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Onkopedia/DGHOOnkologie

Onkopedia Leitlinie: MALT-Lymphom (Extranodales MZL)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia/DGHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • MALT-Lymphome machen 7-8 % aller Non-Hodgkin-Lymphome aus, der Magen ist die häufigste Primärlokalisation.
  • Chronische Infektionen (z. B. Helicobacter pylori) und Autoimmunerkrankungen sind die wichtigsten Risikofaktoren.
  • Beim Magen-MALT-Lymphom ist die H. pylori-Eradikation die primäre Therapie der Wahl, auch bei negativem Keimnachweis.
  • Eine 18F-FDG-PET/CT wird für das initiale Staging aufgrund der niedrigen FDG-Avidität nicht routinemäßig empfohlen.
  • Die Strahlentherapie ist in den lokalisierten Stadien I und II potenziell kurativ.
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Hintergrund

Das extranodale Marginalzonen-Lymphom des Mukosa-assoziierten lymphatischen Gewebes (MALT-Lymphom) gehört zu den reifzelligen indolenten Non-Hodgkin-Lymphomen. Es macht etwa 7 % bis 8 % aller neu diagnostizierten Lymphome aus. Der Magen ist mit 30 % bis 35 % die häufigste Primärlokalisation, gefolgt von Augenanhangsgebilden, Haut, Lunge und Intestinaltrakt.

Risikofaktoren

Die Entstehung wird maßgeblich durch chronische Infektionen und Autoimmunerkrankungen getriggert:

RisikofaktorSpezifischer AuslöserAssoziierte Lokalisation
Chronische InfektionenHelicobacter pyloriMagen
Campylobacter jejuniDünndarm (IPSID)
Chlamydophila psittaciAugenanhangsgebilde
AutoimmunerkrankungenSjögren-SyndromSpeicheldrüsen (Parotis)
Hashimoto-ThyreoiditisSchilddrüse

Diagnostik und Staging

Die Diagnose erfordert ausreichend Biopsiematerial und muss durch einen erfahrenen Hämatopathologen bestätigt werden. Typisch ist ein Infiltrat aus kleinen Zellen (CD79+, CD20+, CD23-, CD10-, Cyclin D1-).

Wichtig: Eine 18F-FDG-PET/CT wird aufgrund der niedrigen FDG-Avidität für die klinische Routine nicht empfohlen.

UntersuchungAnmerkung
LaborBlutbild, LDH, β2-Mikroglobulin, Serologie (HIV, HCV, HBV, H. pylori)
BildgebungCT (Hals)/Thorax/Abdomen/Becken mit Kontrastmittel
EndoskopieGastroduodenoskopie und Koloskopie mit multiplen Stufenbiopsien
KnochenmarkNicht routinemäßig empfohlen

Therapiegrundsätze

Aufgrund des indolenten Verlaufs ist bei asymptomatischen Patienten oft eine Watch-and-Wait-Strategie möglich. Bei Behandlungsbedarf stehen Lokaltherapien (Strahlentherapie, Operation) oder systemische Therapien (Chemotherapie, Rituximab, Zanubrutinib) zur Verfügung. Aggressive, Anthrazyklin-haltige Schemata werden in der Erstlinie nicht empfohlen.

Subtypenbezogene Therapie

Magen-MALT-Lymphom

Das Magen-MALT-Lymphom wird primär nach dem Lugano-Staging eingeteilt. Die Therapie richtet sich nach dem Stadium:

Stadium (Lugano)Primäre TherapieBemerkung
Stadium I/IIH. pylori-EradikationTherapie der Wahl, auch bei H. pylori-negativen Patienten!
Stadium I/II (Eradikation versagt)Strahlentherapie (24-30 Gy)Exzellente lokale Kontrolle, Remissionsraten >95 %
Stadium IVH. pylori-Eradikation, dann systemische TherapieSystemische Therapie nur bei Symptomatik oder Progress

Die Erfolgskontrolle der Eradikation erfolgt nach 4 bis 6 Wochen. Bei negativem Keimnachweis wird das Lymphomansprechen nach 3 Monaten endoskopisch kontrolliert. Die Chirurgie ist beim Magen-MALT nur in Ausnahmefällen (Perforation, Blutung) indiziert.

Augenanhangsgebilde

StadiumTherapieoptionenBemerkung
Stadium I/IIStrahlentherapie oder AntibiotikaDoxycyclin/Clarithromycin auch ohne C. psittaci-Nachweis wirksam
Stadium III/IVSystemische TherapieAnalog zu anderen MALT-Lymphomen

Lunge und Intestinaltrakt

  • Lunge: Oft asymptomatisch. Operation bei kleinen Herden diagnostisch und therapeutisch. Alternativ Strahlentherapie oder Watch-and-Wait.
  • Intestinaltrakt: Bei lokalisierten Befunden (Ileozökalregion, Dünndarm, Rektum) ist die Operation oder Strahlentherapie kurativ.

Haut

  • Solitäre Läsionen (T1a): Operation oder Strahlentherapie sind kurativ (Remission >95 %).
  • Multiple Läsionen: Watch-and-Wait, lokale Strahlentherapie oder systemische Therapie (z. B. Chlorambucil, Rituximab).

💡Praxis-Tipp

Führen Sie beim lokalisierten Magen-MALT-Lymphom immer eine Helicobacter-pylori-Eradikation durch – auch wenn der Keimnachweis negativ ausfällt, da bis zu 46 % der HP-negativen Patienten mit einer Remission ansprechen.

Häufig gestellte Fragen

Aufgrund der niedrigen FDG-Avidität wird die 18F-FDG-PET/CT im Rahmen des initialen Stagings für die klinische Routine nicht empfohlen.
Die primäre Therapie der Wahl ist die Helicobacter-pylori-Eradikation, unabhängig davon, ob der Keimnachweis positiv oder negativ ist.
Der Erfolg der Eradikation sollte ca. 4 bis 6 Wochen nach Beginn der Behandlung endoskopisch und histologisch geprüft werden.
Aufgrund der multifokalen Ausbreitung ist die Chirurgie nur noch in Ausnahmefällen (z. B. Perforation, nicht beherrschbare Blutung) indiziert.
Doxycyclin oder Clarithromycin sind etablierte Erstlinienoptionen, unabhängig vom Nachweis einer Chlamydophila psittaci-Infektion.

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