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Primärer Hyperparathyreoidismus bei Kindern (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Erhöhtes Serum-Calcium bei gleichzeitig erhöhten PTH-Werten sichert die Diagnose.
  • Im Kindes- und Jugendalter sind mehrheitlich thorakale Adenome die Ursache für einen primären Hyperparathyreoidismus.
  • Die Therapie der Wahl ist die chirurgische Entfernung des Adenoms oder aller Epithelkörperchen (bei Hyperplasie oder NSHPT).
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Hintergrund

Ein Hyperparathyreoidismus (HPT) beruht auf einer chronischen Übersekretion von Parathormon (PTH). Diese kann primär (autonom) auftreten oder sekundär als Folge einer Grundkrankheit mit Hypokalzämie (z. B. chronische Niereninsuffizienz, calcipenische Rachitis). Ein primärer HPT tritt sporadisch, familiär oder im Rahmen einer multiplen endokrinen Neoplasie (MEN) auf.

Sonderformen:

  • FHH (Familiäre hypocalciurische Hypercalcämie): Inaktivierende Mutationen im Calcium-Sensing-Rezeptor-Gen (CaSR). Meist liegt ein milder HPT vor.
  • NSHPT (Neonataler schwerer primärer HPT): Ebenfalls inaktivierende CaSR-Mutationen. Führt zu rascher Demineralisation des Skelettsystems, Thoraxdeformierungen, Rippenfrakturen und konsekutiver Ateminsuffizienz.
  • Medikamenteninduziert: z. B. durch Lithium oder Thiaziddiuretika.

Leitsymptome

Nicht selten liegt eine asymptomatische Hyperkalzämie vor. Mögliche klinische Symptome sind:

  • Anorexie, Übelkeit, Erbrechen, Obstipation
  • Muskelschwäche, Knochenschmerzen
  • Blutdruckerhöhung
  • Polydipsie, Polyurie
  • Nephrokalzinose oder Nephrolithiasis

Diagnostik

Ziel ist der Nachweis einer Hyperkalzämie infolge erhöhter PTH-Sekretion sowie die Klärung der Ursache. Erhöhtes Serum-Calcium bei erhöhten PTH-Serumkonzentrationen sichert die Diagnose.

Diagnostik-BereichParameter / Untersuchung
BasislaborIntaktes PTH, Calcium, Phosphat, alkalische Phosphatase (AP), Kreatinin im Serum
UrinCalcium-/Kreatinin-Quotient im Spontanurin
DifferenzialdiagnostikVitamin-D-Metabolite (25-OH-Vit D, 1,25(OH)2-Vit D) zur Abgrenzung eines sekundären HPT
GenetikGgf. CaSR-Rezeptor, MEN 1 bzw. MEN 2A Gen
BildgebungSonographie, Radionukleotid-Szintigraphie (MIBG), evtl. CT/MRT (zervikal und thorakal)

Hinweis zur Bildgebung: Im Kindes- und Jugendalter sind mehrheitlich thorakale Adenome die Ursache des primären Hyperparathyreoidismus.

Entbehrliche Diagnostik:

  • Katheterisierung der Halsvenen
  • Arteriographie
  • Calcium- oder Glukokortikoidbelastung

Therapie

Die Durchführung der chirurgischen Therapie sollte durch einen Chirurgen oder Kinderchirurgen mit ausgewiesener Expertise im Bereich der endokrinen Halschirurgie erfolgen.

Chirurgische Therapie (Standard)

IndikationChirurgische Maßnahme
AdenomEntfernung des Adenoms
Hyperplasie aller Nebenschilddrüsen / NSHPTEntfernung aller Epithelkörperchen
Ohne Störung des CaSR-GensPartielle Autotransplantation von Epithelkörperchen in den M. brachioradialis möglich

Medikamentöse Therapie

Die Verwendung eines Calcimetikums ist in Einzelfällen bis zur definitiven Therapie zu erwägen.

Therapie der hyperkalzämischen Krise:

  • NaCl-Infusion
  • Bisphosphonate (Pamidronat / Neridronat)
  • Furosemid
  • Steroide
  • Calcium-freie Kost

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei Kindern und Jugendlichen mit primärem Hyperparathyreoidismus primär an thorakale Adenome und passen Sie die Bildgebung (evtl. CT/MRT thorakal) entsprechend an.

Häufig gestellte Fragen

Durch den Nachweis von erhöhtem Serum-Calcium bei gleichzeitig erhöhten PTH-Serumkonzentrationen.
Sonographie, Szintigraphie (MIBG) und ggf. CT/MRT (zervikal und thorakal), da im Kindes- und Jugendalter mehrheitlich thorakale Adenome vorliegen.
Mit NaCl-Infusionen, Bisphosphonaten (Pamidronat/Neridronat), Furosemid, Steroiden und calciumfreier Kost.
Halsvenenkatheterisierung, Arteriographie sowie Calcium- oder Glukokortikoidbelastung.

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