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Kopfschmerz vom Spannungstyp: Leitlinie (AWMF/DGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ibuprofen, ASS und Paracetamol sind die Mittel der 1. Wahl in der medikamentösen Akuttherapie.
  • 10%iges Pfefferminzöl ist eine evidenzbasierte, topische Alternative zur Akutbehandlung.
  • Zur Vermeidung eines Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes gelten Einnahmegrenzen von max. 15 Tagen/Monat für einfache Analgetika.
  • Amitriptylin (10-150 mg/Tag) ist das Mittel der 1. Wahl zur medikamentösen Prophylaxe des chronischen KST.
  • Multimodale Therapiekonzepte (Physiotherapie, Entspannungsverfahren, Ausdauersport) werden zur Prophylaxe dringend empfohlen.
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Hintergrund

Der Kopfschmerz vom Spannungstyp (KST) ist der weltweit häufigste primäre Kopfschmerz. Die Lebensqualität der Betroffenen ist insbesondere bei der chronischen Form (≥ 15 Kopfschmerztage/Monat) stark eingeschränkt. Im Gegensatz zur Migräne fehlen vegetative Begleitsymptome meist völlig oder sind nur sehr gering ausgeprägt. Die genaue Pathophysiologie ist nicht abschließend geklärt, jedoch spielt bei der Chronifizierung eine zentrale Sensibilisierung eine wesentliche Rolle.

Diagnostik und Klassifikation

Die Diagnose erfolgt klinisch anhand einer strukturierten Anamnese nach den Kriterien der ICHD-3. Ein unauffälliger neurologischer und internistischer Status wird vorausgesetzt. Bildgebung ist nur bei Verdacht auf sekundäre Kopfschmerzen indiziert.

FormHäufigkeitDauer
Selten episodisch< 12 Tage/Jahr30 Min. bis 7 Tage
Häufig episodisch1-14 Tage/Monat (> 3 Monate)30 Min. bis 7 Tage
Chronisch≥ 15 Tage/Monat (> 3 Monate)Stunden bis kontinuierlich

Klinische Kriterien (mindestens 2 müssen erfüllt sein):

  • Beidseitige Lokalisation
  • Schmerzqualität drückend oder beengend (nicht pulsierend)
  • Leichte bis mittlere Schmerzintensität
  • Keine Verstärkung durch körperliche Routineaktivitäten (z. B. Gehen, Treppensteigen)

Zudem darf weder Erbrechen noch mittelstarke bis starke Übelkeit vorliegen. Photophobie oder Phonophobie können vorhanden sein, jedoch nicht beides gleichzeitig.

Akuttherapie

Ziel der Akuttherapie ist die Schmerzfreiheit nach zwei Stunden. Um einen Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch (MOH) zu vermeiden, gelten strenge Einnahmegrenzen: einfache Analgetika max. 15 Tage/Monat, Kombinationspräparate max. 10 Tage/Monat.

WirkstoffDosierungEmpfehlungBemerkung
Ibuprofen400-800 mg1. WahlSchnellerer Wirkeintritt als Paracetamol
Acetylsalicylsäure (ASS)500-1000 mg1. WahlKontraindiziert im 3. Trimenon der Schwangerschaft
Paracetamol1000 mg1. WahlGeringere Dosen (500 mg) zeigten sich oft nicht wirksamer als Placebo
Kombinationspräparate (ASS + Paracetamol + Koffein)-2. WahlHöhere Wirksamkeit, aber mehr Nebenwirkungen. Erst einsetzen, wenn Monopräparate nicht ausreichen

Topische Therapie: 10%iges Pfefferminzöl, 3-mal im Abstand von je 15 Minuten großflächig auf Stirn und Schläfen aufgetragen, wirkt schmerzlindernd und ist eine hervorragende nicht medikamentöse Alternative.

Prophylaxe

Eine prophylaktische Therapie ist in der Regel beim chronischen KST und bei stark beeinträchtigendem häufigen episodischen KST indiziert.

Nicht medikamentöse Verfahren

Die Leitlinie empfiehlt primär multimodale Therapieansätze, da Kombinationen wirksamer sind als Einzelinterventionen:

  • Physiotherapie: Weichteiltechniken (Triggerpunkt-Therapie), manuelle Therapie und gezielte Übungstherapie für die Halswirbelsäule.
  • Sport: Regelmäßiges Ausdauer- und/oder Krafttraining.
  • Psychologische Verfahren: Biofeedback (EMG), Entspannungsverfahren (z. B. progressive Muskelrelaxation) und kognitive Verhaltenstherapie (Stressbewältigungstraining).

Medikamentöse Verfahren

WirkstoffDosierungEmpfehlungsgradBemerkung
Amitriptylin10-150 mg/Tag1. WahlEinziges zugelassenes Medikament; langsame Dosissteigerung empfohlen
Mirtazapin15-60 mg/Tag2. WahlEinsatz soll erwogen werden (Off-label)
Venlafaxin150 mg/Tag2. WahlEinsatz kann erwogen werden (Off-label)
Topiramat75-200 mg/Tag2. WahlTherapieerfolg oft erst nach 3 Monaten (Off-label)

Nicht empfohlen werden: Botulinumtoxin, Opiate, Valproinsäure, Gabapentin und die Blockade des N. occipitalis major zeigten in Studien keine Wirksamkeit beim KST und sollten nicht eingesetzt werden.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie 10%iges Pfefferminzöl als topische Akuttherapie – es ist evidenzbasiert wirksam und ideal für Schwangere oder Patienten mit Kontraindikationen für NSAR. Beginnen Sie eine Prophylaxe mit Amitriptylin immer einschleichend (z.B. 10-25 mg) und evaluieren Sie die Wirkung erst nach 4-8 Wochen.

Häufig gestellte Fragen

Der KST ist beidseitig, drückend-beengend und verschlechtert sich nicht durch körperliche Aktivität. Vegetative Symptome wie Erbrechen fehlen völlig, leichte Licht- oder Lärmempfindlichkeit kann isoliert auftreten.
In der Regel beim chronischen KST (≥ 15 Tage/Monat) oder bei stark beeinträchtigendem häufigen episodischen KST, wenn nicht medikamentöse Maßnahmen nicht ausreichen.
Paracetamol ist in der gesamten Schwangerschaft möglich. Ibuprofen und ASS dürfen nur im 1. und 2. Trimenon eingesetzt werden, im 3. Trimenon sind sie streng kontraindiziert.
Die Studienlage ist uneinheitlich. Akupunktur kann versucht werden, wenn medikamentöse Therapien nicht gewünscht werden oder nicht wirksam sind.
Nein, die Leitlinie rät vom Einsatz von Botulinumtoxin ab, da placebokontrollierte Studien ausschließlich negative Befunde zeigten.

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