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Fetale Überwachung (Low-Risk): Leitlinie (AWMF/DGGG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Im Low-Risk-Kollektiv soll antepartual weder routinemäßig ein CTG geschrieben noch eine Dopplersonografie durchgeführt werden.
  • Ein Wehenbelastungstest (Stresstest) wird aufgrund hoher Falsch-positiv-Raten nicht mehr empfohlen.
  • Die CTG-Registrierdauer sollte 20-30 Minuten in Seiten-, Halbsitz- oder aufrechter Position betragen.
  • Die Dopplersonografie ist streng indikationsbezogen unter Beachtung des ALARA-Prinzips anzuwenden.
  • Das routinemäßige Zählen von Kindsbewegungen durch die Schwangere wird nicht empfohlen.
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Hintergrund

Die S3-Leitlinie "Fetale Überwachung in der Schwangerschaft" definiert den evidenzbasierten Einsatz von Ultraschall, CTG und klinischen Methoden. Ein zentraler Fokus liegt auf der Vermeidung von Überdiagnostik und unnötigen Interventionen bei unkomplizierten Schwangerschaften. Als Low-Risk-Schwangerschaften gelten Verläufe ohne identifizierte erhöhte Risiken für Mutter und/oder das Ungeborene.

Dopplersonografie

Für die Dopplersonografie in der Schwangerschaft gilt als Empfehlungsgrad A: Im Low-Risk-Kollektiv sollte keine antepartuale Dopplersonografie im Rahmen der Überwachung durchgeführt werden.

Bestehen jedoch Risikofaktoren, ergeben sich klare Indikationen:

IndikationsgruppeSpezifische Indikationen
Mutterschafts-RichtlinienV.a. fetale Wachstumsrestriktion (FGR), Präeklampsie, Z.n. IUFD, auffälliges CTG, Mehrlinge mit diskordantem Wachstum
DEGUM (Zusätzlich)Maternale Gefäßerkrankungen, V.a. fetale Anämie/Infektion, Hydrops fetalis, Plazentationsstörungen, Überwachung monochorialer Mehrlinge

Gefäßauswahl und pathologische Befunde

Die Auswahl der zu untersuchenden Gefäße richtet sich nach der klinischen Indikation:

GefäßPathologischer BefundKlinische Bedeutung
A. umbilicalisPI > 95. Perzentile, Zero- oder Reverse-Flow (ARED)Erhöhter fetoplazentarer Widerstand
A. cerebri mediaPI < 5. PerzentileBlutumverteilung zum Gehirn (Brain-Sparing-Effekt bei Hypoxämie)
Ductus venosusPI > 95. Perzentile, A-Welle Null-/Reverse-FlowRechtsherzbelastung, wichtig für Timing der Entbindung
A. uterinaPI > 95. Perzentile, Notching ab 24+0 SSWGestörte Trophoblasteninvasion (Risiko für Präeklampsie/FGR)

Patientensicherheit

Dopplerverfahren weisen eine höhere Ultraschallenergieabgabe auf als reine B-Bild-Techniken. Es gilt das ALARA-Prinzip (As Low As Reasonably Achievable). Der Thermische Index (TI) sollte < 1 und der Mechanische Index (MI) < 0,7 betragen. In der Embryonalperiode (Frühschwangerschaft) sollte die Dopplersonografie aus generalpräventiven Gründen nicht angewandt werden.

CTG-Überwachung

Auch für die Kardiotokografie (CTG) gilt eine starke Empfehlung: Im Low-Risk-Kollektiv sollte kein antepartuales CTG geschrieben werden. Es gibt keine Evidenz, dass dies die perinatale Mortalität oder Morbidität senkt.

Bei Vorliegen einer Indikation (z.B. drohende Frühgeburt, Herztonalterationen, Mehrlinge) gelten folgende methodische Standards:

ParameterEmpfehlungBemerkung
Registrierdauer20-30 MinutenFür das konventionelle CTG ausreichend
KörperhaltungSeitenlage, halbsitzend oder aufrechtVermeidung eines Vena-cava-Kompressionssyndroms
SchreibgeschwindigkeitMindestens 1 cm/minVertikal 20 Schläge/cm empfohlen
StresstestSoll nicht durchgeführt werdenHohe Falsch-positiv-Rate, Risiko für Bradykardien
AuswertungFIGO-ScoreEinheitliche Bewertung von Baseline, Oszillation und Dezelerationen

Nicht-apparative Methoden

Nicht-technologische Methoden können die apparative Diagnostik ergänzen, unterliegen aber klaren Einschränkungen:

  • Symphysen-Fundus-Abstand (SFA): Sollte bei jeder Vorsorge gemessen und dokumentiert werden, wenn kein Ultraschall zur Wachstumskontrolle erfolgt.
  • Kindsbewegungen: Das routinemäßige Zählen von Kindsbewegungen (z.B. "Count-to-ten") wird nicht empfohlen, da es keinen nachgewiesenen Nutzen hat und Schwangere verunsichern kann.
  • Auskultation: Die Auskultation der fetalen Herzaktion bestätigt die Vitalität, hat aber keinen prädiktiven Wert und sollte nicht routinemäßig zur Zustandsdiagnostik eingesetzt werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei unkomplizierten Low-Risk-Schwangerschaften auf routinemäßige CTGs und Doppler-Untersuchungen. Achten Sie bei indizierten CTGs zwingend auf die korrekte Lagerung (Seitenlage, halbsitzend oder aufrecht), um fetale Hypoxien durch ein Vena-cava-Kompressionssyndrom zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Nein. Laut Leitlinie soll im Low-Risk-Kollektiv kein antepartuales CTG geschrieben werden, da es keinen belegten Nutzen für das kindliche Outcome hat.
Als pathologisch gelten ein Pulsatilitätsindex (PI) über der 95. Perzentile sowie ein persistierendes Notching (postsystolische Inzisur) ab 24+0 SSW.
Nein, die Leitlinie rät explizit von Stresstests ab. Sie weisen eine hohe Falsch-positiv-Rate auf und erhöhen das Risiko für iatrogene Bradykardien.
Die empfohlene Registrierdauer für ein konventionelles CTG beträgt 20 bis 30 Minuten.
Nein, das routinemäßige Zählen von Kindsbewegungen wird nicht empfohlen, da Studien keine Reduktion der perinatalen Mortalität zeigen konnten.

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