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Infrarotstrahlung am Arbeitsplatz: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Infrarotstrahlung (IR) schädigt am Arbeitsplatz primär die Haut und die Augen.
  • An der Haut kann chronische IR-Exposition ein Erythema ab igne (EAI) auslösen, welches potenziell prämaligne ist.
  • Am Auge droht bei chronischer Exposition der Feuerstar (Infrarot-Katarakt, BK 2401) und bei akuter Laser-Exposition eine Netzhautverbrennung.
  • Präventionsmaßnahmen müssen strikt nach dem STOP-Prinzip (Substitution, Technische, Organisatorische, Persönliche Schutzmaßnahmen) erfolgen.
  • Unklare Hautveränderungen und Sehstörungen erfordern eine zügige fachärztliche Abklärung (Empfehlungsgrad A).
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Hintergrund

Infrarotstrahlung (IRR), oft als Wärmestrahlung bezeichnet, ist eine nicht-ionisierende elektromagnetische Strahlung. Aufgrund der limitierten Eindringtiefe sind die Haut und die Augen die wesentlichen Zielorgane für potenziell schädliche Einwirkungen am Arbeitsplatz (z. B. bei Glasbläsern, Schweißern, an Hochöfen oder durch Laser).

Die International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection (ICNIRP) teilt Infrarotstrahlung wie folgt ein:

KlassifikationWellenlängeEindringtiefe Haut
IR-A (Nah-IR)780 nm – 1,4 µmBis in die Subcutis (max. 5 mm)
IR-B (Mittleres IR)1,4 µm – 3,0 µmÜberwiegend Epidermis, teils Dermis
IR-C (Fern-IR)3,0 µm – 1,0 mmEpidermis

Hautschädigungen: Erythema ab igne (EAI)

Das Erythema ab igne (ICD-10 L59) ist die häufigste Hauterscheinung durch wiederholte oder länger andauernde Infrarotbestrahlung. Es handelt sich per definitionem nicht um eine Verbrennung.

  • Klinik: Rötlich oder bräunlich gefärbtes, netzartiges Muster. Meist asymptomatisch, gelegentlich Brennen oder Juckreiz.
  • Verlauf: Bei fortbestehender Exposition kann es zu einer (prä-)malignen Transformation kommen (Aktinische Keratose, Plattenepithelkarzinom, Merkelzellkarzinom).
  • Therapie: Expositionsstopp. Bei tumorösen Veränderungen ist die lokale Exzision die Therapie der Wahl.

Augenschädigungen

Am Auge wird der Großteil der IR-A-Strahlung von der Linse absorbiert und dringt teilweise bis zur Retina vor. Es wird zwischen chronischen und akuten Schäden unterschieden:

ExpositionsartKrankheitsbildSymptome / Befunde
Chronisch (z. B. Hochofen)Infrarot-Katarakt (Feuerstar, BK 2401)Visusminderung, Blendungsempfindlichkeit, Feuerlamelle
Akut (z. B. IR-Laser)Netzhautschädigung / VerbrennungHeller Blitz, peitschenartiger Schmerz, Skotom, Sehverlust

Prävention am Arbeitsplatz

Der Arbeitsschutz muss zwingend nach dem STOP-Prinzip erfolgen:

StufeMaßnahmeBeispiele
SubstitutionArbeitsverfahren ersetzenKleben statt Schweißen
TechnischAbschirmungVergrößerung des Abstands, optische Filter, Schutzwände
OrganisatorischExpositionsbegrenzungAbkühlpausen, zeitliche Begrenzung, Rotationsprinzip
PersönlichSchutzausrüstungPolycarbonat-Gesichtsmasken, Laserschutzbrillen (DIN EN 207)

Klinische Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende konkrete Handlungsempfehlungen für den klinischen und arbeitsmedizinischen Alltag:

  • Gesundheitsgefährdende Expositionen sollen bei höherer Gefährdung vermieden bzw. beendet werden (Empfehlungsgrad A).
  • Bei unzureichender Abheilung eines Erythema ab igne bzw. unklaren Hautveränderungen soll eine weitere Abklärung (ggf. inklusive Biopsie) empfohlen werden (Empfehlungsgrad A).
  • Infrarotassoziierte Sehstörungen sollen augenärztlich abgeklärt werden (Empfehlungsgrad A).
  • Bei unbeabsichtigter Exposition der Augen gegenüber Laserstrahlung sollte eine zeitnahe augenfachärztliche Vorstellung erfolgen (Empfehlungsgrad B).
  • Bei Verbrennungen durch intensive IR-Quellen sollen betriebliche Sofortmaßnahmen und die fachärztliche Versorgung erfolgen (Empfehlungsgrad A).

💡Praxis-Tipp

Beobachten Sie ein Erythema ab igne (EAI) systematisch. Heilt es nach Expositionsstopp nicht ab, veranlassen Sie zwingend eine Biopsie zum Ausschluss eines Plattenepithel- oder Merkelzellkarzinoms.

Häufig gestellte Fragen

Eine netzartige, rötlich-bräunliche Hautveränderung durch chronische Infrarot- bzw. Wärmestrahlung, die prämaligne entarten kann.
Der Feuerstar (Grauer Star durch Wärmestrahlung), anerkannt als Berufskrankheit (BK) 2401.
IR-A-Strahlung dringt bis zu 5 mm tief in die Subcutis ein, während IR-B und IR-C überwiegend in der Epidermis absorbiert werden.
Es wird eine weitere Abklärung, gegebenenfalls inklusive einer Biopsie, dringend empfohlen (Empfehlungsgrad A).

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