ClariMedClariMed

Leitlinie Lungenfibrose (IPF & PPF): Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • IPF-Patienten sollen ab Diagnosestellung antifibrotisch mit Nintedanib oder Pirfenidon behandelt werden.
  • Bei der PPF ist Nintedanib das zugelassene Antifibrotikum der ersten Wahl; Pirfenidon kann off-label eingesetzt werden.
  • Eine antiinflammatorische Therapie ist bei PPF mit entzündlicher Komponente (insbesondere bei autoimmunen ILDs) indiziert.
  • Kombinationstherapien aus Nintedanib und Pirfenidon sollen außerhalb klinischer Studien nicht erfolgen.
  • Therapieentscheidungen, Diagnosestellung und Progressionsbeurteilung sollen zwingend interdisziplinär im ILD-Board getroffen werden.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) können entzündliche und fibrosierende Komponenten aufweisen. Die idiopathische Lungenfibrose (IPF) führt als Modellerkrankung zu einer irreversiblen, fortschreitenden Fibrose. Andere ILDs können im Verlauf einen progredient fibrosierenden Charakter entwickeln (Progrediente Pulmonale Fibrose, PPF).

Die Diagnosestellung und Therapieentscheidung muss zwingend in einer multidisziplinären Diskussion in einem ILD-Board (mindestens bestehend aus Pneumologe und Radiologe, ggf. Pathologe) erfolgen.

Kriterium für PPF-Progression (innerhalb 24 Monaten)
Relativer FVC-Abfall ≥ 10 %
Oder mind. 2 der folgenden Kriterien:
- Zunahme respiratorischer Symptome
- Relativer FVC-Abfall ≥ 5 %
- Zunahme der Fibrosezeichen im HRCT
- Absoluter DLco-Abfall ≥ 15 %
- Einleitung/Steigerung einer Langzeitsauerstofftherapie
- Stationäre Behandlung wegen ILD-Exazerbation
- Abnahme der 6-Minuten-Gehstrecke (≥ 50 m oder 20 %)

Therapie der Idiopathischen Lungenfibrose (IPF)

Die antifibrotische Therapie der IPF gilt als Standard of Care und soll ab dem Zeitpunkt der Diagnosestellung begonnen werden, auch bei noch normaler Lungenfunktion.

Wirkstoff / MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
NintedanibSoll gegeben werdenVerlangsamt FVC-Abfall, reduziert Exazerbationen
PirfenidonSoll gegeben werdenVerlangsamt FVC-Abfall, senkt Mortalität
AntazidaSoll nicht gegeben werdenKeine Evidenz für Lungenfibrose-Therapie
N-Acetylcystein (NAC)Soll nicht gegeben werdenKein Zusatznutzen, inhalativ teils schädlich
Bosentan / MacitentanSoll nicht gegeben werdenKeine Wirksamkeit belegt
SildenafilSollte nicht gegeben werdenKein signifikanter Benefit auf Progression

Therapie der Progredienten Pulmonalen Fibrose (PPF)

Die Therapie der PPF richtet sich nach der zugrundeliegenden Genese und der entzündlichen Aktivität.

Antiinflammatorische Therapie

  • Nicht-autoimmune PPF: Sollen antiinflammatorisch behandelt werden, wenn Hinweise auf eine entzündliche Komponente vorliegen (nach Expositionskarenz).
  • Autoimmune PPF (RA-ILD, Sjögren, Myositis, SSc): Sollen antiinflammatorisch behandelt werden. Die Auswahl der Therapie (z.B. Glukokortikoide, Mycophenolatmofetil, Cyclophosphamid, Rituximab) erfolgt im ILD-Board.

Antifibrotische Therapie

Wenn antiinflammatorische Therapien oder Expositionskarenz keine ausreichende Wirksamkeit zeigen, ist eine antifibrotische Therapie indiziert.

StufeTherapieBemerkung
1. WahlNintedanibSoll gegeben werden. Einziges zugelassenes Antifibrotikum für PPF.
2. Wahl (Off-label)PirfenidonSollte erwogen werden, wenn Nintedanib unzureichend wirksam oder unverträglich ist.

Therapiemanagement

  • Therapiedauer: Eine gut vertragene antifibrotische Therapie soll zeitlich unbegrenzt (ggf. bis zur Lungentransplantation) fortgeführt werden.
  • Therapieabbruch: Nur bei nicht beherrschbaren Nebenwirkungen (trotz Dosisreduktion/Pause). Ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium oder eine akute Exazerbation rechtfertigen keinen Abbruch.
  • Therapiewechsel: Soll bei nicht beherrschbaren Nebenwirkungen erfolgen. Bei unverminderter Progression unter Therapie kann ein Wechsel im Einzelfall (Entscheidung im ILD-Board) erwogen werden.
  • Kombinationstherapie: IPF- oder PPF-Patienten sollen nicht mit einer Kombination aus Nintedanib und Pirfenidon außerhalb klinischer Studien behandelt werden (erhöhte Toxizität, unklarer Nutzen).

Begleiterkrankungen

Patienten mit IPF/PPF und Hinweisen auf eine pulmonale Hypertonie (PH) sollen zur weiteren Abklärung und Therapieeinleitung in einem PH-Zentrum vorgestellt werden.

💡Praxis-Tipp

Stellen Sie jeden Patienten mit einer fibrosierenden Lungenerkrankung frühzeitig in einem interdisziplinären ILD-Board vor. Verzichten Sie bei IPF auf antazide Therapien oder N-Acetylcystein zur reinen Fibrosebehandlung, da hierfür keine Evidenz besteht.

Häufig gestellte Fragen

Die Therapie soll direkt ab dem Zeitpunkt der Diagnosestellung begonnen werden, auch wenn die Lungenfunktion noch im Normbereich liegt.
Zur antifibrotischen Therapie der IPF sind Nintedanib und Pirfenidon zugelassen. Beide werden gleichermaßen stark empfohlen.
Nein, eine Kombinationstherapie soll außerhalb kontrollierter klinischer Studien nicht erfolgen, da sie mit vermehrten Nebenwirkungen einhergeht und der Zusatznutzen unklar ist.
Nintedanib ist das einzige zugelassene Antifibrotikum für die PPF und wird stark empfohlen. Pirfenidon kann off-label eingesetzt werden, wenn Nintedanib unverträglich oder unzureichend wirksam ist.
Die Therapie sollte nur bei nicht beherrschbaren Nebenwirkungen beendet werden. Ansonsten soll sie zeitlich unbegrenzt fortgeführt werden, auch bei fortschreitender Erkrankung oder akuten Exazerbationen.

Verwandte Leitlinien