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Wundbehandlung bei Kindern: S1-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Großzügige Indikation zur Wundexploration in Allgemeinanästhesie bei Kindern zum Ausschluss von Begleitverletzungen.
  • Wundspülung unter Druck mit Octenidin ist kontraindiziert (Gefahr der aseptischen Nekrose).
  • Das optimale Zeitfenster für die primäre Wundversorgung liegt bei unter 6 Stunden.
  • Bei Lippenplatzwunden erfolgt die erste Naht an der Grenze zwischen Haut und Lippenrot.
  • Katzenbisse haben ein höheres Infektionsrisiko als Menschen- oder Hundebisse.
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Hintergrund

Unfälle sind eine der größten Gesundheitsgefahren für Kinder. Etwa 15,5 % der 1- bis 17-Jährigen werden jährlich unfallbedingt ärztlich behandelt. Die Wundheilung verläuft in drei Phasen:

PhaseZeitraumBezeichnung
11.-4. TagExsudative Phase (Entzündungsphase)
22.-16. TagProliferative Phase (Granulationsphase)
35.-25. TagReparative Phase (Epithelialisierungsphase)

Diagnostik und primäre Wundversorgung

Neben der Anamnese (inklusive Impfstatus und Ausschluss einer Kindeswohlgefährdung) ist der Ausschluss von Begleitverletzungen essenziell. Je kleiner das Kind, desto schwieriger ist die Beurteilung von Sensibilität, Motorik und Perfusion. Daher gilt eine großzügige Indikationsstellung zur Exploration in Allgemeinanästhesie.

  • Wundalter: Optimal < 6 Stunden.
  • Reinigung: Mit NaCl 0,9 %, Wasser und Seife, Polihexanid oder Octenidin.
  • Cave Octenidin: Bei Spülung unter Druck in nicht-präformierten Höhlen besteht die Gefahr der aseptischen Nekrose.

Wundverschluss und Gewebekleber

Gewebekleber ist indiziert bei Wunden, die:

  • nicht unter Spannung stehen
  • nicht stark verschmutzt oder infiziert sind
  • nicht gelenkübergreifend sind
  • gut adaptierbar sind und nicht stark bluten

Cave: Kein Gewebekleber in Augennähe oder tief in der Wunde (Gefahr der Weichteilnekrose).

Richtwerte für den Fadenzug

LokalisationFadenstärkeFadenzug (Tage)
Gesicht5-0 / 6-03-5
Arme4-07-10
Rumpf3-0 / 4-010-14
Beine4-010-14
Hände5-010-14

Spezielle Verletzungen im Gesicht

Zungenbisse

Eine primäre Wundnaht ist indiziert bei:

  • Stark klaffenden Wunden (Beurteilung in Ruhe)
  • Persistierender Blutung
  • Länge > 2 cm oder Verletzung der Zungenspitze
  • Funktionseinschränkung der Zunge

Lippenplatzwunden

Bei lippenrotüberschreitenden Wunden muss die Kosmetik beachtet werden. Die erste Naht erfolgt an der Grenze zwischen Haut und Lippenrot, um die Kontur zu erhalten.

Bisswunden

Das Infektionsrisiko hängt von der Tierart ab: Katzenbiss > Menschenbiss > Hundebiss. Bei Katzenbissen dringen Erreger durch die spitzen Zähne tiefer ins Gewebe ein.

MaßnahmeBemerkung
WundabstrichVor Reinigung/Desinfektion durchführen
PrimärversorgungInnerhalb von 8-12h (Ausnahme Gesicht: auch >12h aus kosmetischen Gründen)
AntibioseGgf. Ampicillin/Sulbactam i.v. für 7-10 Tage
Tollwut-ProphylaxeBei Verdachtstieren oder Fledermauskontakt (Expositionsgrad beachten)

Komplikationen

Ein Kompartmentsyndrom tritt besonders bei Quetschungen an Unterschenkel, Fuß, Unterarm und Hand auf. Das wichtigste Frühsymptom ist ein heftiger Schmerz, der inadäquat zum Trauma ist und nicht auf Schmerzmittel reagiert. Im Zweifelsfall besteht eine großzügige Indikation zur Dermato-Fasziotomie.

💡Praxis-Tipp

Spülen Sie tiefe Wunden oder Stichkanäle niemals unter Druck mit Octenidin, da dies zu schweren aseptischen Gewebenekrosen führen kann. Nutzen Sie stattdessen Ringer- oder NaCl-Lösung.

Häufig gestellte Fragen

Bei stark klaffenden Wunden, persistierender Blutung, einer Länge von über 2 cm, Verletzungen der Zungenspitze oder Funktionseinschränkungen.
Bei oberflächlichen, gut adaptierbaren Wunden ohne Spannung, die nicht stark bluten, nicht infiziert sind und nicht über Gelenken liegen.
Katzenbisse haben ein höheres Infektionsrisiko als Menschen- oder Hundebisse, da die spitzen Zähne die Erreger tief ins Gewebe einbringen.
Im Gesicht nach 3-5 Tagen, an den Armen nach 7-10 Tagen, an Rumpf, Beinen und Händen nach 10-14 Tagen.
Ein heftiger Schmerz, der inadäquat zum Trauma ist und nicht auf adäquate Schmerzmittelgabe reagiert.

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