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Aerosol-Erreger in der Zahnmedizin: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine telefonische Triage zur Identifikation von COVID-19-Verdachtsfällen vor dem Praxisbesuch wird dringend empfohlen.
  • Bei der regulären zahnärztlichen Behandlung ohne Infektionsverdacht ist ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz (MNS) ausreichend.
  • Bei Verdachtsfällen oder bestätigten SARS-CoV-2-Infektionen muss das Personal FFP2- oder FFP3-Masken tragen.
  • Präprozedurale Mundspülungen (z.B. mit CHX oder CPC) reduzieren die Erregerlast im Aerosol.
  • Eine hochvolumige Absaugung und regelmäßiges Lüften sind essenzielle Schutzmaßnahmen.
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Hintergrund

Die zahnärztliche Grundversorgung muss auch während einer Pandemie flächendeckend gewährleistet bleiben. Durch den engen Kontakt zum Mundraum und die Bildung von Tröpfchen, Spraynebel und Aerosolen bei zahnärztlichen Eingriffen besteht ein potenzielles Übertragungsrisiko für respiratorische Erreger wie SARS-CoV-2.

PartikelartGrößeSedimentationszeitÜbertragungsdistanz
Große Tröpfchen> 8 µmmax. 20 MinutenGering (sinken schnell ab)
Mittlere Tröpfchenca. 4 µmca. 90 MinutenMittel
Aerosole< 5 µmbis zu 30 StundenHoch (schweben in der Luft)

Patientenmanagement und Triage

Um das Risiko in der Praxis zu minimieren, gelten folgende starke Konsens-Empfehlungen:

  • Triage: Verdachtsfälle sollen vor Beginn der Behandlung (am besten telefonisch) herausgefiltert werden. Typische Symptome und Kontakte sind gezielt abzufragen.
  • Abstand: Ein Mindestabstand von 1,5 m im Wartebereich und an der Anmeldung ist einzuhalten.
  • Mund-Nasen-Bedeckung: Patienten sollten beim Betreten der Praxis einen Mund-Nasen-Schutz tragen.
  • Basishygiene: Konsequente Händehygiene und regelmäßige Wischdesinfektion von Kontaktflächen.

Persönliche Schutzausrüstung (PSA) und Masken

Die Wahl der Maske richtet sich nach dem Infektionsstatus des Patienten.

MaskentypIndikationEmpfehlungsgrad
Medizinischer MNSStandardbehandlung (kein Verdacht auf SARS-CoV-2/Tbc)Starker Konsens
FFP2 / FFP3 / N95Behandlung von Verdachtsfällen oder bestätigten COVID-19-PatientenStarker Konsens
GesichtsschutzvisierZusätzliche Sicherheit bei allen BehandlungenStarker Konsens

Hinweis: Masken mit Ausatemventil dürfen nicht verwendet werden, da sie keinen Patientenschutz bieten.

Behandlungskautelen zur Aerosolreduktion

Da sich die Entstehung von Aerosolen bei wassergekühlten Instrumenten nicht vollständig vermeiden lässt, wird eine Bündelstrategie empfohlen:

  • Präprozedurale Mundspülungen: Antiseptische Spülungen (z.B. CHX 0,2%, CPC 0,05% oder ätherische Öle) vermindern die Gefahr einer Erregerweitergabe über das Aerosol (Konsens). Achtung: Es gibt bisher keine klinischen Daten, die eine spezifische Reduktion der SARS-CoV-2-Infektiosität belegen.
  • Kofferdam: Falls möglich, sollte die Anlage eines Kofferdams erfolgen (starker Konsens).
  • Absaugung: Eine konsequente, hochvolumige Absaugung mit einer durchmesseroptimierten Saugkanüle (≥ 10 mm) ist zu gewährleisten (starker Konsens).
  • Lüftung: Nach oder während der Behandlung muss der Raum gelüftet werden (Stoßlüftung oder technische RLT-Anlagen).

Notfallbehandlung bei COVID-19-Patienten

Bei symptomatischen oder bestätigten COVID-19-Patienten sollten Behandlungen auf unaufschiebbare Notfälle (Schmerzen, Abszesse, Trauma) beschränkt werden. Folgende Maßnahmen sind zwingend:

  • Strikte räumliche Trennung von anderen Patienten.
  • Terminierung möglichst am Ende des Tages.
  • Volle Schutzausrüstung: FFP2/FFP3-Maske, Schutzbrille/Visier, flüssigkeitsabweisender Kittel, Einmalhandschuhe, Kopfhaube.
  • Verzicht auf schnell rotierende Instrumente und Pulver-Wasser-Strahlgeräte, sofern klinisch möglich.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei jedem Patienten eine telefonische Triage vor dem Praxisbesuch durch. Nutzen Sie bei jeder aerosolbildenden Behandlung konsequent eine hochvolumige Absaugung (Kanüle ≥ 10 mm) und lassen Sie den Patienten vorab mit CHX oder CPC spülen.

Häufig gestellte Fragen

Bei Patienten ohne Verdacht auf SARS-CoV-2 oder Tuberkulose ist ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz (MNS) ausreichend.
Bei Kontakt mit Patienten, die nachweislich mit SARS-CoV-2 infiziert sind oder bei denen ein begründeter Verdacht besteht.
In-vitro zeigen Wirkstoffe wie PVP-Jod oder ätherische Öle Wirksamkeit. Klinische Daten zur Reduktion der Infektiosität von SARS-CoV-2 fehlen jedoch. Dennoch werden sie zur allgemeinen Keimreduktion im Aerosol empfohlen.
Während große Tröpfchen (> 8 µm) innerhalb von 20 Minuten absinken, können kleine Aerosole (< 5 µm) bis zu 30 Stunden in der Luft schweben.

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