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Livedovaskulopathie: S1-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Livedovaskulopathie ist eine Gerinnungsstörung der Mikrozirkulation (Hautinfarkt), keine primäre Vaskulitis.
  • Die klinische Trias besteht aus Livedo racemosa, schmerzhaften Ulzerationen (Angina cutis) und Atrophie blanche an den unteren Extremitäten.
  • Die Erkrankung tritt ganzjährig auf, der Begriff 'Sommerulzerationen' ist veraltet.
  • Therapie der 1. Wahl sind niedermolekulare Heparine (NMH) oder DOAKs (z.B. Rivaroxaban).
  • Glukokortikoide haben keinen direkten therapeutischen Nutzen.
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Hintergrund

Die Livedovaskulopathie (LV) ist eine chronisch rezidivierende Gefäßerkrankung. Durch eine Thrombosierung in der Mikrozirkulation der Dermis kommt es zu einer Minderperfusion und konsekutiven Ulzerationen. Wichtig: Es handelt sich nicht um eine primär entzündliche Vaskulitis, sondern um eine Gerinnungsstörung (Hautinfarkt). Frauen sind etwa dreimal häufiger betroffen als Männer.

Klinik und Verlauf

Die Erkrankung betrifft ausschließlich die untere Extremität (insbesondere die Malleolarregion) und tritt ganzjährig auf (entgegen dem veralteten Synonym "Sommerulzerationen").

Die klassische klinische Trias umfasst:

  • Livedo racemosa: Livide, unregelmäßig begrenzte, netzförmige Maculae.
  • Ulzerationen: Meist geht ein brennender, streng lokalisierter Schmerz voraus (Angina cutis). Ohne Therapie entstehen Nekrosen und schmerzhafte Ulzera.
  • Atrophie blanche: Blitz- oder sternförmige, porzellanfarbene Narben als Endpunkt des Gewebeumbaus.

Diagnostik

Die Diagnose wird in der Zusammenschau von Klinik und Histologie gestellt.

Histologische Kriterien

Eine Spindelbiopsie sollte im Akutstadium aus dem Randbereich entnommen werden.

  • Intraluminale Thromben der oberen und mittleren Dermis (EK +2)
  • Keine primär entzündlichen Veränderungen wie bei Vaskulitiden (EK +1,8)
  • Subintimale hyaline Ablagerungen (EK +1,6)
  • Endotheliale Proliferation (EK +0,9)

Labordiagnostik (Prokoagulatorisches Screening)

Auch bei fehlendem Nachweis von prokoagulatorischen Parametern ist die Diagnose LV möglich (EK +1,9). Folgende Parameter sollten initial bestimmt werden:

ParameterEmpfehlungsstärke (EK)
Antiphospholipid-Antikörper (Lupus-Antikoagulans, Antikardiolipin, β2-Glykoprotein-1)+1,7
Protein C und Protein S+1,3
Homozystein (nüchtern)+1,2
Lipoprotein (a)+1,1

Differentialdiagnosen

Die LV muss von anderen Ursachen für Unterschenkelulzera abgegrenzt werden. Zwingend zu beachten (EK +2 bis +1):

DifferentialdiagnoseUnterscheidungsmerkmale zur LV
Polyarteriitis nodosa (PAN)Tastbare subkutane Nodi, Mononeuritis multiplex, Vaskulitis mittelgroßer Gefäße.
Ulcus cruris venosumLangsamere Entwicklung, Duplex-Reflux, Dermatoliposklerose, Varikosis.
Ulcus cruris arteriosum (pAVK)Ältere Patienten, pathologische arterielle Verschlussdrücke.
Pyoderma gangraenosumUnterminierter livider Randsaum, Pathergie-Phänomen, schnelles Wachstum, überall am Körper möglich.

Therapie

Ziel ist der frühzeitige Beginn einer medikamentösen Therapie (alle systemischen Therapien sind Off-Label-Use). Glukokortikoide werden nicht empfohlen, da kein primär entzündliches Geschehen vorliegt.

Stufenschema der medikamentösen Therapie

StufeTherapieBemerkung / Dosierung
1st LineNiedermolekulares Heparin (NMH)Initial volltherapeutisch (z.B. Enoxaparin 1 mg/kg s.c. 2x/d). Bei stabilem Befund halbtherapeutisch (1x/d). EK +1,4
1st LineDOAK (z.B. Rivaroxaban)Umstellung von NMH möglich. Initial 20 mg/d, Erhaltung 10 mg/d. Bessere Adhärenz durch orale Gabe. EK +2,0
2nd LineIntravenöse Immunglobuline (IVIG)Bei therapierefraktären Fällen. 2 g/kg KG (aufgeteilt auf 2-5 Tage). EK +1,6
SpezifischVitamin B6, B12, FolsäureNur bei nachgewiesener Hyperhomozysteinämie. EK +1,4

Therapiemonitoring: Einer klinischen Verschlechterung geht meist eine Schmerzzunahme voraus. Ein Schmerztagebuch wird empfohlen (EK +1,9). Bei deutlicher Schmerzzunahme soll eine Dosissteigerung der Antikoagulation erwogen werden (EK +1,9).

💡Praxis-Tipp

Lassen Sie sich nicht vom Begriff 'Vaskulitis' in älteren Synonymen täuschen: Die Livedovaskulopathie ist eine Gerinnungsstörung. Verzichten Sie auf Glukokortikoide und leiten Sie frühzeitig eine Antikoagulation (z.B. NMH) ein, sobald der Patient über zunehmende, stechende Schmerzen (Angina cutis) klagt.

Häufig gestellte Fragen

Die Trias besteht aus Livedo racemosa, schmerzhaften Ulzerationen und der Atrophie blanche (porzellanfarbene Narben).
Nein. Da es sich um eine Thrombosierung der Mikrozirkulation und keine primäre Entzündung handelt, haben Glukokortikoide keinen direkten therapeutischen Nutzen.
Niedermolekulares Heparin (NMH) und direkte orale Antikoagulantien (DOAK, z.B. Rivaroxaban).
Die Erkrankung tritt ganzjährig auf. Der veraltete Begriff 'Sommerulzerationen' ist irreführend.
Empfohlen wird ein Screening auf prokoagulatorische Parameter, insbesondere Antiphospholipid-Antikörper, Protein C und S, Homozystein und Lipoprotein (a).

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