Endometriose: Diagnostik und Therapie (AWMF-Leitlinie)
📋Auf einen Blick
- •Die Therapie der Endometriose erfordert ein multimodales Konzept aus hormonellen, operativen, schmerztherapeutischen und psychosomatischen Ansätzen.
- •Zur klinischen und intraoperativen Klassifikation werden Systeme wie die #Enzian-Klassifikation, der rASRM-Score und der Endometriosis Fertility Index herangezogen.
- •Bei Endometriose und Kinderwunsch können primäre Kinderwunschbehandlungen oder fertilitätsprotektive Maßnahmen (Eizell-/Ovar-Kryokonservierung) angeboten werden.
Hintergrund
Endometriose ist eine der häufigsten Erkrankungen der Frau im reproduktiven Alter. Sie führt neben individuellen Einschränkungen und Belastungen oft zu Arbeitszeitreduzierungen oder zyklisch wiederkehrenden Krankmeldungen. Die S2k-Leitlinie (Stand März 2025) zielt darauf ab, eine strukturierte und standardisierte Diagnostik und Therapie zu ermöglichen.
Versorgungsbereiche
Die Leitlinie deckt ein breites Spektrum der Patientinnenversorgung ab:
| Versorgungsbereich | Bemerkung |
|---|---|
| Sektoren | Stationär, teilstationär und ambulant |
| Klinische Phasen | Prävention, Früherkennung, Diagnostik, Therapie |
| Nachsorge | Rehabilitation und Reha-Nachsorge |
| Spezialisierung | Primär ärztliche, spezialisierte Versorgung |
Klassifikation der Endometriose
Die Leitlinie unterteilt die Klassifikation in klinische/intraoperative und histologische Systeme. Folgende klinische Klassifikationssysteme werden angewendet:
| Klassifikationssystem | Typ |
|---|---|
| #Enzian-Klassifikation | Klinisch/intraoperativ |
| rASRM-Score | Klinisch/intraoperativ |
| AAGL-Klassifikation | Klinisch/intraoperativ |
| Endometriosis Fertility Index | Klinisch/intraoperativ |
Diagnostik und Therapie
Die Therapie der Endometriose wird als chronische, hormonabhängige Erkrankung verstanden und erfordert ein multimodales und langfristiges Konzept.
Grundprinzipien der Therapie
Die multimodale Therapie umfasst folgende Säulen:
- Hormonelle Therapie
- Schmerztherapie
- Operative Therapie
- Psychosomatische Therapie
- Komplementäre und weitere Therapiemöglichkeiten
Lokalisationen
Die Diagnostik und Therapie richtet sich nach der spezifischen Lokalisation (gemäß ICD-10):
- Uterus (N80.0)
- Ovar und Tube (N80.1, N80.2)
- Beckenperitoneum (N80.3)
- Septum rectovaginale und Vagina (N80.4)
- Darm (N80.5)
- Hautnarbe (N80.6)
- Harnblase und Ureter (N80.8)
- Seltene extragenitale/extraabdominelle Lokalisationen
Spezielle Situationen und Kinderwunsch
Die Leitlinie adressiert besondere Lebenssituationen wie Adoleszenz, Schwangerschaft, Geburt und Malignität.
Für Patientinnen mit Kinderwunsch gibt es eine spezifische konsensbasierte Empfehlung (7.E63):
- Kann-Empfehlung: Bei Frauen mit Endometriose und Kinderwunsch kann unter Berücksichtigung der Nutzen-Risiko-Situation eine primäre Kinderwunschbehandlung oder fertilitätsprotektive Maßnahme im Sinne einer Eizell-Kryokonservierung oder Ovar-Kryokonservierung angeboten werden.
Versorgungsstrukturen
Gemäß einem Addendum der OEGGG/SGGG kann die symptomorientierte Diagnostik (z. B. diagnostische operative Laparoskopie) neben zertifizierten Endometriose-Sprechstunden und -Einheiten auch von Fachärztinnen und -ärzten für Gynäkologie und Geburtshilfe mit Schwerpunkt operative Gynäkologie durchgeführt werden.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie zur Anamneseerhebung und Verlaufskontrolle validierte Praxiswerkzeuge wie den Basisfragebogen Endometriose der AGEM oder den Kurzschmerzfragebogen (BPI).