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Nicht-spezifische Nackenschmerzen: Leitlinie (DEGAM/AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Bei akuten Nackenschmerzen ohne Hinweise auf strukturelle Ursachen (Red Flags) ist keine Bildgebung indiziert.
  • Körperliche Aktivität soll zur Behandlung aktiv gefördert werden (Empfehlungsgrad A).
  • NSAR können bei akuten Beschwerden kurzzeitig eingesetzt werden, sind bei chronischen Schmerzen jedoch zu vermeiden.
  • Paracetamol, Muskelrelaxanzien, Cannabis und Opioide werden in der Regel nicht empfohlen.
  • Passive physikalische Maßnahmen (z.B. Fango, Rotlicht, Ultraschall) sollen nicht verordnet werden.
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Hintergrund

Nackenschmerzen sind definiert als Schmerzen im Bereich zwischen der oberen Nackenlinie (Linea nuchalis superior), dem ersten Brustwirbel und den schultergelenksnahen Ansätzen des M. trapezius. Sie sind ein sehr häufiger Beratungsanlass in der Hausarztpraxis (Punktprävalenz ca. 5 %). In weniger als 1 % der Fälle liegt den Beschwerden ein abwendbar gefährlicher Verlauf (AGV) zugrunde. Die Leitlinie bezieht sich auf Patienten ohne Zeichen einer bedeutsamen strukturellen Pathologie (Grad I und II).

Diagnostik

Die Basisdiagnostik besteht aus einer ausführlichen Anamnese und einer körperlichen Untersuchung. Finden sich beim Erstkontakt keine Hinweise auf strukturelle Ursachen, sollen vorerst keine weiteren diagnostischen Maßnahmen durchgeführt werden.

Warnhinweise (Red Flags)

Folgende anamnestische Hinweise deuten auf strukturelle Ursachen hin und erfordern eine weiterführende Abklärung:

KategorieHinweise auf strukturelle Ursachen
SchmerzcharakteristikaAusstrahlung in den Arm, nächtlicher Schmerz
Neurologische SymptomeMotorische Ausfälle, Taubheitsgefühl, Blasen-/Mastdarmstörung, Schwindel, Sehstörungen
InfektsymptomeFieber, Schüttelfrost, Infekt in der Anamnese
B-SymptomatikGewichtsverlust, Nachtschweiß, Leistungsknick
SystemerkrankungenBekannte Neoplasie, Osteoporose, Autoimmunerkrankung, Immunsuppression

Bildgebung und Labor

  • Keine routinemäßige Bildgebung: Bei akuten und rezidivierenden Nackenschmerzen ohne Red Flags soll keine Bildgebung erfolgen (A).
  • Kein primäres Röntgen: Röntgenuntersuchungen sollten zur primären Abklärung struktureller Ursachen nicht durchgeführt werden.
  • Kein Routinelabor: Ohne relevanten Hinweis auf strukturelle Ursachen soll keine Laboruntersuchung erfolgen.
  • Re-Evaluation: Bei anhaltenden oder progredienten Schmerzen trotz leitliniengerechter Therapie (nach 4-6 Wochen) soll die Indikation zur Bildgebung überprüft werden.
Auszuschließende UrsacheBevorzugte SchnittbildtechnikKontrastmittel
FrakturCTja/nein (je nach Fragestellung)
EntzündungMRTja
Radikulopathien/NeuropathienMRTnein
Tumor/MetastasenMRTja

Selbstmanagement

Das primäre Ziel ist die Aktivierung der Patienten.

  • Körperliche Aktivität: Soll empfohlen werden (A).
  • Ruhigstellung: Sollte nicht empfohlen werden, da sie das Risiko für Medikalisierung und Muskelatrophie birgt.
  • Wärme: Die Selbstanwendung von Wärme (z.B. Körnerkissen) sollte empfohlen werden (B).
  • Entspannungsverfahren: Können empfohlen werden (0).

Medikamentöse Therapie

Medikamente dienen primär dazu, körperliche Aktivität zu ermöglichen. Sie sollten in der niedrigsten effektiven Dosis für die kürzestmögliche Zeit eingesetzt werden.

