Hypertrophe Narben & Keloide: Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Hypertrophe Narben und Keloide erfordern unterschiedliche Therapieansätze, wobei Keloide über die ursprüngliche Läsion hinauswachsen.
- •Die streng intraläsionale Injektion von Glukokortikosteroiden (Triamcinolon) ist eine stark empfohlene Basistherapie, oft kombiniert mit Kryochirurgie.
- •Die chirurgische Exzision von Keloiden darf niemals als Monotherapie erfolgen, da die Rezidivrate bei bis zu 100 % liegt.
- •Eine adjuvante Strahlentherapie (bevorzugt HDR-Brachytherapie) sollte nach einer Keloidexzision optimalerweise innerhalb von 7 Stunden erfolgen.
- •Lasertherapien (z. B. Farbstofflaser) eignen sich besonders zur Erythemreduktion bei frischen, vaskularisierten Narben.
Hintergrund
Hypertrophe Narben (HTN) und Keloide sind gutartige, fibroproliferative Hauterkrankungen. Die Behandlungsbedürftigkeit ergibt sich aus Symptomen wie Juckreiz und Schmerz, funktionellen Einschränkungen (z. B. Kontrakturen) sowie ästhetischen Beeinträchtigungen. Für eine erfolgreiche Therapie ist die klinische Unterscheidung der beiden Entitäten essenziell.
| Merkmal | Hypertrophe Narbe | Keloid |
|---|---|---|
| Ausdehnung | Auf ursprüngliche Verletzung beschränkt | Wächst über ursprüngliche Läsion hinaus |
| Auftreten | < 6 Monate nach Verletzung | > 6 Monate nach Verletzung |
| Rückbildung | Häufig | Nein |
| Lokalisation | Gesamtes Integument | Gesamtes Integument, häufig Ohrläppchen, Sternum, Nacken |
| Genetik | Keine Prädisposition bekannt | Genetische Prädisposition vorhanden |
Therapieziele und Erfolgsbewertung
Die Therapieziele orientieren sich an den Beschwerden des Patienten. Nach 3-6 Behandlungen bzw. Monaten sollte eine deutliche Besserung eintreten (z. B. Volumenreduktion 30-50 %, Symptomreduktion > 50 %). Bleibt der Erfolg aus, wird eine Modifikation der Behandlungsstrategie stark empfohlen.
Konservative und Medikamentöse Therapie
Oft ist eine Kombination verschiedener Behandlungsmethoden erforderlich, da keine Methode in allen Fällen standardisiert zum Erfolg führt.
| Therapie | Indikation / Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Glukokortikoide (TAC) | Stark empfohlen (intraläsional) | Oft kombiniert mit Kryochirurgie. Topische Anwendung als Creme wird nicht empfohlen. |
| Kryochirurgie | Stark empfohlen | Führt zu Ischämie. Kombi mit TAC erleichtert Injektion. |
| Druckbehandlung | Empfohlen bei großflächigen HTN | 20-30 mmHg für 6-24 Monate. Hohe Adhärenz nötig. |
| Silikon / Zwiebelextrakt | Kann erwogen werden | Zur Prophylaxe oder als Zusatztherapie. Schwache Evidenz. |
| 5-Fluorouracil (5-FU) | Empfohlen bei resistenten Keloiden | Off-label. Intraläsional, oft in Kombi mit TAC (Verhältnis 9:1 oder 3:1). |
Apparative und Chirurgische Therapie
Die chirurgische Intervention erfordert insbesondere bei Keloiden höchste Vorsicht, da das Operationstrauma selbst einen Trigger für erneutes, oft überschießendes Narbenwachstum darstellt.
| Verfahren | Einsatzgebiet | Wichtige Hinweise |
|---|---|---|
| Chirurgie (Keloide) | Therapieversagen | Monotherapie stark nicht empfohlen! Zwingend adjuvante Therapie nötig. Extramarginale Exzision (R0) stark empfohlen. |
| Strahlentherapie | Adjuvant nach Keloid-OP | Bevorzugt HDR-Brachytherapie. Optimal innerhalb von 7h post-op (Rezidivrate sinkt auf ca. 2,3 %). |
| Farbstofflaser (PDL) | Erythemreduktion | Empfohlen bei frischen, geröteten Narben. |
| Ablativer Laser (AFXL) | HTN (z.B. nach Verbrennung) | Bei aktiven Keloiden nicht empfohlen. |
| Microneedling | HTN (z.B. nach Verbrennung) | Bei Keloiden nicht empfohlen. |
Spezifische Hinweise zur Injektionstherapie
Am häufigsten wird Triamcinolonacetonid (TAC) in einer Dosierung von 10-40 mg (maximal 5 mg/cm2) injiziert. Die Injektion muss streng intraläsional erfolgen. Ein Blanching-Effekt (Abblassen) zeigt den Endpunkt der Infiltration an. Eine oberflächliche Vereisung (Kryochirurgie) unmittelbar vor der Injektion erzeugt ein Ödem, welches die nachfolgende Injektion in das derbe Gewebe erleichtert und Schmerzen lindert.
💡Praxis-Tipp
Führen Sie bei Keloiden niemals eine chirurgische Exzision als Monotherapie durch, da dies fast unweigerlich zu einem noch größeren Rezidiv führt. Planen Sie immer eine adjuvante Behandlung (z. B. HDR-Brachytherapie innerhalb von 7 Stunden postoperativ) ein.