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UV-Phototherapie und PUVA: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Absolute Kontraindikationen für eine UV-Therapie sind Gendefekte mit erhöhter Lichtempfindlichkeit (z.B. Xeroderma pigmentosum).
  • Die UV-B-Schmalspektrum-Therapie (311 nm) ist bei Psoriasis, atopischem Ekzem und Vitiligo der Breitband-Therapie überlegen.
  • Die UV-A1-Therapie ist besonders wirksam bei atopischer Dermatitis und sklerosierenden Hauterkrankungen.
  • Die PUVA-Therapie erfordert eine strenge Indikationsstellung; die Lebenszeitdosis sollte 200 bis 250 Behandlungen nicht überschreiten.
  • Das maximale Erythem tritt bei PUVA erst nach 72 bis 120 Stunden auf, was bei Dosissteigerungen zwingend beachtet werden muss.
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Hintergrund

Die optische Strahlung in der Dermatotherapie nutzt vorwiegend Ultraviolett-Strahlung. Die Leitlinie umfasst die Anwendung von UV-B, UV-A1 sowie der Photochemotherapie (PUVA) bei verschiedenen Dermatosen. Künstliche Lichtquellen erzeugen die Strahlung durch Gasentladung (Fluoreszenzstrahler oder Hochdruckstrahler).

UV-BereichWellenlängeTherapeutische Relevanz
UV-B (Breitband)280–320 nmPsoriasis, Pruritus
UV-B (Schmalspektrum)311–313 nmPsoriasis, atopisches Ekzem, Vitiligo
UV-A1340–400 nmAtopische Dermatitis, Sklerodermie

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Vor Beginn jeder Photo(chemo)therapie müssen Kontraindikationen strikt geprüft werden:

  • Absolute Kontraindikationen: Gendefekte mit erhöhter Lichtempfindlichkeit oder Hautkrebsrisiko (z.B. Xeroderma pigmentosum, Cockayne-Syndrom, Bloom-Syndrom).
  • Relative Kontraindikationen (strenge Indikationsstellung): Krampfleiden, unvermeidbare Einnahme photosensibilisierender Medikamente, maligne Hauttumore in der Anamnese, schwere aktinische Hautschäden, atypische Nävuszellnävi.

UV-B-Phototherapie

Die UV-B-Therapie ist eine etablierte Behandlung bei Psoriasis und atopischer Dermatitis. Die Schmalspektrum-Therapie (311 nm) ist der Breitband-Therapie bei Psoriasis, atopischem Ekzem, Prophylaxe der polymorphen Lichtdermatose und Vitiligo überlegen. Eine UV-Phototherapie der Akne ist obsolet, da sie nur geringe kosmetische Effekte zeigt und komedogen wirken kann.

Dosierungsschema (Erstdosis)

Die Erstdosis richtet sich nach dem Photohauttyp (nach Fitzpatrick) oder entspricht ca. 70% der minimalen Erythemdosis (MED).

PhotohauttypUV-B-Breitband (J/cm2)UV-B 311 nm (J/cm2)
I0,020,2
II0,030,3
III0,050,5
IV0,060,6

Dosissteigerung: Bei keinem Erythem kann die Dosis um 30% gesteigert werden. Bei minimalem Erythem um 20%. Bei persistierendem oder schmerzhaftem Erythem erfolgt keine Steigerung bzw. eine Therapiepause bis zum Abklingen.

UV-A1-Phototherapie

Die UV-A1-Therapie wird vor allem bei atopischer Dermatitis, dyshidrosiformem Handekzem und sklerosierenden Bindegewebserkrankungen (z.B. zirkumskripte Sklerodermie/Morphea, Akrosklerose) eingesetzt.

DosisbereichEinzeldosis
Niedrig dosiert10–20 J/cm2
Mittelhoch dosiert>20–70 J/cm2
Hoch dosiert>70–130 J/cm2

Hinweis: Mittelhohe Dosen zeigen bei atopischer Dermatitis eine ähnliche Wirksamkeit wie hohe Dosen, weisen jedoch eine bessere Verträglichkeit auf.

Photochemotherapie (PUVA)

Die PUVA-Therapie kombiniert UV-A-Strahlung mit einem Photosensibilisator (Psoralen). Sie wird bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis, Mycosis fungoides und Lichen ruber planus angewendet.

Verfahren und Photosensibilisatoren

VerfahrenWirkstoffDosis / Konzentration
PUVA oral8-Methoxypsoralen (8-MOP)0,6 mg/kg KG
PUVA oral5-Methoxypsoralen (5-MOP)1,2 mg/kg KG
PUVA-Bad8-MOP0,5–1,0 mg/l
Creme-PUVA8-MOP0,005–0,0006 %

Praktische Durchführung

  • Einnahme/Anwendung: 8-MOP oral wird 1-2 Stunden vor Bestrahlung eingenommen. Bei Bade-PUVA erfolgt die Bestrahlung unmittelbar (innerhalb von 20 Minuten) nach dem 15-20 minütigen Bad.
  • Dosissteigerung: Das maximale PUVA-Erythem tritt erst nach 72-120 Stunden auf. Dosissteigerungen dürfen frühestens nach 96–120 Stunden erfolgen.
  • Lebenszeitdosis: Zur Minimierung des Langzeitrisikos (Spinaliome) sollte die Anzahl der PUVA-Behandlungen 200 bis 250 nicht übersteigen.

Risiken und Nebenwirkungen

  • Akut: Sonnenbrandähnliche Erytheme, PUVA-Juckreiz, Übelkeit/Erbrechen (bei oraler 8-MOP-Gabe; Wechsel auf 5-MOP möglich).
  • Chronisch: UV-Lentigines, Lichtalterung. Bei systemischer PUVA besteht ein statistisch gesichertes, dosisabhängiges Risiko für aktinische Keratosen und Plattenepithelkarzinome. Nach UV-B-Therapie wurde bislang keine sichere Erhöhung des Hautkrebsrisikos beobachtet.

💡Praxis-Tipp

Bei gastrointestinaler Intoleranz (Übelkeit/Erbrechen) unter oraler PUVA mit 8-Methoxypsoralen kann auf 5-Methoxypsoralen (5-MOP) oder eine Bade-PUVA umgestellt werden. Beachten Sie bei PUVA zwingend das verzögerte Erythemmaximum (72-120h) bei der Dosissteigerung.

Häufig gestellte Fragen

Die Erstdosis richtet sich entweder nach dem Photohauttyp (z.B. Typ II: 0,3 J/cm2 bei 311 nm) oder wird durch die Bestimmung der minimalen Erythemdosis (MED) ermittelt, wobei ca. 70% der MED als Startdosis gewählt werden.
Zu den Hauptindikationen zählen die atopische Dermatitis, das dyshidrosiforme Handekzem und sklerosierende Bindegewebserkrankungen wie die zirkumskripte Sklerodermie (Morphea).
Das maximale PUVA-Erythem tritt verzögert auf, meist erst 72 bis 120 Stunden nach der Bestrahlung. Dosissteigerungen sollten daher frühestens nach 96 bis 120 Stunden erfolgen.
Nein, laut Leitlinie ist eine UV-Phototherapie der Akne obsolet, da sie nur geringe kosmetische Effekte zeigt, komedogen wirken kann und die chronisch lichtexponierte Gesichtshaut zusätzlich schädigt.
Zur Minimierung des Langzeitrisikos für Hautkrebserkrankungen sollte die Anzahl der PUVA-Behandlungen im Leben eines Patienten 200 bis 250 nicht übersteigen.

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