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Migräne Therapie & Prophylaxe: Leitlinie (AWMF/DGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Triptane (z.B. Sumatriptan, Eletriptan) sind die wirksamsten Medikamente bei schweren akuten Migräneattacken.
  • Die Akutmedikation wirkt am besten, wenn sie früh in der Kopfschmerzphase eingenommen wird, jedoch nicht während der Aura.
  • Zur Vermeidung eines Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes (MOH) gelten strenge Einnahmegrenzen (Triptane <10 Tage/Monat).
  • Zur medikamentösen Prophylaxe stehen klassische Wirkstoffe (Betablocker, Topiramat) sowie moderne CGRP-Antikörper und Gepante zur Verfügung.
  • Nicht-medikamentöse Verfahren wie Ausdauersport, Entspannungsverfahren und Biofeedback sollten die Therapie immer flankieren.
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Hintergrund

Die Migräne ist eine häufige Erkrankung mit einer Punktprävalenz von 20 % bei Frauen und 8 % bei Männern. Unbehandelt dauern die Attacken nach Definition der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft 4 bis 72 Stunden an.

Typische Symptome:

  • Heftiger, oft einseitiger, pulsierend-pochender Kopfschmerz
  • Zunahme der Schmerzintensität bei körperlicher Betätigung
  • Begleitsymptome: Übelkeit (80 %), Erbrechen (30 %), Lichtscheu (60 %), Lärmempfindlichkeit (50 %)

Akuttherapie: Analgetika und Antiemetika

Leichtere und mittelstarke Attacken sollten primär mit Analgetika oder nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) behandelt werden. Die Wirksamkeit ist am höchsten, wenn die Medikamente früh in der Kopfschmerzphase eingenommen werden.

WirkstoffEinzeldosisBemerkung
Acetylsalicylsäure (ASS)900–1000 mgAuch i.v. als Notfallmedikation möglich
Ibuprofen400–600 mgLösliche Formen wirken schneller, flache Dosis-Wirkungs-Kurve ab 400 mg
Diclofenac-Kalium50–100 mgRasche Resorption
Metamizol1000 mgBei starken Schmerzen, wenn NSAR ungeeignet sind
ASS + Paracetamol + Koffein2 TablettenFixkombination (250/200/50 mg), wirksamer als Einzelsubstanzen

Gegen Übelkeit und Erbrechen sind Antiemetika wirksam. Sie haben teilweise auch eine eigenständige, leicht schmerzlindernde Wirkung:

  • Metoclopramid: 10 mg p.o. oder i.v. (Kontraindiziert bei Kindern/Jugendlichen unter 18 Jahren)
  • Domperidon: 10 mg p.o. (Tageshöchstdosis 30 mg)

Akuttherapie: Triptane

Triptane sind die Therapie der Wahl bei starken Kopfschmerzen und wenn Analgetika nicht ausreichend wirken.

WirkstoffApplikationBesonderheiten
Sumatriptanp.o., s.c., nasals.c. (3-6 mg) ist die am schnellsten wirksame Therapie (Wirkeintritt 10 Min)
Eletriptanp.o. (20-40 mg)Sehr rascher Wirkeintritt, höchste Rate an Schmerzfreiheit nach 2h
Rizatriptanp.o. (5-10 mg)Sehr rascher Wirkeintritt
Naratriptanp.o. (2,5 mg)Längere Halbwertszeit, weniger Wiederkehrkopfschmerz
Zolmitriptanp.o., nasalNasalspray wirkt rascher als Tablette

Kernaussagen zu Triptanen:

  • Kontraindikationen: Kardiovaskuläre Erkrankungen (KHK, Z.n. Myokardinfarkt, Schlaganfall, pAVK, unzureichend behandelte Hypertonie).
  • Kombinationstherapie: Die Fixkombination aus Sumatriptan (85 mg) und Naproxen (500 mg) ist wirksamer als die Monotherapie und kann Wiederkehrkopfschmerzen reduzieren.
  • Einnahmezeitpunkt: Früh in der Schmerzphase, aber nicht während der Aura (hier unwirksam).

