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Clusterkopfschmerz & TAK: Leitlinie (AWMF/DGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Sauerstoff-Inhalation (100 %, 12 l/min) und Triptane (Sumatriptan s.c., Zolmitriptan nasal) sind Mittel der Wahl zur Akuttherapie des Clusterkopfschmerzes.
  • Verapamil ist die First-Line-Prophylaxe bei episodischem und chronischem Clusterkopfschmerz (EKG-Kontrollen erforderlich).
  • Paroxysmale Hemikranie und Hemicrania Continua sprechen obligat und absolut auf Indometacin an.
  • Mittel der Wahl beim SUNCT-Syndrom ist Lamotrigin.
  • Bei Erstdiagnose oder atypischer Symptomatik ist eine MRT-Bildgebung zum Ausschluss symptomatischer Ursachen obligat.
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Hintergrund

Trigeminoautonome Kopfschmerzen (TAK) sind eine Gruppe primärer Kopfschmerzerkrankungen, die durch meist kurzdauernde, extrem heftige Schmerzattacken gekennzeichnet sind. Obligat sind ipsilaterale autonome Begleitsymptome wie Lakrimation, konjunktivale Injektion, Rhinorrhö, nasale Kongestion, Hyperhidrose oder ein Horner-Syndrom. Unbehandelt können die stärksten Schmerzattacken (insbesondere beim Clusterkopfschmerz) zur Suizidalität führen.

Klassifikation und Klinik

Die TAK-Gruppe umfasst nach der IHS-Klassifikation verschiedene Entitäten, die sich in Attackendauer, Frequenz und Therapieansprechen unterscheiden:

SyndromAttackendauerFrequenzSpezifische Therapie
Clusterkopfschmerz15–180 minbis 8/TagSauerstoff, Triptane (akut), Verapamil (Prophylaxe)
Paroxysmale Hemikranie (CPH)2–45 min5–40/TagIndometacin
SUNCT / SUNA5–250 Sekundenbis 200/TagLamotrigin
Hemicrania Continua (HC)kontinuierlichundulierendIndometacin

Diagnostik

Die Diagnose wird klinisch anhand der Anamnese und des neurologischen Status gestellt. Da symptomatische Ursachen (z. B. Raumforderungen, Dissektionen, AVM) insbesondere bei Erstmanifestation im höheren Alter vorkommen, ist eine apparative Diagnostik großzügig zu indizieren.

Im Einzelfall erforderlich (bei Erstauftreten, >60 Jahre, atypischer Klinik):

  • MRT des Zerebrums mit kraniozervikalem Übergang (ggf. MR-Angiographie)
  • CCT der Schädelbasis im Knochenfenster
  • Ggf. Liquoruntersuchung zum Ausschluss entzündlicher Genese

Akuttherapie

Die Akuttherapie zielt auf die rasche Durchbrechung der Schmerzattacke ab. Orale Medikamente wirken aufgrund der kurzen Attackendauer meist zu spät.

SyndromMittel der 1. WahlMittel der 2. Wahl
Clusterkopfschmerz100 % Sauerstoff (12 l/min über 15–20 min via Non-Rebreather-Maske)<br>Sumatriptan 6 mg s.c.<br>Zolmitriptan 5–10 mg nasalSumatriptan 20 mg nasal<br>Lidocain-Nasenspray (ipsilateral)
Paroxysmale HemikranieDerzeit keine wirksame Akuttherapie bekannt-
SUNCT / SUNADerzeit keine wirksame Akuttherapie bekannt-
Hemicrania ContinuaDerzeit keine wirksame Akuttherapie bekannt-

Prophylaxe

Eine effektive Prophylaxe ist entscheidend, um die Attackenfrequenz in den aktiven Phasen zu reduzieren.

SyndromMittel der 1. WahlMittel der 2. Wahl
ClusterkopfschmerzVerapamil (3–4 × 80 mg/d, bis max. 960 mg/d, EKG-Kontrolle obligat!)<br>Kortikoide (z. B. Prednisolon mind. 1 mg/kg KG für 2–5 Tage, dann ausschleichen)Lithium (Spiegel 0,6–1,2 mmol/l)<br>Topiramat (100–200 mg/d)
Paroxysmale HemikranieIndometacin (100–300 mg/d, mit PPI-Magenschutz)Gabapentin, Celecoxib
SUNCT-SyndromLamotrigin (100–400 mg/d, langsam eindosieren)Gabapentin, Topiramat
Hemicrania ContinuaIndometacin (100–300 mg/d, mit PPI-Magenschutz)-

Operative Verfahren

Operative Neuromodulationsverfahren sollten nur in spezialisierten Kopfschmerzzentren und bei strenger Therapieresistenz erwogen werden:

  • SPG-Stimulation (Ganglion sphenopalatinum): Zeigt bei >70 % der Patienten eine Reduktion der Attackenfrequenz oder abortive Wirkung.
  • Okzipitalis-Stimulation (ONS): Bilaterale Stimulation des N. occipitalis major (ca. 50 % Erfolgsrate).
  • Tiefe Hirnstimulation (DBS): Stimulation des posterioren, inferioren Hypothalamus (höheres Risiko, ONS wird meist vorgezogen).

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei jedem Patienten mit unklaren, einseitigen und kurzdauernden Kopfschmerzattacken einen diagnostischen Indometacin-Test durch. Ein absolutes Ansprechen sichert die Diagnose einer paroxysmalen Hemikranie oder Hemicrania Continua. Denken Sie zwingend an den PPI-Magenschutz!

Häufig gestellte Fragen

Mittel der 1. Wahl sind 100 % Sauerstoff (12 l/min über 15–20 min via Non-Rebreather-Maske), Sumatriptan (6 mg s.c.) oder Zolmitriptan (5–10 mg nasal).
Verapamil (3–4 × 80 mg/d, bis max. 960 mg/d) ist das Mittel der ersten Wahl. Wegen möglicher Rhythmusstörungen (AV-Block, Bradykardie) sind regelmäßige EKG-Kontrollen zwingend erforderlich.
Die Attacken der paroxysmalen Hemikranie sind kürzer (2–45 min), treten häufiger auf (bis 40/Tag), betreffen überwiegend Frauen und sprechen im Gegensatz zum Clusterkopfschmerz obligat auf Indometacin an.
Ein MRT des Schädels mit kraniozervikalem Übergang sowie ggf. ein CCT der Schädelbasis (Knochenfenster), um symptomatische Ursachen wie Raumforderungen oder Dissektionen auszuschließen.
Mittel der Wahl in der Behandlung des SUNCT-Syndroms ist Lamotrigin (mindestens 100–200 mg/d). Indometacin ist hierbei wirkungslos.

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