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Radioiodtherapie benigner Schilddrüsenerkrankungen (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Radioiodtherapie (RIT) erfolgt zwingend stationär als Einzeittherapie zur Behandlung von Autonomien, Morbus Basedow und Strumen.
  • Thyreostatika (Thiamazol/Carbimazol) müssen 2-3 Tage vor der RIT abgesetzt und 3-5 Tage danach wieder angesetzt werden.
  • Vor der Therapie ist eine strikte Iodkarenz (z.B. 8-12 Wochen nach iodhaltigem Kontrastmittel) erforderlich.
  • Bei Morbus Basedow wird standardmäßig ein ablatives Dosiskonzept mit einer Zieldosis von ca. 300 Gy angestrebt.
  • Bei vorbestehender endokriner Orbitopathie oder Vorliegen von Risikofaktoren (z.B. Nikotinkonsum) ist eine begleitende Glukokortikoid-Therapie indiziert.
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Hintergrund

Die Radioiodtherapie (RIT) ist die systemische Applikation des Beta- und Gammastrahlers I-131 als Natriumiodid. Ziel ist das Erreichen hoher intrathyreoidaler Strahlendosen zur Beseitigung einer Hyperthyreose oder Autonomie, zur Volumenreduktion einer Struma oder zur Antigen-Reduktion bei Morbus Basedow. Die Therapie muss aus Strahlenschutzgründen zwingend stationär als Einzeittherapie erfolgen.

Indikationen und Therapiewahl

Die Entscheidung zwischen konservativer, operativer und nuklearmedizinischer Therapie erfordert eine individuelle Abwägung. Schwangerschaft und Stillzeit gelten als absolute Kontraindikationen für die RIT.

TherapieoptionBevorzugte Indikation / Kriterien
ThyreostatikaM. Basedow mit geringem Rezidivrisiko (weiblich, >40 J., Volumen <40 ml, TRAK <10 IU/l nach 6 Monaten)
OperationMalignomverdacht, Kompressionssymptome (Trachea <5-6 mm), große Zysten, floride Orbitopathie, zeitnaher Kinderwunsch
RadioiodtherapieM. Basedow mit hohem Rezidivrisiko, Autonomie (TSH ≤0,4 mU/l), erhöhtes OP-Risiko, Voroperation am Hals, Ablehnung einer OP

Vorbereitung auf die Radioiodtherapie

Eine sorgfältige Vorbereitung ist entscheidend für den Therapieerfolg und die korrekte Dosimetrie:

  • Thyreostatische Therapie: Bei manifester Hyperthyreose Rekompensation mit Thiamazol/Carbimazol. Vorübergehendes Absetzen 2-3 Tage vor der RIT und erneuter Beginn 3-5 Tage nach I-131-Gabe.
  • Iodkarenz: Vermeidung von Iod-Exzess. Nach iodhaltigem Kontrastmittel müssen 8 bis 12 Wochen (mindestens 2 Monate) abgewartet werden. Nach Amiodaron-Gabe ≥12 Monate. Eine iodarme Diät wird für 2 Wochen vor dem Radioiodtest empfohlen.
  • Schwangerschaftsausschluss: Beta-hCG-Test bei gebärfähigen Frauen zwingend erforderlich.
  • Radioiodtest: Individuelle Messung der Retention (Uptake, effektive Halbwertszeit) zur Dosiskalkulation ist gesetzlich vorgeschrieben.

Dosiskonzepte

Die Leitlinie empfiehlt krankheitsspezifische Zieldosen (Herddosen), die individuell berechnet werden. Standardaktivitäten sind abzulehnen.

IndikationZieldosis (Entscheidungskorridor)Bemerkung
Uni-/Multifokale Autonomie300 - 400 GyAuf das szintigraphisch abgrenzbare autonome Knotenvolumen
Disseminierte Autonomieca. 120 Gy (100 - 150 Gy)Bis 200 Gy bei raschem Therapiebedarf möglich
M. Basedow (ablativ)ca. 300 Gy (250 - 350 Gy)Führt zur Hypothyreose; lebenslange Levothyroxin-Substitution nötig
Strumaverkleinerungca. 120 Gy (100 - 150 Gy)Bis 200 Gy bei Rezidivstruma nach Voroperation

Begleittherapie bei Morbus Basedow (Endokrine Orbitopathie)

Die RIT kann eine endokrine Orbitopathie (EO) verschlechtern oder demaskieren. Der stärkste Risikofaktor hierfür ist der Nikotinkonsum.

Klinischer StatusEmpfehlung zur Glukokortikoid-Gabe
Keine EO, keine RisikofaktorenKeine Prophylaxe angeraten
Keine EO, aber Risikofaktoren*Fakultativ (z.B. halbe Dosis jeden 2. Tag für 4-6 Wochen)
Vorbestehende inaktive/milde EO0,4 - 0,5 mg Prednison/kg KG/d für 4-6 Wochen (Beginn mit I-131-Gabe)
Floride EOHöhere Dosis / Stoßtherapie (z.B. 1,0 - 1,5 mg/kg KG/d oral oder i.v.)

Risikofaktoren: Nikotinkonsum, hohe TRAK, hohe fT3-Werte, fehlende Rekompensation.

Ergebnisse und Nachsorge

Der Wirkungseintritt der RIT ist meist nach zwei bis drei Monaten zu erwarten.

  • Erfolgsraten: Autonomiebeseitigung in ca. 90%. Beseitigung der Hyperthyreose bei M. Basedow (ablatives Konzept) in >95%.
  • Volumenreduktion: Bei Struma nodosa ca. 30-50%, bei M. Basedow oder fokaler Autonomie Reduktion auf 10-20% des Ausgangsvolumens.
  • Nachsorge: Erste Erfolgskontrolle nach 3 bis 6 Monaten. Eine Hypothyreose tritt beim ablativen Konzept regelhaft auf (>95%) und erfordert eine frühzeitige, lebenslange Substitution mit Levothyroxin. Auch bei Autonomien werden Hypothyreoseraten von 10-70% im Langzeitverlauf beobachtet.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie auf eine strikte Iodkarenz: Nach CT-Untersuchungen mit iodhaltigem Kontrastmittel muss die Radioiodtherapie um mindestens 2 Monate (besser 8-12 Wochen) verschoben werden. Vergessen Sie nicht, Thiamazol 2-3 Tage vor der Therapie zu pausieren.

Häufig gestellte Fragen

Thiamazol oder Carbimazol sollten 2 bis 3 Tage vor der Radioiodtherapie vorübergehend abgesetzt und 3 bis 5 Tage nach der I-131-Gabe wieder angesetzt werden.
Es muss ein Zeitintervall von mindestens vier Monaten bis zum Eintritt einer Schwangerschaft gewährleistet sein. Diese Karenzzeit gilt sowohl für Patientinnen als auch für männliche Patienten.
Nein. Das Stillen sollte bereits 3 Monate vor der Radioiodtherapie beendet werden, um die Strahlenexposition der Mammae zu verringern.
Beim empfohlenen ablativen Konzept zur Beseitigung der Hyperthyreose liegt die Zieldosis bei etwa 300 Gy (Entscheidungskorridor 250 - 350 Gy).
Nein. Es gibt keine valide Datenbasis dafür, dass die Radioiodtherapie wegen benigner Schilddrüsenerkrankungen mit einem statistisch gesteigerten Risiko für ein Malignom einhergeht.

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