NSAR (Nichtsteroidale Antirheumatika)

NSAR können bei akuten Nackenschmerzen über einen kurzen Zeitraum empfohlen werden (0). Bei chronischen Schmerzen sollten sie nicht eingesetzt werden. Eine parenterale Gabe soll nicht erfolgen.

ArzneistoffEmpfohlene TageshöchstdosisKurzzeitige Maximaldosis
Ibuprofen1200 mg2400 mg
Diclofenac100 mg150 mg
Naproxen750 mg1250 mg

Hinweis: Bei Risiken für gastrointestinale Komplikationen sollte prophylaktisch ein Protonenpumpenhemmer (PPI) gegeben werden.

Weitere Analgetika

  • Metamizol: Kann kurzzeitig als Alternative erwogen werden, wenn NSAR kontraindiziert sind.
  • Paracetamol: Sollte nicht empfohlen werden (B).
  • Muskelrelaxanzien: Sollten bei akuten Schmerzen nicht (B) und bei chronischen Schmerzen auf keinen Fall (A) empfohlen werden.
  • Opioide: Sollen bei akuten Schmerzen nicht empfohlen werden (A). Auch bei chronischen Schmerzen sollten sie in der Regel nicht zum Einsatz kommen.
  • Cannabis: Soll nicht empfohlen werden.

Nicht-medikamentöse Therapie

Die Leitlinie spricht sich klar gegen passive Maßnahmen aus, da diese die Passivität der Patienten fördern und dem Behandlungsziel der Aktivierung widersprechen.

Empfohlene Maßnahmen

  • Bewegungstherapie: Soll bei chronischen Nackenschmerzen verordnet werden (A). Bei akuten Schmerzen kann sie verordnet werden.
  • Patientenedukation: Sollte eingesetzt werden (B), z.B. durch "Pain Neuroscience Education" (PNE), um Schmerzmechanismen zu erklären und Kinesiophobie abzubauen.
  • Manipulation/Mobilisation: Kann angeboten werden (0).

Nicht empfohlene Maßnahmen (Sollte nicht / Soll nicht)

Folgende passive Maßnahmen sollten zur Behandlung nicht-spezifischer Nackenschmerzen nicht verordnet oder eingesetzt werden:

  • Mechanische Traktion (B)
  • Lasertherapie (B)
  • Elektrotherapie / Interferenzstrom (B)
  • Ultraschall inkl. Stoßwelle
  • Bäder, Fango und Rotlicht (als verordnete Heilmittel)
  • Kryotherapie
  • Kinesiotaping (B)
  • Akupunktur (bei akuten Schmerzen)

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei akuten Nackenschmerzen ohne Red Flags auf Röntgenbilder und Laboruntersuchungen. Klären Sie den Patienten über die Gutartigkeit der Beschwerden auf und motivieren Sie ihn, trotz Schmerzen körperlich aktiv zu bleiben.

Häufig gestellte Fragen

Röntgenuntersuchungen sollten zur primären Abklärung nicht durchgeführt werden. Bei Vorliegen von Warnhinweisen (Red Flags) oder anhaltenden Schmerzen nach 4-6 Wochen ist eine Schnittbildgebung (CT oder MRT) zu bevorzugen.
NSAR (wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen) können kurzzeitig in der niedrigsten wirksamen Dosis eingesetzt werden. Paracetamol wird laut Leitlinie nicht empfohlen.
Nein, die Leitlinie rät von Muskelrelaxanzien ab. Sie sollten bei akuten Schmerzen nicht und bei chronischen Schmerzen auf keinen Fall empfohlen werden, da der Nutzen nicht belegt ist und Nebenwirkungen drohen.
Nein. Passive physikalische Maßnahmen und Weichteilbehandlungen sollen bei akuten Schmerzen nicht verordnet werden, da sie die Passivität der Patienten fördern. Die Selbstanwendung von Wärme (z.B. Körnerkissen) wird hingegen empfohlen.
Nein, eine Ruhigstellung (z.B. durch eine Halskrawatte) sollte nicht empfohlen werden. Stattdessen soll die körperliche Aktivität aufrechterhalten und gefördert werden.

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