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Kutane Lymphome: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Kutane Lymphome sind meist T-Zell-Lymphome (73 %), seltener B-Zell-Lymphome (22 %).
  • Die Diagnosesicherung erfordert zwingend eine Hautbiopsie mit Histologie, Immunhistochemie und Klonalitätsanalyse.
  • Das Staging der Mycosis fungoides erfolgt nach der modifizierten ISCL/EORTC-TNM-Klassifikation.
  • Frühe Stadien der Mycosis fungoides werden primär lokal (Steroide, UV-Licht, Radiatio) behandelt.
  • Bei fortgeschrittenen Stadien kommen systemische Therapien wie Bexaroten, Interferon-alpha oder Antikörper zum Einsatz.
  • Zur Behandlung des quälenden Pruritus können Off-Label-Therapien wie Gabapentin oder Mirtazapin erwogen werden.
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Hintergrund

Kutane Lymphome (CL) sind eine heterogene Gruppe lymphoproliferativer Erkrankungen, die sich primär in der Haut manifestieren. Sie gehören zu den extranodalen Non-Hodgkin-Lymphomen. Die Inzidenz in Deutschland liegt bei etwa 1 Neuerkrankung pro 100.000 Einwohner und Jahr.

Man unterscheidet primär zwei Hauptgruppen:

  • Kutane T-Zell-Lymphome (CTCL): Machen ca. 73 % der Fälle aus (häufigste Form: Mycosis fungoides).
  • Kutane B-Zell-Lymphome (CBCL): Machen ca. 22 % der Fälle aus.

Entscheidend ist die Abgrenzung primär kutaner Lymphome von Hautmanifestationen extrakutaner Lymphome oder Leukämien.

Diagnostik

Die Diagnostik erfordert eine Kombination aus klinischer, histologischer und apparativer Untersuchung.

UntersuchungBemerkung / Details
KlinikInspektion des gesamten Hautorgans, Palpation aller Lymphknotenstationen, Leber und Milz.
LaborDifferentialblutbild, LDH, Leberenzyme. Bei T-Zell-Lymphomen: FACS-Analyse (Sézary-Zellen). Bei B-Zell-Lymphomen: Immunelektrophorese, Borrelienserologie.
BiopsieObligat: Histologie, Immunhistochemie und molekularbiologische Klonalitätsanalyse (PCR nach BIOMED-2) aus läsionaler Haut.
BildgebungAbdomen-/Lymphknotensonographie, Röntgen-Thorax (frühe Stadien). Ganzkörper-CT oder PET-CT (ab Stadium IIB oder bei aggressiven Formen).

Staging und Klassifikation

Die Stadieneinteilung der Mycosis fungoides (MF) und des Sézary-Syndroms erfolgt nach der revidierten ISCL/EORTC TNMB-Klassifikation.

T-Kategorie (Haut)Definition
T1Makulae, Papulae, Plaques auf ≤ 10 % der Körperoberfläche
T2Makulae, Papulae, Plaques auf ≥ 10 % der Körperoberfläche
T3Ein oder mehrere Tumore (≥ 1 cm)
T4Erythrodermie (≥ 80 % Körperoberfläche)

Therapie der Mycosis fungoides (MF)

Die Therapie der MF erfolgt stadiengerecht. In frühen Stadien steht die lokale Therapie im Vordergrund, in fortgeschrittenen Stadien kommen systemische Ansätze hinzu.

StadiumTherapie der ersten WahlTherapie der zweiten Wahl
IALokale Steroide (Klasse III-IV), PUVA, UVB-311nm, lokale RadiotherapieTopisches BCNU, Bexarotengel, Chlormethin-Gel
IB - IIAPUVA, UVB-311nm, PUVA + Bexaroten / IFN-αNiedrig dosiertes MTX, Ganzhaut-Elektronenbestrahlung (12 Gy), Mogamulizumab
IIBPUVA ± IFN-α / Bexaroten, Radiotherapie für TumorenGemcitabin, Doxorubicin, Brentuximab Vedotin, Pralatrexat
III (Erythrodermie)PUVA/UVB-311nm ± IFN-α / Bexaroten, PhotophereseAlemtuzumab, Chlorambucil/Steroid
IVPUVA ± IFN-α / Bexaroten, Radiotherapie für TumorenPolychemotherapie (CHOP), Alemtuzumab, Cladribin

Therapie der kutanen B-Zell-Lymphome (CBCL)

Die Therapie richtet sich nach der Malignität und Ausbreitung. Niedrig maligne CBCL (Follikelzentrums- und Marginalzonenlymphom) haben eine exzellente Prognose.

Entität / AusdehnungTherapie der ersten WahlTherapie der zweiten Wahl
Niedrig maligne (solitär)Watch & wait, Exzision, RadiotherapieIntraläsionales Rituximab oder Steroid
Niedrig maligne (multipel)Radiotherapie, i.v. RituximabBendamustin, Doxorubicin, Gemcitabin
Diffus großzellig (leg type)Radiotherapie und/oder R-CHOPBendamustin, Doxorubicin, Gemcitabin

Supportivtherapie und Pruritus

Juckreiz ist ein quälendes Symptom, das die Lebensqualität massiv einschränkt. Herkömmliche Antihistaminika sind oft wirkungslos. Die Leitlinie empfiehlt (teils im Off-Label-Use):

  • Gabapentin: 300 - 2400 mg/d bei CTCL
  • Mirtazapin: 7,5 - 30 mg zur Nacht bei CTCL
  • Naltrexon: 50 - 150 mg/d bei CBCL, MF, Sézary-Syndrom
  • Aprepitant: 80 mg/d bei Sézary-Syndrom

Zusätzlich ist eine konsequente juckreizlindernde Basistherapie (hydrophile Cremes für befallene Haut, lipophile für trockene Haut) essenziell.

💡Praxis-Tipp

Bei Verdacht auf ein kutanes Lymphom ist eine tiefe und repräsentative Hautbiopsie essenziell. Fordern Sie beim Pathologen explizit eine Immunhistochemie und molekularbiologische Klonalitätsanalyse an. Denken Sie bei quälendem Pruritus an off-label Optionen wie Gabapentin oder Mirtazapin, da herkömmliche Antihistaminika oft versagen.

Häufig gestellte Fragen

Die Inzidenz in Deutschland liegt bei etwa 1 Neuerkrankung pro 100.000 Einwohner pro Jahr.
Kutane T-Zell-Lymphome (CTCL) machen 73 % der Fälle aus, wobei die Mycosis fungoides die häufigste Entität darstellt.
In frühen Stadien (IA-IIA) wird primär lokal behandelt. Systemtherapien (z. B. Bexaroten, Interferon-alpha) kommen meist ab Stadium IIB oder bei refraktären Verläufen zum Einsatz.
Die PET-CT ist herkömmlichen Verfahren oft überlegen, wird aber routinemäßig von den Krankenkassen nicht übernommen. Sie kann im fortgeschrittenen Stadium (ab IIB) oder bei aggressiven Formen erwogen werden.

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