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Diagnostik der Idiopathischen Lungenfibrose (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose der IPF erfordert den Ausschluss bekannter ILD-Ursachen sowie ein typisches UIP-Muster im HRCT oder in der Histologie.
  • Ein multidisziplinäres Board (MDD) aus Pneumologie, Radiologie und Pathologie ist der diagnostische Goldstandard.
  • Bei einem eindeutigen UIP-Muster im HRCT und fehlenden Hinweisen auf andere Ursachen soll auf eine Biopsie und BAL verzichtet werden.
  • Die transbronchiale Kryobiopsie (TBLC) stellt eine vorteilhafte Alternative zur chirurgischen Lungenbiopsie dar.
  • Serologische Tests zum Ausschluss einer zugrundeliegenden Autoimmunerkrankung (Kollagenose) sind obligatorisch.
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Hintergrund

Die idiopathische Lungenfibrose (IPF) ist eine chronische, progrediente und nicht reversible interstitielle Lungenerkrankung (ILD). Sie tritt meist ab der 6. Lebensdekade auf (Altersgipfel 60-70 Jahre), betrifft häufiger Männer und ist stark mit einer positiven Raucheranamnese assoziiert. Typische Symptome sind Belastungsdyspnoe, Husten und auskultatorisch eine Sklerophonie (Knisterrasseln).

Bildgebende Diagnostik (HRCT)

Die High-Resolution Computed Tomography (HRCT) spielt eine zentrale Rolle. Bei allen Patienten mit Verdacht auf IPF soll ein volumetrisches CT in High-Resolution-Technik ohne Kontrastmittel in Inspiration und Rückenlage durchgeführt werden (Starker Konsens).

Die Leitlinie empfiehlt die Einteilung in vier HRCT-Diagnosekategorien:

HRCT-MusterVerteilungCharakteristische Merkmale
UIP-MusterSubpleural und basal prädominantHonigwabenmuster mit/ohne periphere Traktionsbronchiektasen/-bronchiolektasen
Wahrscheinliches UIP-MusterSubpleural und basal prädominantRetikuläre Zeichnungsvermehrung mit Traktionsbronchiektasen, keine Honigwaben
Unbestimmt für UIPSubpleural und basal prädominantFeine retikuläre Zeichnungsvermehrung, oft heterogen
Alternatives MusterPeribronchiovaskulär, perilymphatisch oder Ober-/MittelfeldZysten, Mosaikmuster, prädominante Milchglastrübung, Mikronoduli, Konsolidierungen

Basisdiagnostik: Anamnese und Serologie

Vor der Diagnose einer IPF müssen andere Ursachen einer ILD ausgeschlossen werden.

  • Expositionsanamnese: Eine detaillierte Erfassung der Medikation und inhalativen Exposition (Beruf, Hobby, Schimmel, Vögel) soll in standardisierter Form erfolgen (Starker Konsens).
  • Serologie: Serologische Tests sollen regelhaft durchgeführt werden, um eine Kollagenose auszuschließen (Starker Konsens). Das Basis-Screening umfasst CRP, BSG, ANA, Rheumafaktor, Myositis-Panel, CCP-Antikörper und ANCA.
  • Biomarker: Die Serumwerte von MMP7, SPD, CCL18 oder KL-6 sollen nicht gemessen werden (Starker Konsens).

Bronchoskopie und Biopsie

Die Indikation zu invasiven Maßnahmen hängt stark vom HRCT-Befund ab.

MaßnahmeEmpfehlung / IndikationBemerkung
BAL (Bronchoalveoläre Lavage)Soll durchgeführt werden, wenn das HRCT kein eindeutiges UIP-Muster zeigt.Hilfreich zur Abgrenzung von EAA, Sarkoidose oder eosinophiler Pneumonie.
Transbronchiale ZangenbiopsieSoll NICHT bei sicherem UIP-Muster durchgeführt werden.Hoher Anteil an unklassifizierbaren Befunden (64%).
Transbronchiale Kryobiopsie (TBLC)Vorteilhafte Alternative zur chirurgischen Biopsie.Geringere Kosten und Morbidität, aber Blutungsrisiko beachten. Mindestens 2 Biopsien aus 2 Segmenten.
Chirurgische Lungenbiopsie (SLB)Wenn nach endoskopischer Diagnostik und MDD die Diagnose unklar bleibt.Kontraindikationen beachten (SpO2 <90%, TLCO <40%, schwere Restriktion, pulmonale Hypertonie).

Histopathologische Muster

Analog zur Bildgebung wird die Histologie in vier Kategorien unterteilt:

Histologisches MusterKriterien
UIPDichte Fibrose mit Architekturstörung (Wabenlunge), subpleurale/paraseptale Prädominanz, fibroblastäre Foci, Fehlen alternativer Merkmale.
Wahrscheinliche UIPEinige UIP-Merkmale vorhanden, aber Ausmaß erlaubt keine definitive Diagnose ODER nur Wabenlunge.
Unbestimmt für UIPFibrose vorhanden, aber Merkmale lassen ein anderes Muster wahrscheinlicher erscheinen.
Alternatives MusterBefunde weisen auf andere Erkrankung hin (z.B. Granulome für Sarkoidose/EAA).

Multidisziplinäre Diskussion (MDD)

Die MDD ist der diagnostische Goldstandard. Eine erste MDD soll mit allen klinischen Informationen und HRCT zur Festlegung des weiteren Procederes stattfinden (Starker Konsens). Nach invasiver Diagnostik erfolgt eine zweite MDD zur endgültigen Diagnosestellung. Beteiligt sein sollten mindestens Pneumologie, Radiologie und Pathologie.

Diagnosekriterien und Algorithmus

Die Diagnose einer IPF erfordert zwingend den Ausschluss bekannter ILD-Ursachen UND entweder ein UIP-Muster im HRCT ODER eine spezifische Kombination aus HRCT und Histologie:

  • Keine Biopsie/BAL nötig: Bei klinischem Verdacht und eindeutigem UIP-Muster im HRCT ohne Hinweise auf andere Ursachen.
  • BAL indiziert: Bei UIP-Muster mit klinischen Hinweisen auf andere ILD (z.B. EAA) ODER bei wahrscheinlichem UIP-Muster (Männer >60 J., Ex-Raucher).
  • BAL + Kryobiopsie indiziert: Bei unbestimmtem oder alternativem HRCT-Muster.

💡Praxis-Tipp

Erheben Sie bei jedem ILD-Patienten eine standardisierte Expositionsanamnese und ein Autoimmun-Screening. Verzichten Sie bei eindeutigem UIP-Muster im HRCT auf invasive Biopsien.

Häufig gestellte Fragen

Nur wenn das HRCT kein eindeutiges UIP-Muster zeigt und die Diagnose nach interdisziplinärer Diskussion unklar bleibt.
Laut Leitlinie sollen Biomarker wie MMP7, SPD, CCL18 oder KL-6 zur Diagnosestellung nicht routinemäßig gemessen werden.
Subpleurale und basal betonte retikuläre Zeichnungsvermehrung mit Honigwabenmuster (Wabenlunge) und Traktionsbronchiektasen.
Ein Basis-Screening umfasst CRP, BSG, ANA, Rheumafaktor, Myositis-Panel, CCP-Antikörper und ANCA zum Ausschluss einer Kollagenose.

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