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Necrobiosis lipoidica: S1-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Typische Prädilektionsstelle sind die Unterschenkel (prätibial) mit gelblich-bräunlichen Plaques und Teleangiektasien.
  • Eine Assoziation mit Diabetes mellitus besteht in 11-65 % der Fälle; auch Schilddrüsenfunktionsstörungen sind häufig.
  • Topische Glukokortikosteroide (Klasse III-IV) sind die primäre lokale Therapiemaßnahme.
  • Bei ulzerierten Verläufen wird eine Kompressionstherapie an den Unterschenkeln stark empfohlen.
  • Systemische Therapien (z.B. Glukokortikosteroide, Fumarsäureester, Biologika) kommen bei schweren oder therapierefraktären Verläufen im Off-Label-Use zum Einsatz.
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Hintergrund

Die Necrobiosis lipoidica (NL) ist eine seltene granulomatöse Erkrankung unklarer Ätiologie. Sie betrifft vor allem Erwachsene mittleren Alters (Median ca. 50 Jahre) und tritt bei Frauen deutlich häufiger auf als bei Männern (Verhältnis 3:1 bis 6:1). Männer neigen jedoch häufiger zu schweren, ulzerierenden Verläufen.

Klinik und Diagnostik

Die Diagnose wird meist klinisch gestellt. Typische Prädilektionsstellen sind die Unterschenkel, insbesondere die prätibialen Bereiche.

Klinisches BildDermatoskopieKomplikationen
Ovale Plaques mit bräunlich-lividen RändernScharf begrenzte, stark geschlängelte TeleangiektasienUlzerationen (bei 12,7-35 % der Patienten)
Zentral gelblich-bräunliches, oft atrophes ZentrumWeißlicher oder gelblich-orangefarbener strukturloser HintergrundSelten: Kutane Malignome (z.B. Plattenepithelkarzinom) auf dem Boden chronischer Ulzera
Gut sichtbare gewundene TeleangiektasienBaumartig verzweigte GefäßeSchmerzen (v.a. bei Ulzeration)

Eine Gewebeprobe zur histologischen Sicherung wird empfohlen bei:

  • Klinisch unklaren Fällen
  • Ulzerationen
  • Hinweisen auf eine maligne Entartung

Assoziierte Erkrankungen und Differentialdiagnosen

Die NL ist stark mit metabolischen und endokrinen Störungen assoziiert. Eine labordiagnostische Abklärung wird stark empfohlen (↑↑).

Assoziierte Erkrankungen (Häufig)Seltenere BegleiterkrankungenWichtige Differentialdiagnosen
Diabetes mellitus (11-65 % der Fälle)AdipositasGranuloma anulare
Schilddrüsenfunktionsstörungen (v.a. Hypothyreose)Arterielle HypertonieKutane Sarkoidose
FettstoffwechselstörungenNecrobiotisches Xanthogranulom

Topische und physikalische Therapie

Topische Therapien sollten im aktiven inflammatorischen Randbereich angewendet werden, da im atrophen Zentrum kaum Inflammation vorliegt.

TherapieoptionEmpfehlungBemerkung
Glukokortikosteroide (Klasse III-IV)↑↑ (Stark empfohlen)Primäre Lokaltherapie, bevorzugt unter Okklusion.
Tacrolimus-Salbe↑↑ (Stark empfohlen)Alternative zu Steroiden, fehlende Atrophisierung (Off-Label).
PUVA-Therapie↑ (Empfohlen)Creme- oder Bade-PUVA zeigt gute Wirksamkeit.
Intraläsionale Steroide (Kann erwogen werden)Bei fehlendem Ansprechen auf topische Therapie.
UVA1 / PDT / CO2-Laser (Kann erwogen werden)Bei therapieresistenten Fällen.

Kompressionstherapie und Wundbehandlung

Bei ulzerierter NL treten oft therapierefraktäre Wunden auf.

  • Kompressionstherapie: Wird an den Unterschenkeln stark empfohlen (↑↑). Sie reduziert Ödeme und wirkt antiinflammatorisch. Vorab muss eine fortgeschrittene pAVK (KADI < 0,5) ausgeschlossen werden.
  • Wundtherapie: Orientiert sich an den Wundheilungsphasen (M.O.I.S.T.-Konzept). Polihexanid ist das Wundantiseptikum der ersten Wahl.

Systemtherapie

Systemtherapien kommen meist bei schweren, ulzerierten Verläufen zum Einsatz. Mit Ausnahme von Glukokortikosteroiden erfolgen alle systemischen Therapien im Off-Label-Use.

WirkstoffklasseEmpfehlungIndikation / Bemerkung
Systemische Glukokortikosteroide↑↑ (Stark empfohlen)Im entzündlichen Stadium. Cave: Blutzuckerentgleisung bei Diabetikern.
(Hydroxy-)Chloroquin↑ (Empfohlen)Kostengünstig, breite Erfahrung.
Ciclosporin A↑ (Empfohlen)Bei schweren Fällen und Versagen der Erstlinientherapie.
Fumarsäureester↑ (Empfohlen)Gute klinische Erfahrung, signifikante Verbesserung in Studien.
Biologika (TNF-α-Inhibitoren, Ustekinumab)↑ (Empfohlen)Für schwere, therapierefraktäre Fälle.
Januskinase-Inhibitoren↑ (Empfohlen)Zunehmender Einsatz bei granulomatösen Erkrankungen.
Dapson / Pentoxifyllin (Kann erwogen werden)Bei Therapieversagen anderer Maßnahmen.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei Patienten mit Necrobiosis lipoidica stets auf einen (bislang unentdeckten) Diabetes mellitus und Schilddrüsenfunktionsstörungen. Bei ulzerierten Läsionen sollte nach Ausschluss einer pAVK frühzeitig eine Kompressionstherapie evaluiert werden.

Häufig gestellte Fragen

Typisch sind meist ovale Plaques mit bräunlich-lividen Rändern, einem gelblich-bräunlichen, atrophen Zentrum und sichtbaren Teleangiektasien, meist prätibial an den Unterschenkeln.
In klinisch unklaren Fällen, bei Ulzerationen oder bei Hinweisen auf eine maligne Entartung (z.B. Plattenepithelkarzinom).
Primär topische Glukokortikosteroide der Klasse III-IV (bevorzugt unter Okklusion) im aktiven Randbereich. Alternativ kann topisches Tacrolimus eingesetzt werden.
Nein. Sie wird an den Unterschenkeln stark empfohlen, sofern keine Kontraindikationen wie eine fortgeschrittene pAVK (KADI < 0,5) oder dekompensierte Herzinsuffizienz vorliegen.

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