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Fetale Wachstumsrestriktion (FGR): S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Leitlinie unterscheidet zwischen früher (< 32+0 SSW) und später (≥ 32+0 SSW) fetaler Wachstumsrestriktion anhand spezifischer Biometrie- und Doppler-Kriterien.
  • Ein Oligohydramnion gilt nicht mehr als Diagnosekriterium für eine FGR.
  • Die Dopplersonographie (A. umbilicalis, A. cerebri media, Ductus venosus) ist essenziell für die Differenzialdiagnose und Überwachung.
  • Zur CTG-Überwachung wird das Computer-CTG (Oxford-CTG) mit Analyse der Kurzzeitvariation (STV) empfohlen.
  • Bei pathologischem Ductus venosus (AEDF/REDF) oder kritischer STV soll die Entbindung in einem Perinatalzentrum erfolgen.
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Hintergrund

Die fetale Wachstumsrestriktion (FGR) betrifft 5-10 % aller Schwangerschaften und ist mit einer hohen perinatalen Morbidität und Mortalität assoziiert. Es ist essenziell, zwischen konstitutionell kleinen Feten (SGA - Small for Gestational Age), die ihr genetisches Potenzial ausschöpfen, und einer echten FGR, bei der das Wachstum aufgrund einer Pathologie eingeschränkt ist, zu unterscheiden.

Definition und Diagnosekriterien

Die Leitlinie unterscheidet zwischen früher und später FGR, da sich diese im klinischen Verlauf relevant unterscheiden. Ein Oligohydramnion gilt nicht mehr als Diagnosekriterium.

KlassifikationGestationsalterKriterien (ohne kongenitale Anomalien)
Frühe FGR< 32+0 SSWAU/Schätzgewicht < 3. Perzentile ODER UA-AEDF ODER (AU/Gewicht < 10. Perzentile UND UtA-PI > 95. Perzentile und/oder UA-PI > 95. Perzentile)
Späte FGR≥ 32+0 SSWAU/Schätzgewicht < 3. Perzentile ODER 2 von 3 Kriterien: 1. AU/Gewicht < 10. Perzentile, 2. Abfall > 2 Quartilen, 3. CPR < 5. Perzentile oder UA-PI > 95. Perzentile

Ätiologie und Risikofaktoren

Eine ausführliche Anamnese ist zur Identifikation von Risikoschwangerschaften obligatorisch.

KategorieHäufige Risikofaktoren
MaternalBluthochdruck, Nikotin-/Drogenabusus, Alter ≥ 35 Jahre, Z.n. SGA/FGR oder IUFT
PlazentarPlazentainfarkte, Insertio velamentosa, Plazentationsstörungen
FetalChromosomenstörungen, syndromale Erkrankungen, Infektionen (z.B. CMV), Mehrlinge

Diagnostik

  • Datierung: Das Gestationsalter soll im 1. Trimenon per Scheitel-Steiß-Länge (SSL) überprüft und bei >7 Tagen Diskrepanz korrigiert werden.
  • Fetometrie: Bei Schätzgewicht/Abdomenumfang < 10. Perzentile soll eine weitere Abklärung erfolgen.
  • Fruchtwasser: Die Beurteilung sollte nach der SDP-Methode (Single Deepest Pocket) erfolgen.
  • Feindiagnostik & Genetik: Bei früher/schwerer FGR (< 3. Perzentile) sollte eine Feindiagnostik und ggf. eine genetische/infektiologische Abklärung erfolgen.

Überwachung und Management

Die Überwachung erfordert eine Kombination verschiedener Methoden. Eine alleinige CTG-Überwachung ist unzureichend.

MethodeIntervall / IndikationBemerkung
FetometrieAlle 2-3 WochenKürzere Intervalle sind aufgrund der Fehlertoleranz der Messungen nicht sinnvoll.
Doppler A. umbilicalis (UA)2-wöchentlich (bei Normalbefund)Bei PI > 95. Perzentile mindestens wöchentlich. Bei ARED-Flow stationäre Aufnahme.
Doppler A. cerebri media (ACM)Zusätzlich zur UAWichtig bei später FGR zur Erkennung eines Brain-Sparing-Effekts.
Doppler Ductus venosus (DV)Bei früher FGRBester Prädiktor für eine fetale Azidämie und das Überleben.
Computer-CTG (Oxford)Regelmäßig bei FGRDie Analyse der Kurzzeitvariation (STV) ist dem Standard-CTG überlegen.

Therapie und Entbindungszeitpunkt

Die Entbindung soll in einem Perinatalzentrum erfolgen. Die Risiken der Frühgeburt müssen stets gegen den intrauterinen Verbleib abgewogen werden.

  • Antenatale Kortikosteroide: Sollten zwischen 24+0 und 34+0 SSW gegeben werden, wenn die Geburt binnen 7 Tagen zu erwarten ist.
  • Magnesiumsulfat: Kann zur Neuroprotektion bei erwarteter Frühgeburt < 32+0 SSW gegeben werden.

Indikationen zur Entbindung:

  • Rezidivierende, therapieresistente Dezelerationen im CTG.
  • STV < 2,6 ms (26+0 bis 28+6 SSW) oder STV < 3,0 ms (29+0 bis 31+6 SSW).
  • Wiederholt fehlende a-Welle (AEDF) oder Reverse-Flow (REDF) im Ductus venosus.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie zur Fruchtwasserbeurteilung die SDP-Methode (Single Deepest Pocket) statt des AFI, um unnötige Geburtseinleitungen zu vermeiden. Datieren Sie das Gestationsalter im 1. Trimenon streng nach Scheitel-Steiß-Länge und korrigieren Sie den Termin bei >7 Tagen Abweichung.

Häufig gestellte Fragen

Bei einem Gestationsalter < 32+0 SSW, wenn das Schätzgewicht oder der Abdomenumfang < 3. Perzentile liegt oder spezifische Doppler-Auffälligkeiten (z.B. UA-AEDF) vorliegen.
Die Intervalle für die sonographische Gewichtsbestimmung sollten mindestens zwei, besser drei Wochen betragen, um methodische Messfehler zu minimieren.
Es ermöglicht die objektive Analyse der Kurzzeitvariation (STV). Eine STV < 2,6 ms (26-28 SSW) oder < 3,0 ms (29-31 SSW) ist ein Kriterium zur Entbindung.
Magnesiumsulfat kann zur Neuroprotektion verabreicht werden, wenn eine Frühgeburt vor 32+0 SSW innerhalb der nächsten Stunden zu erwarten ist.

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