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Pyoderma gangraenosum: S1-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Das Pyoderma gangraenosum (PG) ist eine primär sterile, neutrophile Dermatose mit schmerzhaften Ulzerationen und lividen Randbereichen.
  • Ein chirurgisches Debridement sollte in der inflammatorischen Phase wegen der Gefahr des Pathergie-Phänomens vermieden werden.
  • Die Diagnosesicherung erfolgt klinisch (z.B. PARACELSUS-Score) und durch eine tiefe Spindelbiopsie zum Ausschluss von Differentialdiagnosen.
  • Systemische Therapie der ersten Wahl sind Glukokortikoide (0,5-1 mg/kg KG/d) oder Ciclosporin (2-5 mg/kg KG/d).
  • Bei Begleiterkrankungen wie chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) oder rheumatoider Arthritis (RA) werden frühzeitig TNF-α-Inhibitoren (z.B. Infliximab) empfohlen.
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Hintergrund

Das Pyoderma gangraenosum (PG) ist eine seltene, primär sterile, neutrophile Dermatose. Klassischerweise präsentiert sich die Erkrankung durch schmerzhafte Ulzerationen, die aus sterilen Pusteln entstehen. Typisch sind livide, dolente und oft unterminierte Wundränder mit umgebendem Erythem. Prädilektionsstelle ist die Tibiaregion (bis zu 70 %), jedoch kann das PG überall auftreten, auch peristomal oder postoperativ. Ein zentrales Merkmal ist das Pathergie-Phänomen, bei dem Bagatelltraumen oder Operationen neue Läsionen provozieren.

Komorbiditäten und Assoziationen

Das PG tritt häufig in Assoziation mit anderen Systemerkrankungen auf. Ein Screening auf diese Begleiterkrankungen ist obligat.

Assoziierte ErkrankungHäufigkeit / Besonderheiten
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED)Morbus Crohn häufiger als Colitis ulcerosa
Rheumatoide Arthritis (RA)Häufige rheumatologische Begleiterkrankung
MalignomeHämatologische (z.B. monoklonale Gammopathien) und solide Tumoren
Metabolisches SyndromDiabetes mellitus, arterielle Hypertonie, Adipositas
Autoinflammatorische SyndromePAPA-Syndrom, PASH-Syndrom (oft genetisch bedingt)

Diagnostik

Die Diagnose wird primär klinisch gestellt, da pathognomonische Labor- oder Histologiebefunde fehlen. Zur Diagnosestellung können Scores wie der PARACELSUS-Score herangezogen werden (ab 10 Punkten PG sehr wahrscheinlich).

Histopathologie: Eine Biopsie ist zwingend erforderlich, primär zum Ausschluss von Differentialdiagnosen (z.B. Ulcus hypertonicum, Vaskulitis, Malignome, Infektionen).

  • Empfehlung: Es muss eine ausreichend lange, vom Ulkusrand in das klinisch unauffällige Gewebe reichende und tiefe (bis zur Faszie) Spindelbiopsie entnommen werden. Eine einfache 3-4 mm Stanzbiopsie reicht nicht aus.

Wundmanagement und Topische Therapie

Das Wundmanagement muss phasenadaptiert und extrem schmerzarm erfolgen. Ein mechanisches oder chirurgisches Debridement ist in der inflammatorischen Phase wegen der Gefahr des Pathergie-Phänomens streng zu vermeiden.

MaßnahmeEmpfehlung / WirkstoffBemerkung
Schmerztherapie (topisch)Morphinhydrochlorid-Gel 0,1 %Kühlend, schmerzlindernd
Antimikrobielle TherapieHydrophiles Polihexanid-Gel 0,04 %Keine osmotisch aktiven Salben verwenden (Schmerzgefahr!)
WundauflagenSilikon-beschichtete SchaumverbändeNicht-adhäsiv, atraumatischer Verbandswechsel
Topische ImmunsuppressionClobetasol-propionat 0,05 % oder Tacrolimus 0,1 %Bei kleinen, singulären oder peristomalen Läsionen als Begleittherapie

Systemische Therapie

Bei multiplen Läsionen, starker Krankheitsaktivität oder Versagen der topischen Therapie ist eine systemische Immunsuppression indiziert.

Stufe / SituationWirkstoffDosierungEvidenz / Bemerkung
1. Wahl (Akuttherapie)Prednisolon0,5–1 mg/kg KG/d (p.o. oder i.v.)Dosiserhöhung auf bis zu 2 mg/kg KG/d bei fehlendem Ansprechen nach 3 Tagen.
1. Wahl (Steroidsparend)Ciclosporin2–5 mg/kg KG/dGleichwertig zu Glukokortikoiden. Oft als frühe Kombinationstherapie eingesetzt.
Bei CED / RA oder RefraktäritätInfliximab5 mg/kg KG (i.v.)Starke Empfehlung bei CED/RA. Beste Evidenz unter den Biologika (RCT vorhanden).
Alternative BiologikaAdalimumab, EtanerceptPsoriasis-DosierungsschemaOff-label, aber gutes Risiko-Nutzen-Profil.
Reserve / 2. WahlIVIG, Azathioprin, MycophenolatmofetilIndividuellBei Kontraindikationen gegen 1. Wahl oder Malignomen.

Kernaussagen zur Systemtherapie:

  • Glukokortikoide und Ciclosporin gelten gleichermaßen als Erstlinientherapien.
  • Eine frühzeitige Kombination von Glukokortikoiden mit steroidsparenden Immunsuppressiva (z.B. Ciclosporin) ist häufig sinnvoll, um Nebenwirkungen zu reduzieren und Rezidive zu vermeiden.
  • Bei Vorliegen einer CED oder RA sollte ein frühzeitiger Einsatz von TNF-α-Antagonisten (bevorzugt Infliximab) erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei Verdacht auf Pyoderma gangraenosum immer eine tiefe Spindelbiopsie bis zur Faszie durch, um ein Ulcus hypertonicum sicher auszuschließen – kleine Stanzbiopsien sind hierfür unzureichend. Verzichten Sie in der akuten, inflammatorischen Phase auf ein chirurgisches Debridement, da dies durch das Pathergie-Phänomen zu einer massiven Befundverschlechterung führen kann.

Häufig gestellte Fragen

Das Pathergie-Phänomen beschreibt die Entstehung neuer Ulzerationen oder die Verschlechterung bestehender Läsionen nach Bagatelltraumen, Operationen oder mechanischem Debridement.
Die initiale Dosis liegt bei 0,5 bis 1 mg/kg KG/d. Bei fehlendem Ansprechen oder schnellem Progress innerhalb von 3 Tagen kann die Dosis auf bis zu 2 mg/kg KG/d eskaliert werden.
Infliximab weist die beste Evidenz auf, insbesondere bei Patienten mit begleitender chronisch entzündlicher Darmerkrankung (CED), was durch eine randomisiert-kontrollierte Studie belegt ist.
Es sollten nicht-adhäsive Wundauflagen (z.B. silikonbeschichtete Schaumverbände) und schmerzarme Gele (z.B. hydrophiles Polihexanid-Gel 0,04 % oder Morphin-Gel) verwendet werden. Osmotisch aktive Salben sind zu vermeiden, da sie Schmerzen verursachen können.

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