Neue Akuttherapeutika: Ditane und Gepante

Für Patienten mit Kontraindikationen gegen Triptane oder unzureichender Wirkung stehen neue Substanzklassen zur Verfügung:

WirkstoffklasseWirkstoffIndikation / Besonderheit
5-HT1F-Agonist (Ditan)Lasmiditan (50-200 mg)Keine Vasokonstriktion. Achtung: Zentrale Nebenwirkungen (Schwindel, Müdigkeit). 8 Stunden Fahrverbot nach Einnahme!
CGRP-RezeptorantagonistRimegepant (75 mg)Keine Vasokonstriktion. Gute Verträglichkeit. Einsatz bei Triptan-Versagen.

Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MOH)

Um einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch zu vermeiden, gelten strenge Grenzwerte für die Einnahme von Akutmedikation:

  • Triptane und Kombinationsanalgetika: < 10 Tage pro Monat
  • Monoanalgetika (Ibuprofen, ASS, Paracetamol): < 15 Tage pro Monat

Migräneprophylaxe

Eine medikamentöse Prophylaxe sollte bei häufigen, stark beeinträchtigenden Attacken angeboten werden. Die Auswahl richtet sich nach Komorbiditäten und Verträglichkeit.

Klassische Prophylaktika

WirkstoffklasseWirkstoffeBemerkung
BetablockerPropranolol, MetoprololMittel der ersten Wahl
KalziumantagonistFlunarizinMax. 6 Monate Anwendungsdauer
AntikonvulsivaTopiramat, ValproinsäureKontraindiziert in der Schwangerschaft! Strenge Verhütung erforderlich.
AntidepressivaAmitriptylinWirksam in der Prophylaxe

Moderne spezifische Prophylaxe (CGRP-Antikörper und Gepante)

Monoklonale Antikörper gegen CGRP (Eptinezumab, Fremanezumab, Galcanezumab) oder den CGRP-Rezeptor (Erenumab) sind hochwirksam bei episodischer und chronischer Migräne.

  • Wirkeintritt: Evaluation nach 3 Monaten (bei Eptinezumab nach 6 Monaten). Bei chronischer Migräne kann ein verzögertes Ansprechen bis zu 6 Monaten auftreten.
  • Vorteile: Sehr gutes Verträglichkeitsprofil, auch wirksam bei bestehendem MOH.
  • Orale Alternativen: Die Gepante Rimegepant (jeden 2. Tag) und Atogepant (täglich) sind ebenfalls zur Prophylaxe zugelassen und wirksam.

Nicht-medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie sollte immer von psychologischen und verhaltensmedizinischen Verfahren flankiert werden:

  • Ausdauersport und Biorhythmushygiene.
  • Entspannungsverfahren (z.B. progressive Muskelrelaxation) und Biofeedback.
  • Neuromodulation: Externe transkutane Stimulation des N. trigeminus (Cefaly®) oder Remote Electrical Neuromodulation (REN).
  • Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA): z.B. SinCephalea® zur Blutzuckerstabilisierung (nicht bei insulinpflichtigem Diabetes).

💡Praxis-Tipp

Kombinieren Sie bei unzureichender Triptan-Wirkung oder häufigem Wiederkehrkopfschmerz ein Triptan (z.B. Sumatriptan) frühzeitig mit einem langwirksamen NSAR wie Naproxen. Achten Sie strikt auf die 10-Tage-Regel zur Vermeidung eines Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes.

Häufig gestellte Fragen

Triptane wirken am besten, wenn sie früh in der Kopfschmerzphase eingenommen werden. Sie sind jedoch unwirksam, wenn sie bereits während der Aura-Phase (vor Einsetzen des Schmerzes) eingenommen werden.
In diesen Fällen können Lasmiditan oder Rimegepant eingesetzt werden, da diese Wirkstoffe keine vasokonstriktiven Eigenschaften besitzen.
Das Risiko steigt, wenn Triptane oder Kombinationsanalgetika an 10 oder mehr Tagen pro Monat eingenommen werden. Für Monoanalgetika liegt die Schwelle bei 15 oder mehr Tagen pro Monat.
Laut Leitlinie gelten Schwangerschaft und Stillzeit als Kontraindikation für die Einnahme von Triptanen.
Der Behandlungserfolg sollte gemäß Zulassung nach 3 Monaten überprüft werden (für Eptinezumab nach 6 Monaten). Bei chronischer Migräne kann sich ein Ansprechen auch erst nach 5-6 Monaten zeigen.

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