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Zahnimplantate bei Antiresorptiva: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Vor jeder Implantation muss das individuelle Osteonekroserisiko (Grunderkrankung, Medikation) evaluiert werden.
  • Die Bestimmung des Knochenmarkers CTX wird zur Risikoeinschätzung nicht empfohlen.
  • Eine perioperative systemische Antibiotikaprophylaxe ist bei der Implantation zwingend erforderlich.
  • Kieferaugmentationen sollten vermieden oder nur unter strengster Indikationsprüfung durchgeführt werden.
  • Implantate können das Osteonekroserisiko senken, indem sie schleimhautgetragene Prothesendruckstellen vermeiden.
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Hintergrund

Patienten unter antiresorptiver Therapie (Bisphosphonate, Denosumab) weisen ein erhöhtes Risiko für eine Medikamenten-assoziierte Kiefernekrose (BP-ONJ) auf. Diese wird häufig durch lokale Faktoren wie Parodontitis, Zahnextraktionen oder Prothesendruckstellen getriggert. Die implantologische Versorgung befindet sich hier in einem Spannungsfeld: Einerseits stellt der operative Eingriff der Implantation ein potenzielles Risiko dar, andererseits können Implantate durch die Vermeidung von tegumental getragenem Zahnersatz (und damit von Prothesendruckstellen) das Nekroserisiko senken.

Risikoevaluation vor Implantation

Vor jeder geplanten Implantation soll das individuelle Osteonekroserisiko evaluiert werden. Wichtige Einflussfaktoren sind:

RisikofaktorRelevante Parameter
GrunderkrankungMaligne Erkrankung (hohes Risiko) vs. Osteoporose (niedrigeres Risiko)
AntiresorptivaApplikationsart (i.v. vs. oral), Dauer und Frequenz der Gabe
BegleittherapienHormon-, Immun-, Antikörper-, Chemo- oder antiangiogenetische Therapie, Kopf-Hals-Bestrahlung
AnamneseVorausgegangene Osteonekrose der Kiefer

Zudem sollen klinische und radiologische Befunde erhoben werden, die auf eine Kompromittierung des Knochenumbaus hinweisen (z. B. persistierende Alveolen oder scharfe Knochenkanten nach Extraktionen).

Wichtig: Die Bestimmung des Knochenmarkers CTX (C-terminales Telopeptid) zur Beurteilung des Risikos sollte nicht erfolgen, da die klinische Relevanz wissenschaftlich nicht erwiesen ist.

Indikationsstellung

Die Entscheidung für oder gegen ein Implantat muss individuell abgewogen werden. Die Leitlinie definiert klare Kriterien, die in die Entscheidungsfindung einfließen:

Für ein Implantat sprechenGegen ein Implantat sprechen
Niedriges OsteonekroserisikoHohes Osteonekroserisiko
Keine Osteonekrose in der EigenanamneseBestehende oder vorausgegangene Osteonekrose
Gute onkologische PrognoseSchlechte onkologische Prognose
Keine InfektionsherdeBestehende Infektionsherde
Gutes "bone remodeling" (klinisch/radiologisch)Schlechtes "bone remodeling" (persistierende Alveolen)
Gute Compliance und MundhygieneSchlechte Compliance und Mundhygiene
Vermeidung von ProthesendruckstellenKeine Vermeidung von Prothesendruckstellen
Keine Augmentation erforderlichNotwendigkeit einer Kieferaugmentation

Kieferaugmentationen gehen mit erhöhten Anforderungen an das knöcherne Empfängergewebe einher und sollten vermieden oder einer besonders strengen Indikationsprüfung unterzogen werden.

Perioperatives Management

  • Antibiotikaprophylaxe: Eine perioperative systemische Antibiotika-Prophylaxe soll bei der Implantation stattfinden.
  • Absetzen der Medikation (Drug Holiday): Es gibt keine belastbaren Daten für den Nutzen eines zeitweiligen Absetzens der Antiresorptiva. Es kann daher keine Empfehlung abgeleitet werden.
  • Sanierung: Notwendige zahnärztliche Eingriffe zur Sanierung von Infekten sollen vor der Implantation durchgeführt werden.

Chirurgisches und prothetisches Vorgehen

Für die sub- oder transgingivale Einheilung kann keine eindeutige Empfehlung gegeben werden. Da die Knochenumbau- und Neubildungsrate unter Antiresorptiva verringert ist, kann dies ein Argument für eine verlängerte Einheilzeit bis zur Belastung sein.

Ein primäres Ziel der prothetischen Versorgung ist die Reduktion der Schleimhautbelastung. Bei ausreichender Implantatanzahl ist ein rein implantatgetragener Zahnersatz sinnvoll, um Prothesendruckstellen zu vermeiden.

Nachsorge

Patienten unter oder nach antiresorptiver Therapie mit Implantaten sollen in eine risikoadaptierte Nachsorge (Recall) aufgenommen werden. Bei periimplantären Infektionen muss umgehend eine Therapie eingeleitet werden, da entzündliche Prozesse Hauptauslöser einer Kiefernekrose sind.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf die Bestimmung des CTX-Wertes zur Risikoeinschätzung, da dieser keine klinische Relevanz besitzt. Achten Sie stattdessen auf klinische Zeichen eines gestörten Knochenumbaus (z.B. persistierende Alveolen) und führen Sie Implantationen stets unter systemischer Antibiotikaprophylaxe durch.

Häufig gestellte Fragen

Nein, es gibt keine belastbaren Daten, die den Nutzen eines zeitweiligen Absetzens (Drug Holiday) belegen. Die Leitlinie gibt hierfür keine Empfehlung.
Ja, laut Leitlinie soll bei der Implantatinsertion eine perioperative systemische Antibiotikaprophylaxe erfolgen.
Augmentationen sollten möglichst vermieden oder nur unter besonders strenger Indikationsprüfung durchgeführt werden, da sie das Risiko für Misserfolge und Osteonekrosen erhöhen.
Die Bestimmung des CTX-Wertes (C-terminales Telopeptid) sollte nicht erfolgen, da seine klinische Relevanz zur Risikoeinschätzung einer Osteonekrose wissenschaftlich nicht erwiesen ist.
Implantate können helfen, schleimhautgetragenen Zahnersatz zu vermeiden. Da Prothesendruckstellen ein Hauptrisikofaktor für Osteonekrosen sind, kann eine implantatgetragene Versorgung das Nekroserisiko mittelbar senken.

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