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ROP-Screening bei Frühgeborenen: AWMF-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Grenze für das obligate ROP-Screening wurde auf ein Gestationsalter von < 31+0 SSW (oder Geburtsgewicht < 1.500 g) gesenkt.
  • Die Erstuntersuchung erfolgt in der 6. postnatalen Woche, frühestens jedoch ab 31+0 postmenstruellen Wochen.
  • Das Standard-Kontrollintervall beträgt 2 Wochen, kann aber je nach Befund auf 1 Woche verkürzt oder auf 3 Wochen verlängert werden.
  • Therapie der Wahl ist die retinale Laserkoagulation oder die intravitreale Anti-VEGF-Therapie.
  • Nach einer Anti-VEGF-Therapie sind langfristige Kontrollen zwingend erforderlich, da späte Rezidive auftreten können.
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Hintergrund

Die Frühgeborenenretinopathie (Retinopathy of Prematurity, ROP) entsteht durch eine gestörte retinale Gefäßentwicklung infolge einer zu frühen Geburt. Der wichtigste Risikofaktor ist die Unreife des Kindes. Pathophysiologisch führt die relative Hyperoxie nach der Geburt zunächst zu einer Hemmung der Gefäßentwicklung (reduzierte VEGF-Bildung). Mit zunehmender retinaler Reifung und erhöhtem Sauerstoffbedarf entsteht ab ca. 32-34 postmenstruellen Wochen eine relative Hypoxie, die zu einer überschießenden VEGF-Ausschüttung und pathologischen Neovaskularisationen führt. Unbehandelt kann dies zur Netzhautablösung und Erblindung führen.

Indikationen zum Screening

Ein obligates ROP-Screening ist indiziert bei:

  • Frühgeborenen < 31+0 SSW (bei unbekanntem Alter: Geburtsgewicht < 1.500 g), unabhängig von Sauerstoffgabe.
  • Allen Frühgeborenen < 37+0 SSW mit individuellem Risiko nach Ermessen des Neonatologen (z. B. > 5 Tage Sauerstoff, ECMO, schwere NEC, BPD, Sepsis).

Zeitpunkt und Intervalle der Untersuchungen

Die Erstuntersuchung sollte in der 6. postnatalen Woche (Lebenstag 36-42) erfolgen, jedoch nicht vor 31+0 postmenstruellen Wochen.

IntervallIndikation / Befund
1 WocheVaskularisationsgrenze in Zone I oder posteriorer Zone II; anteriore Zone II bei Stadium 2 oder 3; jede ROP mit Plus-Symptomatik
2 WochenStandardintervall bei nicht behandelter ROP
3 WochenVaskularisationsgrenze in Zone III ohne Vorliegen einer ROP

Das Screening kann ohne Therapie beendet werden, wenn die Netzhaut peripher zirkulär vollständig vaskularisiert ist oder eine deutliche Regression nach dem errechneten Geburtstermin vorliegt.

Klassifikation der ROP (ICROP)

Die Beurteilung erfolgt nach Zonen (I bis III) und Stadien:

StadiumBefund
1Demarkationslinie
2Prominente Leiste
3Prominente Leiste und extraretinale fibrovaskuläre Proliferationen
4aPartielle Netzhautablösung ohne Makulabeteiligung
4bPartielle Netzhautablösung mit Makulabeteiligung
5Vollständige Netzhautablösung

Zusatzbefund: Die Plus-Symptomatik beschreibt eine Gefäßerweiterung und Tortuositas am hinteren Funduspol in mindestens 2 Quadranten.

Therapie

Die Behandlung muss bei Indikationsstellung innerhalb weniger Tage, bei rascher Progression (z. B. AP-ROP) teils innerhalb von 24 Stunden erfolgen. Zur Verfügung stehen primär die retinale Laserkoagulation und die intravitreale Anti-VEGF-Therapie (off-label, außer Ranibizumab). Die Kryotherapie wird nur noch in Ausnahmefällen angewendet.

LokalisationTherapieindikation
Zone IIIIn der Regel keine Therapie erforderlich (auch bei Plus-Symptomatik)
Zone IISpätestens bei Stadium 3 über 5 zusammenhängende oder 8 unzusammenhängende Uhrzeiten mit Plus-Symptomatik ("threshold disease"). Frühere Behandlung (Stadium 3+) möglich.
Zone IBei Plus-Symptomatik (unabhängig vom Stadium) oder bei Stadium 3 (unabhängig von Plus-Symptomatik)
AP-ROPAggressive posteriore ROP in Zone I oder posteriorer Zone II erfordert besonders zeitnahe Behandlung

Nachsorge

Die Nachsorge unterscheidet sich je nach Therapieverfahren deutlich:

  • Nach Lasertherapie: Anfangs mindestens wöchentlich bis zur sicheren Regression.
  • Nach Anti-VEGF-Therapie: Kurzfristige Kontrollen zum Ausschluss von Injektionskomplikationen. Danach Kontrollen häufig bis deutlich über den errechneten Geburtstermin hinaus, da späte, behandlungsbedürftige Rezidive auftreten können. Die Übergabe an weiterbehandelnde Ärzte sollte schriftlich (z. B. via ROP-Pass) erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Sorgen Sie vor der Untersuchung für eine maximal mögliche medikamentöse Mydriasis (z. B. Tropicamid 0,5% und Phenylephrin 2%). Denken Sie bei Entlassung nach Anti-VEGF-Therapie unbedingt an die Organisation der langfristigen Nachkontrollen und händigen Sie den Eltern den ROP-Pass aus.

Häufig gestellte Fragen

Ein Screening ist obligatorisch bei Frühgeborenen mit einem Gestationsalter unter 31+0 SSW. Ist das Gestationsalter nicht sicher bekannt, gilt ein Geburtsgewicht unter 1.500 g als Grenze.
Grundsätzlich in der 6. postnatalen Woche (Lebenstag 36 bis 42), jedoch niemals vor einem postmenstruellen Alter von 31+0 Wochen.
Die Plus-Symptomatik bezeichnet eine Gefäßerweiterung (Dilatation) und vermehrte Schlängelung (Tortuositas) der Gefäße am hinteren Augenpol in mindestens 2 Quadranten. Sie ist ein wichtiges Kriterium für die Therapieindikation.
Wenn keine Therapie erfolgte, kann das Screening beendet werden, sobald die Netzhaut peripher zirkulär vollständig vaskularisiert ist oder eine deutliche Regression der akuten ROP nach dem errechneten Geburtstermin vorliegt.
Nach dem Rückgang der intravitrealen Medikamentenkonzentration kann es zu späten, behandlungsbedürftigen Rezidiven kommen, oft erst nachdem das Kind bereits aus der stationären Behandlung entlassen wurde.

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