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AR-ONJ (Kiefernekrose): S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die AR-ONJ ist definiert durch >8 Wochen freiliegenden Kieferknochen unter Antiresorptiva-Therapie ohne vorherige Kopf-Hals-Bestrahlung.
  • Das Risiko wird in drei Profile (niedrig, mittel, hoch) eingeteilt, abhängig von Indikation (Osteoporose vs. Onkologie) und Dosierung.
  • Vor Beginn einer Antiresorptiva-Therapie soll eine zahnärztliche Fokussuche und Sanierung erfolgen.
  • Zahnärztlich-chirurgische Eingriffe unter Therapie erfordern strenge Kautelen (u.a. systemische Antibiose, primär plastische Deckung).
  • Die CTX-Biomarker-Bestimmung zur Risikoevaluation wird nicht empfohlen.
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Hintergrund

Die Antiresorptiva-assoziierte Kiefernekrose (AR-ONJ) ist eine schwerwiegende Komplikation bei der Therapie mit Bisphosphonaten oder Denosumab. Eine AR-ONJ liegt vor, wenn folgende Trias erfüllt ist:

  • Mehr als 8 Wochen freiliegender oder sondierbarer Kieferknochen
  • Antiresorptiva in der Anamnese
  • Keine Kopf-Hals-Radiatio in der Anamnese

Die Einteilung erfolgt nach der American Association of Oral and Maxillofacial Surgeons (AAOMS):

StadiumKlinikSymptomatik
0Kein nekrotischer Knochen, unspezifische/radiologische HinweiseAsymptomatisch oder unspezifisch
1Exponierter/sondierbarer nekrotischer KnochenAsymptomatisch, keine Infektion
2Exponierter/sondierbarer nekrotischer KnochenSymptomatisch (Schmerz, Rötung), Infektion
3Wie Stadium 2 + Ausbreitung (Kieferhöhle, Jochbein), Fraktur, FistelSymptomatisch, schwere Komplikationen

Risikoprofile und Inzidenz

Das Risiko für eine AR-ONJ hängt stark von der Grunderkrankung und der Dosierung ab:

RisikoprofilIndikation & MedikationGeschätztes Risiko
NiedrigOsteoporose (orale/i.v. Bisphosphonate, Denosumab 60 mg s.c. alle 6 Monate)0 - 0,5 %
MittelZusätzliche Risikofaktoren (Immunmodulatoren, Diabetes, Anämie)bis zu 1 %
HochOnkologie (Knochenmetastasen, Myelom), monatliche i.v.-Gabe oder Denosumab 120 mg s.c.1 - 21 %

Prophylaxe vor AR-Therapie

Vor Beginn einer antiresorptiven Therapie soll eine zahnärztliche Vorstellung erfolgen. Ziel ist die Sanierung von Infektionen und Bakterieneintrittspforten:

  • Entfernung nicht erhaltungswürdiger Zähne und Implantate
  • Sanierung von Schlupfwinkelinfektionen (Parodontaltherapie)
  • Behandlung von Druckstellen durch Zahnersatz

Der Beginn einer Osteoporosetherapie soll wegen der niedrigen AR-ONJ-Ereignisrate durch die zahnärztliche Prophylaxe jedoch nicht hinausgezögert werden.

Prävention unter und nach AR-Therapie

Operative Kiefereingriffe sollen streng auf ihre Indikation geprüft werden und unter folgenden Kautelen erfolgen:

  • Prolongierte perioperative, systemische antibiotische Abschirmung
  • Atraumatische Operation
  • Sorgfältige Abtragung scharfer Knochenkanten (modellierende Osteotomie)
  • Primär plastische Deckung und spannungsfreie Naht
  • Orale flüssige oder passierte Kostform

Zur Früherkennung soll ein risikoadaptiertes Recall erfolgen:

RisikoprofilRecall-Intervall
Niedrig12 Monate
Mittel6 Monate
Hoch3 Monate

Für eine Therapieunterbrechung (Drug Holiday) vor chirurgischen Eingriffen kann keine eindeutige Empfehlung ausgesprochen werden.

Diagnostik

Die Diagnose basiert auf der klinischen Inspektion und Anamnese.

  • Bildgebung: CT, DVT oder MRT können zur Therapieplanung (Ausdehnung der Läsion) genutzt werden, haben aber für das Screening eine nachgeordnete Bedeutung.
  • Biomarker: Die CTX-Bestimmung zur AR-ONJ-Risikoevaluation kann nicht empfohlen werden.

Therapie

Ein ausschließliches Zuwarten soll wegen des Risikos einer asymptomatischen Progredienz vermieden werden.

TherapieansatzIndikationBemerkung
KonservativKleine, asymptomatische Läsionen (Stadium 0)Oft nur Symptomlinderung, selten vollständige Abheilung
ChirurgischFortgeschrittene/multiple LäsionenVollständige Entfernung des nekrotischen Knochens, plastische Deckung unter Antibiose. Zeigt signifikant höhere Abheilungsraten (>85%).

Sämtliche invasiv chirurgischen Maßnahmen sollen unter systemischer antibiotischer Therapie erfolgen. Eine histologische Untersuchung des entnommenen Gewebes soll zum Ausschluss eines malignen Geschehens erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie vor Beginn einer hochdosierten antiresorptiven Therapie bei onkologischen Patienten immer eine zahnärztliche Fokussanierung durch. Bei unvermeidbaren Zahnextraktionen unter laufender Therapie sind eine prolongierte systemische Antibiose und eine primär plastische Deckung essenziell.

Häufig gestellte Fragen

Eine AR-ONJ liegt vor bei mehr als 8 Wochen freiliegendem Kieferknochen, einer Antiresorptiva-Therapie in der Anamnese und fehlender Kopf-Hals-Bestrahlung.
Laut Leitlinie gibt es keine eindeutige Empfehlung für oder gegen eine Therapieunterbrechung (Drug Holiday). Dies muss interdisziplinär mit dem verordnenden Arzt abgewogen werden.
Nein, die Leitlinie empfiehlt die CTX-Bestimmung zur AR-ONJ-Risikoevaluation oder Früherkennung ausdrücklich nicht, da die Evidenz hierfür unzureichend ist.
Das Recall erfolgt risikoadaptiert: Bei niedrigem Risiko alle 12 Monate, bei mittlerem Risiko alle 6 Monate und bei hohem Risiko alle 3 Monate.

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