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Diagnostik und Therapie der Malaria: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Goldstandard der Diagnostik bleibt die Mikroskopie (Dicker Tropfen und Blutausstrich).
  • Eine unkomplizierte Malaria tropica sollte aufgrund möglicher rascher Verschlechterung stets stationär behandelt werden.
  • Mittel der Wahl bei komplizierter Malaria ist parenterales Artesunat (i.v.).
  • Bei Malaria tertiana ist nach der Akuttherapie eine Rezidivprophylaxe mit Primaquin (nach G6PD-Ausschluss) indiziert.
  • 7-14 Tage nach einer Artemisinin-Therapie kann eine Post-Artemisinin-Hämolyse auftreten.
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Hintergrund

Die Malaria ist die bedeutendste Infektionserkrankung bei Reiserückkehrern. Etwa 85 % der importierten Fälle in Deutschland sind eine Malaria tropica (Plasmodium falciparum), welche rasch lebensbedrohlich verlaufen kann.

Malaria-FormErregerBesonderheiten
Malaria tropicaP. falciparumHäufig schwere Verläufe, Letalität unbehandelt hoch
Malaria tertianaP. vivax, P. ovaleRezidivprophylaxe (Hypnozoiten) in der Regel notwendig
Malaria quartanaP. malariaeLangsamer Zyklus (>72h), späte Rückfälle möglich
Knowlesi-MalariaP. knowlesiRasche Progression, Vorkommen nur in Südostasien

Diagnostik

Bei unklarem Fieber nach Aufenthalt in Endemiegebieten muss sofort eine Malariadiagnostik initiiert werden.

  • Goldstandard: Mikroskopie mittels Dickem Tropfen (hohe Sensitivität) und Blutausstrich (Spezies- und Parasitämien-Bestimmung).
  • Antigen-Schnelltest (RDT): Zur ersten Orientierung hilfreich. Ein negatives Ergebnis schließt eine Malaria nicht sicher aus und erfordert eine mikroskopische Abklärung.
  • Zusatzdiagnostik: Blutbild (typisch: Thrombozytopenie, Hämolyse, fehlende Leukozytose), CRP/PCT, Blutzucker, Nieren- und Leberwerte, BGA.

Kriterien der komplizierten Malaria

Liegt mindestens eines der folgenden Kriterien vor, handelt es sich um eine komplizierte (lebensbedrohliche) Malaria, die ein intensivmedizinisches Monitoring erfordert:

KategorieKriterien
KlinischBewusstseinsstörungen, ARDS (SpO2 <92%), Schock, Spontanblutungen, Oligurie (<400 ml/24h), Prostration
LaborchemischHypoglykämie (<40 mg/dl), Laktat ≥5 mmol/l, Hyperkaliämie >5,5 mmol/l, Kreatinin >2,5 mg/dl, schwere Anämie (<7 g/dl)
ParasitologischP. falciparum >250.000/µl (≥5%), P. knowlesi >100.000/µl (≥2%)

Therapie-Setting

SettingIndikation
AmbulantMalaria tertiana, Malaria quartana (nur bei gesicherter Adhärenz)
Stationär (Normalstation)Unkomplizierte Malaria tropica, unkomplizierte Knowlesi-Malaria
IntensivstationKomplizierte Malaria (alle Formen)

Medikamentöse Therapie

Die Wahl der Therapie richtet sich nach Erreger und Schweregrad.

Unkomplizierte Malaria tropica

Mittel der ersten Wahl (oral):

  • Artemether/Lumefantrin: 2x täglich für 3 Tage (mit fetthaltiger Mahlzeit).
  • Dihydroartemisinin/Piperaquin: 1x täglich für 3 Tage (EKG-Kontrolle wegen QTc-Verlängerung zwingend!).
  • Alternative: Atovaquon/Proguanil.

Komplizierte Malaria tropica

Dies ist ein medizinischer Notfall.

  • Mittel der Wahl: Artesunat i.v. als langsamer Bolus (Zeitpunkt 0, 12h, 24h, 48h, 72h).
  • Anschlusstherapie: Sobald klinisch möglich, muss eine orale Folgetherapie (wie bei unkomplizierter Malaria) erfolgen.
  • Ausnahme: Nur wenn Artesunat nicht verfügbar ist, intravenöses Chinindihydrochlorid verwenden.

Malaria tertiana

  • Akuttherapie: Artemether/Lumefantrin oder Dihydroartemisinin/Piperaquin.
  • Rezidivprophylaxe: Zwingend erforderlich zur Eradikation der Hypnozoiten in der Leber. Mittel der Wahl ist Primaquin über 14 Tage. Wichtig: Vorab muss ein Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase (G6PD)-Mangel ausgeschlossen werden!

Nachsorge

Etwa 7-14 Tage nach Beginn einer Artemisinin-Therapie kann eine Post-Artemisinin-Hämolyse auftreten. Klinische und laborchemische Kontrollen (Blutbild, Hämolyseparameter) sind in diesem Zeitraum besonders bei initial hoher Parasitämie empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Schließen Sie vor der Verordnung von Primaquin zur Rezidivprophylaxe bei Malaria tertiana zwingend einen G6PD-Mangel aus, um lebensbedrohliche Hämolysen zu vermeiden. Führen Sie bei Therapie mit Dihydroartemisinin/Piperaquin EKG-Kontrollen (QTc-Zeit) durch.

Häufig gestellte Fragen

Eine unkomplizierte Malaria tertiana oder quartana kann bei gesicherter Adhärenz ambulant behandelt werden. Eine Malaria tropica sollte stets stationär überwacht werden.
Die Mikroskopie mittels Dickem Tropfen und Blutausstrich. Antigen-Schnelltests (RDTs) dienen nur der ersten Orientierung.
Mittel der Wahl ist parenterales Artesunat (i.v.), gefolgt von einer oralen Anschlusstherapie (z.B. Artemether/Lumefantrin), sobald der Patient stabil ist.
Eine verzögerte Hämolyse, die typischerweise 7-14 Tage nach Beginn einer Artemisinin-Therapie (besonders bei initial hoher Parasitämie) auftritt.
Es muss zwingend ein Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase (G6PD)-Mangel ausgeschlossen werden.

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