Lasertherapie der Haut: S2k-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die Einteilung dermatologischer Laser erfolgt primär nach dem Zielchromophor (Hämoglobin, Melanin, Wasser, exogene Pigmente).
- •Vor der Laserbehandlung pigmentierter Hautveränderungen muss zwingend eine Malignität fachärztlich ausgeschlossen werden.
- •Für die Tattooentfernung gelten gütegeschaltete (q-switched) Laser im Nano- oder Pikosekundenbereich als Goldstandard.
- •Die begleitende Kühlung der Epidermis ist besonders bei nicht-ablativen Verfahren essenziell, um thermische Schäden zu vermeiden.
- •Die Nachsorge unterscheidet sich grundlegend: Wundversorgung und Infektionsschutz bei ablativen Verfahren vs. Kühlung und UV-Schutz bei nicht-ablativen Verfahren.
Hintergrund
Die Lasertherapie der Haut nutzt die selektive Photothermolyse und Photokoagulation, um spezifische Zielstrukturen (Chromophore) zu zerstören, ohne das umliegende Gewebe thermisch zu schädigen. Die wichtigsten Zielchromophore sind Hämoglobin, Melanin, exogene Pigmente (z.B. Tattoos) und Wasser. Die biologische Wirkung hängt maßgeblich von der Wellenlänge, der Energiedichte (Fluence), der Pulsdauer und der Spotgröße ab.
Lasertypen und Wirkprinzipien
Laser werden grundlegend in ablativ und nicht-ablativ wirkende Systeme unterteilt:
| Lasertyp | Wellenlänge | Zielchromophor | Klinische Wirkung |
|---|---|---|---|
| CO2-Laser | 10.600 nm | Wasser | Ablativ (Vaporisation, Schneiden), "warme" Ablation |
| Er:YAG-Laser | 2.940 nm | Wasser | Ablativ, präzise "kalte" Ablation mit geringer thermischer Schädigung |
| Nd:YAG-Laser | 1.064 nm | Hämoglobin, Wasser | Nicht-ablativ, tiefe Penetration (Gefäße, Epilation) |
| Rubinlaser | 694 nm | Melanin, Pigmente | Pigmententfernung (q-switched), Epilation |
| Alexandritlaser | 755 nm | Melanin | Epilation, Pigmententfernung |
| Farbstofflaser (PDL) | 577-600 nm | Hämoglobin | Vaskuläre Läsionen (Kapillaren, Venolen) |
| KTP/LBO-Laser | 532 nm | Hämoglobin, Melanin | Oberflächliche Gefäße, Pigmente |
Pigmentierte Hautveränderungen
Die Behandlung vermehrt melanozytenhaltiger Hautveränderungen muss mit besonderer Vorsicht erfolgen. Zwingend erforderlich ist die vorherige fachärztliche Beurteilung der Benignität.
- Lentigines und Café-au-Lait-Fleck: Der Einsatz eines q-sw 694nm-Rubinlasers, 532nm-KTP-Lasers oder 755nm-Alexandritlasers im Piko- oder Nano-Sekundenbereich wird empfohlen.
- Pigmentierter melanozytärer Naevus: Die Laserung wird nicht empfohlen. Nur in begründeten Ausnahmefällen (z.B. starke kosmetische Beeinträchtigung) nach sicherem Malignitätsausschluss erwägen.
- Dermaler Naevus (papillomatös): Der Einsatz ablativer Laser (CO2 flächig gescannt oder Er:YAG) wird empfohlen. Eine histologische Untersuchung (z.B. Shave vor Laserablation) ist anzuraten.
Tattooentfernung (Schmucktätowierungen)
Für die Entfernung von Tattoos wird der Einsatz von gütegeschalteten (q-sw) Lasern im Nano- oder Pikosekundenbereich empfohlen. Die Wahl der Wellenlänge richtet sich nach der Pigmentfarbe:
| Tattoopigment | 1.064 nm (Nd:YAG) | 532 nm (KTP) | 755 nm (Alexandrit) | 694 nm (Rubin) |
|---|---|---|---|---|
| Schwarz | Sehr gut | Gering | Sehr gut | Sehr gut |
| Blau | Gut | Gering | Gut | Gut |
| Grün | Gut | Gering | Gut | Sehr gut |
| Rot | Gering | Sehr gut | Gering | Gering |
| Orange | Gering | Gut | - | - |
Bemerkung: Bei orangenen/roten Farbtönen muss mit Farbumschlägen gerechnet werden (Probelaserung empfohlen). IPL wird zur Tattooentfernung nicht empfohlen.
Entzündliche Dermatosen
Akne papulopustulosa/conglobata
Zur Reduktion des Entzündungsprozesses kann der Einsatz eines 585-595nm-Farbstofflasers (gepulst) oder IPL erwogen werden. Es sind meist 4-5 Behandlungen nötig.
Akne inversa / Hidradenitis suppurativa
- Deroofing/Ablation: Der Einsatz eines CO2- oder Er:YAG-Lasers zur Abtragung von Abszessen und Fisteln wird empfohlen.
- Epilation: Eine Photothermolyse der Haarfollikel (z.B. Nd:YAG, Alexandrit, Diodenlaser) wird empfohlen, da die Entfernung der Terminalhaarfollikel einen kausalen Therapieansatz darstellt.
Granuloma faciale
Der Einsatz eines 595nm-Farbstofflasers (gepulst) kann empfohlen werden. Hohe Energiedichten (Erreichen der Purpuraschwelle) sind mit einem besseren Ansprechen assoziiert.
Nachbehandlung und Pflege
Die Nachsorge richtet sich nach der Art der Barriereverletzung:
Nach ablativen Behandlungen:
- Fokus auf Wundheilungsphasen: Infektionsschutz, Entzündungsmodulation, Förderung der Reepithelisierung.
- Topische Antibiotika sollen wegen Allergie- und Resistenzgefahr sehr zurückhaltend eingesetzt werden.
- Dexpanthenolhaltige Externa zeigen Vorteile gegenüber reiner Vaseline (schnellerer Wundverschluss).
- Konsequenter UV-Schutz zur Vermeidung postinflammatorischer Hyperpigmentierungen (PIH).
Nach nicht-ablativen Behandlungen:
- Initiale Abkühlung der Haut (Luft, Kühlpacks, feuchte Tücher) ist essenziell.
- Antiseptische Maßnahmen sind in der Regel nicht erforderlich.
- Konsequenter UV-Schutz (SPF 50+) vor und nach der Therapie.
💡Praxis-Tipp
Führen Sie vor der Laserung pigmentierter Läsionen immer eine fachärztliche Diagnostik zum Malignitätsausschluss durch. Bei der Tattooentfernung roter oder oranger Pigmente ist eine Probelaserung an kleiner Stelle ratsam, da unerwartete Farbumschläge auftreten können.