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Invagination bei Kindern: S1-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Sonographie ist die Bildgebung der Wahl (Sensitivität bis 100 %); Röntgen-Leeraufnahmen sind obsolet.
  • Die klassische Trias (krampfartige Schmerzen, Himbeergelee-Stuhl, tastbare Walze) tritt nur bei ca. 25 % der Patienten auf.
  • Therapie der Wahl bei unkomplizierten Fällen (< 24h Symptomatik) ist die sonographisch gestützte hydrostatische Desinvagination.
  • Bei Kindern über 3 Jahren liegt häufig eine anatomische Leitstruktur (z. B. Meckel-Divertikel, Polyp) zugrunde.
  • Eine operative Therapie ist indiziert bei Symptomen > 24h, Perforationsverdacht oder erfolgloser konservativer Therapie.
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Hintergrund

Die Invagination ist definiert als Einstülpung eines Darmabschnittes in den caudal nachfolgenden Darmabschnitt, was zur Einklemmung der versorgenden Mesenterialgefäße führt. Die häufigste Lokalisation ist mit 80 % ileo-coecal.

Die Inzidenz ist im ersten Lebensjahr am höchsten (60-100/100.000). Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen (3:2).

AltersgruppeHäufigste ÄtiologieBemerkung
6 Monate bis 3 JahreIdiopathisch (80 %), VirusinfektionenAssoziation mit Rotavirus-Impfung (nicht Wildtyp!), Adenovirus, Norovirus
> 3 JahreAnatomische LeitstrukturMeckel-Divertikel, Darmduplikaturen, Polypen, Tumore, Purpura Schönlein-Henoch

Klinik und Symptome

Die klassische klinische Trias tritt nur bei ca. 25 % der Patienten auf:

  • Plötzlich einsetzende, krampfartige Bauchschmerzen
  • Himbeergelee-artiger Stuhlabgang (Spätsymptom)
  • Palpable walzenförmige Struktur im Abdomen

Weitere Symptome können Schocksymptomatik, Abwehrspannung, Ileusgeräusche sowie Dehydratation durch rezidivierendes (teils galliges) Erbrechen sein.

Diagnostik

Die Sonographie ist die Bildgebung der Wahl (Sensitivität 98-100 %, Spezifität 88-100 %). Typische sonographische Zeichen sind:

  • Kokardenphänomen
  • Target-Zeichen
  • Pseudokidney-Zeichen

Wichtig: Die Röntgen-Leeraufnahme (Sensitivität nur 45 %) und der Röntgen-Kontrasteinlauf sind überholt.

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Dauer der Symptomatik und dem Vorliegen von Komplikationen. Eine periinterventionelle Antibiotikatherapie bringt keinen Benefit.

TherapieformIndikationDurchführung & Erfolgsrate
Konservativ (Hydrostatische Desinvagination)Symptome < 24-48h, keine Leitstruktur, keine Peritonitis/PerforationSonographisch kontrollierte rektale Instillation von warmer NaCl-Lösung. Erfolg bei < 18h: 97,3 %, bei > 24h: 33,3 %.
Operativ (Offen oder Laparoskopisch)Symptome > 24h, Perforationsverdacht, Leitstruktur, erfolglose konservative TherapieManuelles Herausdrücken (Hutchinson-Handgriff). Ggf. Resektion bei Darmnekrose.

Hinweis: Die sonographisch gestützte hydrostatische Desinvagination zeigt höhere Erfolgsraten als die fluoroskopisch gestützte pneumatische Desinvagination.

Nachbehandlung

Nach einer erfolgreichen Desinvagination erfolgt ein rascher Kostaufbau. Vor der Entlassung sollte eine sonographische Kontrolle erfolgen. Die Rezidivrate unterscheidet sich je nach Therapieverfahren:

  • Nach sonographischer Desinvagination: 3,7 - 15 % (meist nach ca. 4 Tagen)
  • Nach operativer Desinvagination: 0 - 4 %

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich nicht auf die klassische klinische Trias (Schmerz, Himbeergelee-Stuhl, tastbare Walze) – diese ist nur bei etwa 25 % der Kinder vollständig ausgeprägt. Nutzen Sie primär die Sonographie als Goldstandard.

Häufig gestellte Fragen

In 80 % der Fälle handelt es sich um eine ileo-coecale Invagination.
Die Sonographie ist die Bildgebung der Wahl (Sensitivität 98-100 %). Röntgen-Leeraufnahmen und Kontrasteinläufe sind überholt.
Bei einer Symptomdauer von unter 24-48 Stunden, fehlender Leitstruktur und wenn kein Verdacht auf eine Perforation oder Peritonitis besteht.
Nach einer sonographischen Desinvagination liegt die Rezidivrate bei 3,7-15 %, nach einer operativen Desinvagination bei 0-4 %.

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