferknochens, was in umschriebenen Nekrosen und einer Superinfektion durch die ortsständige Mundflora resultieren kann.
Definitionsgemäß schließt die Diagnose IORN Fälle aus, bei denen anamnestisch eine antiresorptive Medikation (wie Bisphosphonate oder Denosumab) vorliegt. Am häufigsten ist der Unterkiefer betroffen, was auf seine geringere Gefäßversorgung und die häufige Einbeziehung in das Bestrahlungsfeld zurückzuführen ist.
Die Erkrankung geht oft mit erheblichen funktionellen Einschränkungen beim Kauen, Schlucken und Sprechen einher. Da das Risiko für eine IORN lebenslang bestehen bleibt, kommt der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Strahlentherapeuten, Zahnärzten und Kieferchirurgen eine zentrale Bedeutung in der Prävention zu.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie gehen dentoalveoläre Eingriffe nach einer Kopf-Hals-Bestrahlung lebenslang mit einem hohen Risiko für eine IORN einher. Es wird daher nachdrücklich empfohlen, operative Kiefereingriffe bei diesen Personen stets kritisch zu prüfen und ausschließlich unter strengen Kautelen, einschließlich einer systemischen Antibiotikaprophylaxe, durchzuführen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt zur perioperativen Prophylaxe die Gabe von 1 bis 2 g Amoxicillin. Bei einer Penicillinallergie wird alternativ auf 0,6 g Clindamycin verwiesen, wobei die Einnahme mindestens 60 Minuten vor dem Eingriff beginnen soll.
Das Risiko für die Entwicklung einer infizierten Osteoradionekrose (IORN) bleibt lebenslang bestehen. Daher wird laut Leitlinie eine dauerhafte zahnärztliche Nachsorge und Prophylaxe empfohlen.
Zur Beurteilung der Ausdehnung einer IORN werden Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) empfohlen. Diese Verfahren sind der digitalen Volumentomographie (DVT) aufgrund der besseren Weichgewebsdarstellung überlegen.
Eine generelle Totalsanierung wird nicht empfohlen. Die Leitlinie rät explizit davon ab, erhaltungswürdige Zähne ohne klinische Symptome einer Infektion prophylaktisch zu entfernen.
Die Leitlinie rät vom routinemäßigen Einsatz der hyperbaren Sauerstofftherapie ab. Es wird empfohlen, diese Methode ausschließlich im Rahmen klinischer Studien anzuwenden.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Infizierte Osteoradionekrose (IORN) der Kiefer (AWMF, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Implantat-Versorgung zur oralen Rehabilitation im Zusammenhang mit Kopf-Hals-Bestrahlung
Antiresorptiva-assoziierte Kiefernekrose (AR-ONJ)
Diagnostik und Therapie des Mundhöhlenkarzinoms
AWMF 007-100: Diagnostik und Therapie des Mundhöhlenkarzinoms
AWMF 007-046: Infizierte Osteoradionekrose der Kiefer (IORN)
Zahnimplantate bei medikamentöser Behandlung mit Knochenantiresorptiva (inkl. Bisphosphonate)
Diagnostik, Therapie, Prävention und Nachsorge des Oro- und Hypopharynxkarzinoms
AWMF 017-082: Diagnostik, Therapie, Prävention und Nachsorge des Oro- und Hypopharynxkarzinoms
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen