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Lasertherapie der Haut: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Einteilung dermatologischer Laser erfolgt primär nach dem Zielchromophor (Hämoglobin, Melanin, Wasser, exogene Pigmente).
  • Vor der Laserbehandlung pigmentierter Hautveränderungen muss zwingend eine Malignität fachärztlich ausgeschlossen werden.
  • Für die Tattooentfernung gelten gütegeschaltete (q-switched) Laser im Nano- oder Pikosekundenbereich als Goldstandard.
  • Die begleitende Kühlung der Epidermis ist besonders bei nicht-ablativen Verfahren essenziell, um thermische Schäden zu vermeiden.
  • Die Nachsorge unterscheidet sich grundlegend: Wundversorgung und Infektionsschutz bei ablativen Verfahren vs. Kühlung und UV-Schutz bei nicht-ablativen Verfahren.
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Hintergrund

Die Lasertherapie der Haut nutzt die selektive Photothermolyse und Photokoagulation, um spezifische Zielstrukturen (Chromophore) zu zerstören, ohne das umliegende Gewebe thermisch zu schädigen. Die wichtigsten Zielchromophore sind Hämoglobin, Melanin, exogene Pigmente (z.B. Tattoos) und Wasser. Die biologische Wirkung hängt maßgeblich von der Wellenlänge, der Energiedichte (Fluence), der Pulsdauer und der Spotgröße ab.

Lasertypen und Wirkprinzipien

Laser werden grundlegend in ablativ und nicht-ablativ wirkende Systeme unterteilt:

LasertypWellenlängeZielchromophorKlinische Wirkung
CO2-Laser10.600 nmWasserAblativ (Vaporisation, Schneiden), "warme" Ablation
Er:YAG-Laser2.940 nmWasserAblativ, präzise "kalte" Ablation mit geringer thermischer Schädigung
Nd:YAG-Laser1.064 nmHämoglobin, WasserNicht-ablativ, tiefe Penetration (Gefäße, Epilation)
Rubinlaser694 nmMelanin, PigmentePigmententfernung (q-switched), Epilation
Alexandritlaser755 nmMelaninEpilation, Pigmententfernung
Farbstofflaser (PDL)577-600 nmHämoglobinVaskuläre Läsionen (Kapillaren, Venolen)
KTP/LBO-Laser532 nmHämoglobin, MelaninOberflächliche Gefäße, Pigmente

Pigmentierte Hautveränderungen

Die Behandlung vermehrt melanozytenhaltiger Hautveränderungen muss mit besonderer Vorsicht erfolgen. Zwingend erforderlich ist die vorherige fachärztliche Beurteilung der Benignität.

  • Lentigines und Café-au-Lait-Fleck: Der Einsatz eines q-sw 694nm-Rubinlasers, 532nm-KTP-Lasers oder 755nm-Alexandritlasers im Piko- oder Nano-Sekundenbereich wird empfohlen.
  • Pigmentierter melanozytärer Naevus: Die Laserung wird nicht empfohlen. Nur in begründeten Ausnahmefällen (z.B. starke kosmetische Beeinträchtigung) nach sicherem Malignitätsausschluss erwägen.
  • Dermaler Naevus (papillomatös): Der Einsatz ablativer Laser (CO2 flächig gescannt oder Er:YAG) wird empfohlen. Eine histologische Untersuchung (z.B. Shave vor Laserablation) ist anzuraten.

Tattooentfernung (Schmucktätowierungen)

Für die Entfernung von Tattoos wird der Einsatz von gütegeschalteten (q-sw) Lasern im Nano- oder Pikosekundenbereich empfohlen. Die Wahl der Wellenlänge richtet sich nach der Pigmentfarbe:

Tattoopigment1.064 nm (Nd:YAG)532 nm (KTP)755 nm (Alexandrit)694 nm (Rubin)
SchwarzSehr gutGeringSehr gutSehr gut
BlauGutGeringGutGut
GrünGutGeringGutSehr gut
RotGeringSehr gutGeringGering
OrangeGeringGut--

Bemerkung: Bei orangenen/roten Farbtönen muss mit Farbumschlägen gerechnet werden (Probelaserung empfohlen). IPL wird zur Tattooentfernung nicht empfohlen.

Entzündliche Dermatosen

Akne papulopustulosa/conglobata

Zur Reduktion des Entzündungsprozesses kann der Einsatz eines 585-595nm-Farbstofflasers (gepulst) oder IPL erwogen werden. Es sind meist 4-5 Behandlungen nötig.

Akne inversa / Hidradenitis suppurativa

  • Deroofing/Ablation: Der Einsatz eines CO2- oder Er:YAG-Lasers zur Abtragung von Abszessen und Fisteln wird empfohlen.
  • Epilation: Eine Photothermolyse der Haarfollikel (z.B. Nd:YAG, Alexandrit, Diodenlaser) wird empfohlen, da die Entfernung der Terminalhaarfollikel einen kausalen Therapieansatz darstellt.

Granuloma faciale

Der Einsatz eines 595nm-Farbstofflasers (gepulst) kann empfohlen werden. Hohe Energiedichten (Erreichen der Purpuraschwelle) sind mit einem besseren Ansprechen assoziiert.

Nachbehandlung und Pflege

Die Nachsorge richtet sich nach der Art der Barriereverletzung:

Nach ablativen Behandlungen:

  • Fokus auf Wundheilungsphasen: Infektionsschutz, Entzündungsmodulation, Förderung der Reepithelisierung.
  • Topische Antibiotika sollen wegen Allergie- und Resistenzgefahr sehr zurückhaltend eingesetzt werden.
  • Dexpanthenolhaltige Externa zeigen Vorteile gegenüber reiner Vaseline (schnellerer Wundverschluss).
  • Konsequenter UV-Schutz zur Vermeidung postinflammatorischer Hyperpigmentierungen (PIH).

Nach nicht-ablativen Behandlungen:

  • Initiale Abkühlung der Haut (Luft, Kühlpacks, feuchte Tücher) ist essenziell.
  • Antiseptische Maßnahmen sind in der Regel nicht erforderlich.
  • Konsequenter UV-Schutz (SPF 50+) vor und nach der Therapie.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie vor der Laserung pigmentierter Läsionen immer eine fachärztliche Diagnostik zum Malignitätsausschluss durch. Bei der Tattooentfernung roter oder oranger Pigmente ist eine Probelaserung an kleiner Stelle ratsam, da unerwartete Farbumschläge auftreten können.

Häufig gestellte Fragen

Nein, die Leitlinie empfiehlt dies primär nicht. Nur in begründeten Ausnahmefällen und nach zwingendem vorherigen Malignitätsausschluss durch einen Facharzt kann dies erwogen werden.
Für rote Pigmente zeigt ein gütegeschalteter (q-sw) 532nm-Laser (frequenzverdoppelter Nd:YAG) sehr gute Ergebnisse. Alexandrit- oder Rubinlaser wirken hier nur gering.
Nein. Der Einsatz topischer Antibiotika soll aufgrund des allergenen Potenzials und der Gefahr bakterieller Resistenzen sehr zurückhaltend erfolgen. Antiseptika oder dexpanthenolhaltige Externa sind vorzuziehen.
Einen sehr hohen. Ablative Laser (CO2, Er:YAG) werden zum Deroofing von Abszessen empfohlen. Zudem wird die Photoepilation (Nd:YAG, Alexandrit) empfohlen, da die Follikelzerstörung kausal vor neuen Abszessen schützt.
Nicht-ablative Laser bringen Wärme in tiefe Gewebsschichten ein. Ohne ausreichende Kühlung der Epidermis droht eine Überhitzung (Bulk-heating), was zu Krusten, Ulzerationen und Narbenbildung führen kann.

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