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Aktinische Keratose & Plattenepithelkarzinom (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Inzidenz von aktinischen Keratosen (AK) und Plattenepithelkarzinomen (PEK) steigt altersbedingt und durch UV-Exposition stark an.
  • Immunsupprimierte Patienten haben ein bis zu 65-fach erhöhtes Risiko für ein PEK mit oft aggressiverem Verlauf.
  • Prognostisch ungünstig für den Übergang von AK zu PEK sind Immunsuppression, Therapieresistenz und Feldkanzerisierung.
  • Wichtige Risikofaktoren für eine PEK-Metastasierung sind Tumordicke (>6 mm), Durchmesser (≥2 cm) und Lokalisation (Ohr, Unterlippe).
  • Für die klinische Befunderhebung der AK sollten standardisierte Scores wie AK-FAS oder AKASI genutzt werden.
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Hintergrund

Das Plattenepithelkarzinom (PEK) der Haut ist nach dem Basalzellkarzinom der zweithäufigste Hauttumor. Die Vorstufen, aktinische Keratosen (AK), sind noch weitaus häufiger. Die Inzidenz beider Entitäten steigt aufgrund des demografischen Wandels und chronischer UV-Exposition massiv an.

Ein entscheidender Risikofaktor ist die Immunsuppression. Organtransplantierte Patienten haben ein über 65-fach gesteigertes Risiko für ein PEK. Die Tumoren wachsen in diesem Patientenkollektiv aggressiver, rezidivieren häufiger und weisen eine höhere Metastasierungsrate auf.

Prognosefaktoren: Aktinische Keratose zu PEK

Die genauen Progressionsraten von einer einzelnen AK zu einem invasiven PEK sind schwer zu beziffern. Folgende klinische Faktoren gelten jedoch als prognostisch ungünstig für einen Übergang:

  • Immunsuppression
  • Therapieresistenz
  • Feldkanzerisierung

Bestehende Systeme wie die Klassifikation nach Olsen oder die Graduierung in KIN 1-3 sind laut Leitlinien-Konsens prognostisch nicht ausreichend validiert und im klinischen Alltag entbehrlich.

Prognosefaktoren für die Metastasierung des PEK

Das kutane PEK hat insgesamt ein relativ geringes Metastasierungsrisiko (ca. 4-5 %), welches jedoch bei Vorliegen bestimmter Risikofaktoren signifikant ansteigt.

KategoriePrognostischer Risikofaktor
KlinischHorizontaler Tumordurchmesser ≥ 2 cm
KlinischLokalisation an Unterlippe oder Ohr
KlinischImmunsuppression (iatrogen oder erkrankungsbedingt)
HistopathologischVertikale Tumordicke > 6 mm
HistopathologischGeringe histologische Differenzierung (> Grad 3)
HistopathologischDesmoplasie
HistopathologischPerineurales Wachstum

Diagnostik und Klassifikation

Aktinische Keratose (AK)

Die Bezeichnung "aktinische Keratose" soll benutzt werden. Es handelt sich um eine Proliferation atypischer epidermaler Keratinozyten.

  • Empfehlung: Zur standardisierten Befunderhebung sollten multiple Faktoren integrierende Scores (z.B. AK-FAS, AKASI) genutzt werden, um den Ausgangsbefund und Therapieverlauf zu dokumentieren.

Cheilitis actinica

Die Cheilitis actinica ist ätiologisch und morphologisch das Pendant der aktinischen Keratose am Lippenrot (meist an der Unterlippe).

Morbus Bowen (PEK in situ)

Der Morbus Bowen ist definiert als eine intraepidermale Proliferation hochgradiger atypischer und polymorpher Keratinozyten, welche die gesamte Breite der Epidermis einnimmt. Er stellt eine Variante dar, die in ein invasives Bowenkarzinom übergehen kann.

Invasives Plattenepithelkarzinom

Ein PEK geht meist, aber nicht zwingend, aus einer intraepidermalen Proliferation atypischer Keratinozyten hervor.

  • Definition: Von einem invasiven PEK wird gesprochen, wenn histomorphologisch nachweisbar die Basalmembran durchbrochen ist (unterhalb einer intraepithelialen keratinozytären Proliferation in nicht traumatisierter Haut).
  • Es existieren diverse histomorphologische Varianten (z.B. adenosquamös, desmoplastisch, verrukös), die sich an der WHO/UICC-Klassifikation orientieren.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei der klinischen Befunderhebung von aktinischen Keratosen standardisierte Scores wie AK-FAS oder AKASI, um den Ausgangsbefund und den Therapieverlauf objektiv zu dokumentieren.

Häufig gestellte Fragen

Chronische UV-Exposition und Immunsuppression (z.B. nach Organtransplantation) sind die Hauptrisikofaktoren. Organtransplantierte haben ein über 65-fach erhöhtes Risiko.
Prognostisch ungünstig für die Progression sind Immunsuppression, Therapieresistenz und das Vorliegen einer Feldkanzerisierung.
Ein invasives Wachstum liegt vor, wenn die Basalmembran unterhalb einer intraepithelialen keratinozytären Proliferation histomorphologisch durchbrochen ist.
Eine Tumordicke >6 mm, ein Durchmesser ≥2 cm, geringe Differenzierung (> Grad 3), perineurales Wachstum, Desmoplasie sowie die Lokalisation an Ohr oder Unterlippe.

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