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Schistosomiasis (Bilharziose): Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein Screening ist bei asymptomatischen Reiserückkehrern mit Süßwasserkontakt frühestens 3 Monate nach Exposition indiziert.
  • Die Basisdiagnostik umfasst die Serologie sowie den parasitologischen Ei-Nachweis in Stuhl oder Urin (je nach Erreger).
  • Therapie der Wahl für alle Schistosomen-Arten ist Praziquantel, in Deutschland bevorzugt als 3-Tages-Therapie.
  • Beim akuten Katayama-Syndrom wirkt Praziquantel unzureichend; die Therapie erfolgt primär symptomatisch.
  • Verlaufskontrollen sollten nach 6, 12 und 24 Monaten erfolgen, um ein Therapieversagen oder eine Reinfektion auszuschließen.
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Hintergrund

Die Schistosomiasis (Bilharziose) ist eine parasitäre Infektion, die durch Trematoden der Gattung Schistosoma verursacht wird. Die Übertragung erfolgt durch Süßwasserkontakt in Endemiegebieten (u.a. weite Teile Afrikas, östliches Brasilien, Naher Osten, Südostasien). Die Leitlinie bietet Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie, insbesondere für Reiserückkehrer und Migranten in Deutschland.

Klinische Präsentation

Die Symptomatik ist abhängig vom Zeitpunkt der Infektion und der betroffenen Organe.

PhaseZeitraumTypische Symptome und Befunde
Katayama-Syndrom< 3 Monate nach AufenthaltUnklare Eosinophilie, Urtikaria, Ödeme, Fieber, Myalgien, pulmonale Symptome, ZNS-Symptome
Chronische Phase> 3 Monate nach AufenthaltEosinophilie, Erschöpfung, mikrozytäre Anämie
GastrointestinalSpätstadiumChronische Diarrhoe, Kolitis, periportale Leberfibrose, portale Hypertension, Splenomegalie
UrogenitalSpätstadiumHämaturie, Dysurie, Blasenkarzinom, Hydronephrose, genitale Läsionen, Sterilität

Diagnostik

Eine Diagnostik sollte bei zurückliegendem Aufenthalt in Endemiegebieten und nachfolgenden Symptomen oder Süßwasserkontakt veranlasst werden (Evidenz-Stufe 4, Empfehlungsgrad B).

Screening bei Asymptomatischen

Ein Screening wird empfohlen für:

  • Personen mit Süßwasserkontakt in Endemiegebieten.
  • Personen mit Langzeitaufenthalten in Endemiegebieten (auch ohne erinnerlichen Kontakt).
  • Geflüchtete/Migranten aus Endemiegebieten.

Wichtig: Das Screening sollte frühestens 3 Monate nach der letzten möglichen Exposition erfolgen.

Basisdiagnostik

MethodeIndikation / MaterialBemerkung
SerologieSerum (ca. 2 ml)Bei Screening ausreichend (Kombination aus 2 Tests wie ELISA, IFT empfohlen).
Stuhl-Untersuchung3 konsekutive ProbenEi-Nachweis für S. mansoni, S. japonicum, S. mekongi, S. intercalatum.
Urin-Untersuchung3 konsekutive Sammelurine (10-14 Uhr)Ei-Nachweis für S. haematobium.

Zusatzdiagnostik: Bei nachgewiesener Infektion ist eine Sonographie des Abdomens und/oder Urogenitaltraktes sowie eine Labordiagnostik (Blutbild, Leberwerte, Retentionsparameter) indiziert, um Organschäden zu erfassen.

Therapie

Das einzige verfügbare Medikament ist Praziquantel. Abweichend von WHO-Empfehlungen für Endemiegebiete wird in Deutschland eine 3-Tages-Therapie bevorzugt (Dauer der Therapie: Evidenz-Stufe 2a, Empfehlungsgrad C).

Indikation / ErregerTherapieBemerkung
Katayama-SyndromSymptomatisch (ggf. Kortikosteroide)Praziquantel wirkt schlecht auf juvenile Würmer. Reevaluation nach 3 Monaten.
S. haematobium / S. mansoni40 mg/kg KG/Tag über 3 TageEvidenz-Stufe 1b, Empfehlungsgrad A
S. intercalatum, S. mekongi, S. japonicum60 mg/kg KG/Tag über 3 TageTagesdosis kann in 2 Dosen aufgeteilt werden. Evidenz-Stufe 1b, Empfehlungsgrad A
Vermutete Infektion (Serologie positiv, kein Ei-Nachweis)40 mg/kg KG/Tag über 3 TageWenn nicht in Asien erworben. Evidenz-Stufe 4, Empfehlungsgrad C

Besondere Patientengruppen

  • Kinder: Nebenwirkungen treten häufiger auf. Die Sicherheit unter 4 Jahren ist nicht erwiesen.
  • Schwangere: Behandlung nach Risikoabwägung bevorzugt nach Abschluss der Schwangerschaft. Die WHO befürwortet jedoch eine Therapie, da die Fetusschädigung durch Bilharziose oft größer ist als durch Praziquantel.

Verlaufskontrollen

Da Eier bis zu 3 Monate nach Ablage absterben, beweist der Nachweis vitaler Eier zu einem späteren Zeitpunkt ein Therapieversagen. Kontrollen sollten nach 6, 12 und 24 Monaten erfolgen:

  • Parasitologische Untersuchung (3x Stuhl bzw. Urin).
  • Serologische Kontrolle (möglichst im selben Labor).
  • Kontrolle pathologischer Vorbefunde (Sonographie).

Eine Schistosomiasis gilt als parasitologisch geheilt, wenn bei den Folgeuntersuchungen kein Ei-Nachweis mehr gelingt und die Antikörper nach 12 und 24 Monaten abfallen oder negativ sind.

💡Praxis-Tipp

Behandeln Sie das akute Katayama-Syndrom (Frühphase < 3 Monate) nicht sofort mit Praziquantel, da es gegen juvenile Würmer unzureichend wirkt und sich die Symptomatik verschlechtern kann. Therapieren Sie symptomatisch und reevaluieren Sie nach 3 Monaten.

Häufig gestellte Fragen

Frühestens 3 Monate nach dem letzten möglichen Süßwasserkontakt in einem Endemiegebiet, primär mittels Serologie.
Praziquantel ist das einzige verfügbare Medikament. Es wird je nach Schistosomen-Art mit 40 oder 60 mg/kg Körpergewicht pro Tag über 3 Tage dosiert.
Durch den Nachweis von Eiern in drei konsekutiven Sammelurinen (gewonnen zwischen 10.00 und 14.00 Uhr) sowie mittels Serologie.
Nach Risikoabwägung sollte die Behandlung bevorzugt nach Abschluss der Schwangerschaft erfolgen. Die WHO befürwortet jedoch eine Therapie, da die Schädigung des Fetus durch die Erkrankung oft größer ist.

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