Fetale Überwachung (Low-Risk): Leitlinie (AWMF/DGGG)
📋Auf einen Blick
- •Im Low-Risk-Kollektiv soll antepartual weder routinemäßig ein CTG geschrieben noch eine Dopplersonografie durchgeführt werden.
- •Ein Wehenbelastungstest (Stresstest) wird aufgrund hoher Falsch-positiv-Raten nicht mehr empfohlen.
- •Die CTG-Registrierdauer sollte 20-30 Minuten in Seiten-, Halbsitz- oder aufrechter Position betragen.
- •Die Dopplersonografie ist streng indikationsbezogen unter Beachtung des ALARA-Prinzips anzuwenden.
- •Das routinemäßige Zählen von Kindsbewegungen durch die Schwangere wird nicht empfohlen.
Hintergrund
Die S3-Leitlinie "Fetale Überwachung in der Schwangerschaft" definiert den evidenzbasierten Einsatz von Ultraschall, CTG und klinischen Methoden. Ein zentraler Fokus liegt auf der Vermeidung von Überdiagnostik und unnötigen Interventionen bei unkomplizierten Schwangerschaften. Als Low-Risk-Schwangerschaften gelten Verläufe ohne identifizierte erhöhte Risiken für Mutter und/oder das Ungeborene.
Dopplersonografie
Für die Dopplersonografie in der Schwangerschaft gilt als Empfehlungsgrad A: Im Low-Risk-Kollektiv sollte keine antepartuale Dopplersonografie im Rahmen der Überwachung durchgeführt werden.
Bestehen jedoch Risikofaktoren, ergeben sich klare Indikationen:
| Indikationsgruppe | Spezifische Indikationen |
|---|---|
| Mutterschafts-Richtlinien | V.a. fetale Wachstumsrestriktion (FGR), Präeklampsie, Z.n. IUFD, auffälliges CTG, Mehrlinge mit diskordantem Wachstum |
| DEGUM (Zusätzlich) | Maternale Gefäßerkrankungen, V.a. fetale Anämie/Infektion, Hydrops fetalis, Plazentationsstörungen, Überwachung monochorialer Mehrlinge |
Gefäßauswahl und pathologische Befunde
Die Auswahl der zu untersuchenden Gefäße richtet sich nach der klinischen Indikation:
| Gefäß | Pathologischer Befund | Klinische Bedeutung |
|---|---|---|
| A. umbilicalis | PI > 95. Perzentile, Zero- oder Reverse-Flow (ARED) | Erhöhter fetoplazentarer Widerstand |
| A. cerebri media | PI < 5. Perzentile | Blutumverteilung zum Gehirn (Brain-Sparing-Effekt bei Hypoxämie) |
| Ductus venosus | PI > 95. Perzentile, A-Welle Null-/Reverse-Flow | Rechtsherzbelastung, wichtig für Timing der Entbindung |
| A. uterina | PI > 95. Perzentile, Notching ab 24+0 SSW | Gestörte Trophoblasteninvasion (Risiko für Präeklampsie/FGR) |
Patientensicherheit
Dopplerverfahren weisen eine höhere Ultraschallenergieabgabe auf als reine B-Bild-Techniken. Es gilt das ALARA-Prinzip (As Low As Reasonably Achievable). Der Thermische Index (TI) sollte < 1 und der Mechanische Index (MI) < 0,7 betragen. In der Embryonalperiode (Frühschwangerschaft) sollte die Dopplersonografie aus generalpräventiven Gründen nicht angewandt werden.
CTG-Überwachung
Auch für die Kardiotokografie (CTG) gilt eine starke Empfehlung: Im Low-Risk-Kollektiv sollte kein antepartuales CTG geschrieben werden. Es gibt keine Evidenz, dass dies die perinatale Mortalität oder Morbidität senkt.
Bei Vorliegen einer Indikation (z.B. drohende Frühgeburt, Herztonalterationen, Mehrlinge) gelten folgende methodische Standards:
| Parameter | Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Registrierdauer | 20-30 Minuten | Für das konventionelle CTG ausreichend |
| Körperhaltung | Seitenlage, halbsitzend oder aufrecht | Vermeidung eines Vena-cava-Kompressionssyndroms |
| Schreibgeschwindigkeit | Mindestens 1 cm/min | Vertikal 20 Schläge/cm empfohlen |
| Stresstest | Soll nicht durchgeführt werden | Hohe Falsch-positiv-Rate, Risiko für Bradykardien |
| Auswertung | FIGO-Score | Einheitliche Bewertung von Baseline, Oszillation und Dezelerationen |
Nicht-apparative Methoden
Nicht-technologische Methoden können die apparative Diagnostik ergänzen, unterliegen aber klaren Einschränkungen:
- Symphysen-Fundus-Abstand (SFA): Sollte bei jeder Vorsorge gemessen und dokumentiert werden, wenn kein Ultraschall zur Wachstumskontrolle erfolgt.
- Kindsbewegungen: Das routinemäßige Zählen von Kindsbewegungen (z.B. "Count-to-ten") wird nicht empfohlen, da es keinen nachgewiesenen Nutzen hat und Schwangere verunsichern kann.
- Auskultation: Die Auskultation der fetalen Herzaktion bestätigt die Vitalität, hat aber keinen prädiktiven Wert und sollte nicht routinemäßig zur Zustandsdiagnostik eingesetzt werden.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei unkomplizierten Low-Risk-Schwangerschaften auf routinemäßige CTGs und Doppler-Untersuchungen. Achten Sie bei indizierten CTGs zwingend auf die korrekte Lagerung (Seitenlage, halbsitzend oder aufrecht), um fetale Hypoxien durch ein Vena-cava-Kompressionssyndrom zu vermeiden.