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Ersttrimester-Diagnostik (11-13+6 SSW): Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Datierung der Schwangerschaft erfolgt primär über die Scheitel-Steiß-Länge (SSL), bei IVF über den Konzeptionszeitpunkt.
  • Das kombinierte Ersttrimester-Screening ist die Methode der ersten Wahl zur Aneuploidie-Risikoermittlung.
  • Bei einem Präeklampsie-Risiko >1:100 ist Aspirin 150 mg/Tag bis 36+0 SSW indiziert.
  • Schwere Fehlbildungen wie Akranie, Gastroschisis oder Megazystis sollen bereits im ersten Trimenon erkannt werden.
  • Ein frühes Screening auf Gestationsdiabetes (GDM) mittels 75g-oGTT wird bei Vorliegen von Risikofaktoren empfohlen.
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Hintergrund

Das Ersttrimester-Screening (ETS) zwischen 11+0 und 13+6 Schwangerschaftswochen (SSW) dient der frühen Identifikation von Risikofaktoren. Es umfasst die Suche nach Fehlbildungen, Chromosomenstörungen, Plazentationsstörungen (wie Präeklampsie) und Glukosestoffwechselstörungen.

Biometrie und Datierung

Für die Datierung des Schwangerschaftsalters soll immer die Scheitel-Steiß-Länge (SSL) verwendet werden (Empfehlungsgrad A). Eine Ausnahme bilden IVF-Schwangerschaften; hier wird der Konzeptionszeitpunkt herangezogen.

ParameterStatusMessgrößen
ObligatorischEmpfehlungsgrad BSSL, Nackentransparenz (NT), Biparietaler Diameter (BPD)
OptionalEmpfehlungsgrad BFetale Herzfrequenz (FHR), Kopfumfang (HC), Abdomenumfang (AC), Femurlänge (FL), Nasenbein (NB), Trikuspidalklappenfluss (TR), Ductus venosus Fluss (DV), Intracranielle Transparenz (IT), Aa. uterinae (UA), Cervixlänge (Cx)

Strukturierte Fehlbildungsdiagnostik

Die frühe Fehlbildungsdiagnostik sollte nach einem festgelegten Protokoll erfolgen (Empfehlungsgrad B). Folgende Fehlbildungen können und sollten in diesem Zeitfenster nahezu immer erkannt werden (Empfehlungsgrad A):

  • Akranius / Exencephalie / große Encephalocele
  • Alobäre Holoprosencephalie
  • Omphalozele
  • Gastroschisis
  • Body-Stalk-Anomalie / Ectopia cordis
  • Megazystis

Untersuchungsprotokoll der fetalen Anatomie

OrgansystemObligatorische EinstellungOptionale Einstellung
Schädel & GehirnKalotte, Falx cerebri, Plexus chorioideiIntracranielle Transparenz (IT), Hirnstamm
GesichtProfil, Augen, Kiefer, LippenNasenbein (NB)
NackenNackentransparenz (NT)
Herz & ThoraxLage, Kontur, Vierkammerblick, LungenAusflusstrakte (Farbe), Drei-Gefäß-Trachea-Blick, Trikuspidalklappenfluss
AbdomenMagen, Bauchwand, HarnblaseZwerchfell, Ductus venosus Fluss, NS-Arterien
ExtremitätenArme und BeineHände & Füße

Screening auf Chromosomenstörungen

Das kombinierte Ersttrimester-Screening (mütterliches Alter, Gestationsalter, NT, freies beta-hCG, PAPP-A) weist die höchste Testgüte in der Allgemeinbevölkerung auf und ist das Konzept der ersten Wahl (Empfehlungsgrad A).

  • Risikoberechnung: Darf erst nach Einschluss aller Risikomarker mitgeteilt werden (Empfehlungsgrad A).
  • Intermediäres Risiko (1:50 bis 1:1000): Hier sollte ein zweistufiger Ansatz mit cfDNA-Analyse (NIPT) oder zusätzlichen Ultraschallmarkern angeboten werden (Empfehlungsgrad B).
  • Auffällige NT: Bei einer NT von 3,0 mm, spätestens >3,5 mm, sollte eine invasive Diagnostik (inkl. molekulargenetischer Untersuchung wie MicroArray) angeboten werden (Empfehlungsgrad B).
  • Auffällige Biochemie: Bei PAPP-A und/oder freiem beta-hCG <0,2 MoM oder beta-hCG >5,0 MoM wird eine diagnostische Punktion empfohlen (Empfehlungsgrad B).

Präeklampsie und Frühgeburt

Jeder Schwangeren soll ein Screening für Präeklampsie (mittels FMF-Algorithmus) angeboten werden (Empfehlungsgrad A).

Risiko / IndikationTherapieZeitraum / Bemerkung
Präeklampsie-Risiko >1:100Aspirin 150 mg abendsAb sofort bis 36+0 SSW (Empfehlungsgrad A)
Z.n. Frühgeburt, Blutung, verkürzte CervixProgesteron (oral oder vaginal)Angebot im ersten Trimenon (Empfehlungsgrad A)

Gestationsdiabetes (GDM)

Ein frühes Screening auf GDM soll zwischen 11-13+6 SSW durchgeführt werden (Empfehlungsgrad A). Bei Vorliegen von Risikofaktoren soll ein 75g-oGTT erfolgen.

Messzeitpunkt (75g oGTT)Grenzwert im 1. Trimenon
Nüchtern95 mg/dl (5,3 mmol/l)
Nach 1 Stunde191 mg/dl (10,6 mmol/l)
Nach 2 Stunden162 mg/dl (9,0 mmol/l)

Wird einer dieser Grenzwerte überschritten, soll eine Beratung (Ernährung, Bewegung, Blutzuckerselbstkontrolle) und ggf. Insulintherapie erfolgen (Empfehlungsgrad A).

💡Praxis-Tipp

Bei einem intermediären Risiko (1:50 bis 1:1000) im kombinierten Ersttrimester-Screening ist die cfDNA-Analyse (NIPT) als zweiter Schritt ideal, um die Falsch-Positiv-Rate signifikant zu senken. Bestimmen Sie das Risiko immer erst nach Vorliegen aller Marker.

Häufig gestellte Fragen

Primär durch die Messung der Scheitel-Steiß-Länge (SSL). Bei IVF-Schwangerschaften wird jedoch der bekannte Konzeptionszeitpunkt verwendet.
Bei einer NT von 3,0 mm, spätestens jedoch bei >3,5 mm, sollte eine invasive Diagnostik inklusive molekulargenetischer Untersuchung angeboten werden.
Schwangere mit einem Risiko >1:100 (nach FMF-Algorithmus) sollen ab sofort jeden Abend 150 mg Aspirin bis 36+0 SSW einnehmen.
Dazu gehören Akranius/Exencephalie, alobäre Holoprosencephalie, Omphalozele, Gastroschisis, Body-Stalk-Anomalie und Megazystis.
Nüchtern 95 mg/dl, nach 1 Stunde 191 mg/dl und nach 2 Stunden 162 mg/dl.

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