UV-Phototherapie und PUVA: Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Absolute Kontraindikationen für eine UV-Therapie sind Gendefekte mit erhöhter Lichtempfindlichkeit (z.B. Xeroderma pigmentosum).
- •Die UV-B-Schmalspektrum-Therapie (311 nm) ist bei Psoriasis, atopischem Ekzem und Vitiligo der Breitband-Therapie überlegen.
- •Die UV-A1-Therapie ist besonders wirksam bei atopischer Dermatitis und sklerosierenden Hauterkrankungen.
- •Die PUVA-Therapie erfordert eine strenge Indikationsstellung; die Lebenszeitdosis sollte 200 bis 250 Behandlungen nicht überschreiten.
- •Das maximale Erythem tritt bei PUVA erst nach 72 bis 120 Stunden auf, was bei Dosissteigerungen zwingend beachtet werden muss.
Hintergrund
Die optische Strahlung in der Dermatotherapie nutzt vorwiegend Ultraviolett-Strahlung. Die Leitlinie umfasst die Anwendung von UV-B, UV-A1 sowie der Photochemotherapie (PUVA) bei verschiedenen Dermatosen. Künstliche Lichtquellen erzeugen die Strahlung durch Gasentladung (Fluoreszenzstrahler oder Hochdruckstrahler).
| UV-Bereich | Wellenlänge | Therapeutische Relevanz |
|---|---|---|
| UV-B (Breitband) | 280–320 nm | Psoriasis, Pruritus |
| UV-B (Schmalspektrum) | 311–313 nm | Psoriasis, atopisches Ekzem, Vitiligo |
| UV-A1 | 340–400 nm | Atopische Dermatitis, Sklerodermie |
Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen
Vor Beginn jeder Photo(chemo)therapie müssen Kontraindikationen strikt geprüft werden:
- Absolute Kontraindikationen: Gendefekte mit erhöhter Lichtempfindlichkeit oder Hautkrebsrisiko (z.B. Xeroderma pigmentosum, Cockayne-Syndrom, Bloom-Syndrom).
- Relative Kontraindikationen (strenge Indikationsstellung): Krampfleiden, unvermeidbare Einnahme photosensibilisierender Medikamente, maligne Hauttumore in der Anamnese, schwere aktinische Hautschäden, atypische Nävuszellnävi.
UV-B-Phototherapie
Die UV-B-Therapie ist eine etablierte Behandlung bei Psoriasis und atopischer Dermatitis. Die Schmalspektrum-Therapie (311 nm) ist der Breitband-Therapie bei Psoriasis, atopischem Ekzem, Prophylaxe der polymorphen Lichtdermatose und Vitiligo überlegen. Eine UV-Phototherapie der Akne ist obsolet, da sie nur geringe kosmetische Effekte zeigt und komedogen wirken kann.
Dosierungsschema (Erstdosis)
Die Erstdosis richtet sich nach dem Photohauttyp (nach Fitzpatrick) oder entspricht ca. 70% der minimalen Erythemdosis (MED).
| Photohauttyp | UV-B-Breitband (J/cm2) | UV-B 311 nm (J/cm2) |
|---|---|---|
| I | 0,02 | 0,2 |
| II | 0,03 | 0,3 |
| III | 0,05 | 0,5 |
| IV | 0,06 | 0,6 |
Dosissteigerung: Bei keinem Erythem kann die Dosis um 30% gesteigert werden. Bei minimalem Erythem um 20%. Bei persistierendem oder schmerzhaftem Erythem erfolgt keine Steigerung bzw. eine Therapiepause bis zum Abklingen.
UV-A1-Phototherapie
Die UV-A1-Therapie wird vor allem bei atopischer Dermatitis, dyshidrosiformem Handekzem und sklerosierenden Bindegewebserkrankungen (z.B. zirkumskripte Sklerodermie/Morphea, Akrosklerose) eingesetzt.
| Dosisbereich | Einzeldosis |
|---|---|
| Niedrig dosiert | 10–20 J/cm2 |
| Mittelhoch dosiert | >20–70 J/cm2 |
| Hoch dosiert | >70–130 J/cm2 |
Hinweis: Mittelhohe Dosen zeigen bei atopischer Dermatitis eine ähnliche Wirksamkeit wie hohe Dosen, weisen jedoch eine bessere Verträglichkeit auf.
Photochemotherapie (PUVA)
Die PUVA-Therapie kombiniert UV-A-Strahlung mit einem Photosensibilisator (Psoralen). Sie wird bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis, Mycosis fungoides und Lichen ruber planus angewendet.
Verfahren und Photosensibilisatoren
| Verfahren | Wirkstoff | Dosis / Konzentration |
|---|---|---|
| PUVA oral | 8-Methoxypsoralen (8-MOP) | 0,6 mg/kg KG |
| PUVA oral | 5-Methoxypsoralen (5-MOP) | 1,2 mg/kg KG |
| PUVA-Bad | 8-MOP | 0,5–1,0 mg/l |
| Creme-PUVA | 8-MOP | 0,005–0,0006 % |
Praktische Durchführung
- Einnahme/Anwendung: 8-MOP oral wird 1-2 Stunden vor Bestrahlung eingenommen. Bei Bade-PUVA erfolgt die Bestrahlung unmittelbar (innerhalb von 20 Minuten) nach dem 15-20 minütigen Bad.
- Dosissteigerung: Das maximale PUVA-Erythem tritt erst nach 72-120 Stunden auf. Dosissteigerungen dürfen frühestens nach 96–120 Stunden erfolgen.
- Lebenszeitdosis: Zur Minimierung des Langzeitrisikos (Spinaliome) sollte die Anzahl der PUVA-Behandlungen 200 bis 250 nicht übersteigen.
Risiken und Nebenwirkungen
- Akut: Sonnenbrandähnliche Erytheme, PUVA-Juckreiz, Übelkeit/Erbrechen (bei oraler 8-MOP-Gabe; Wechsel auf 5-MOP möglich).
- Chronisch: UV-Lentigines, Lichtalterung. Bei systemischer PUVA besteht ein statistisch gesichertes, dosisabhängiges Risiko für aktinische Keratosen und Plattenepithelkarzinome. Nach UV-B-Therapie wurde bislang keine sichere Erhöhung des Hautkrebsrisikos beobachtet.
💡Praxis-Tipp
Bei gastrointestinaler Intoleranz (Übelkeit/Erbrechen) unter oraler PUVA mit 8-Methoxypsoralen kann auf 5-Methoxypsoralen (5-MOP) oder eine Bade-PUVA umgestellt werden. Beachten Sie bei PUVA zwingend das verzögerte Erythemmaximum (72-120h) bei der Dosissteigerung.