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Intravenöse Infusionstherapie bei Kindern: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Zur Grundinfusion sollen isotone, balancierte Vollelektrolytlösungen (bVEL) verwendet werden.
  • Hypotone Lösungen sind obsolet, da sie das Risiko für Hyponatriämie und Hirnödeme signifikant erhöhen.
  • Der Flüssigkeitsgrundbedarf wird gewichtsadaptiert nach der Holliday-Segar-Formel berechnet.
  • Die initiale Bolusgabe bei Volumenmangelschock erfolgt mit 20 ml/kg KG in unter 10 Minuten.
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Hintergrund

Die intravenöse Infusionstherapie bei akut kranken Kindern (jenseits der 4. Lebenswoche) zielt auf den Erhalt bzw. die Wiederherstellung der Volumen- und Osmo-Homöostase ab. In der Vergangenheit führten hypotone Lösungen häufig zu iatrogener Hyponatriämie und potenziell lebensbedrohlichen Hirnödemen. Daher empfiehlt die aktuelle Leitlinie einen Paradigmenwechsel hin zu isotonen, balancierten Lösungen.

Flüssigkeitsbedarf (Grundinfusion)

Der Grundbedarf wird anhand des idealen Körpergewichts (IBW) nach der Holliday-Segar-Formel berechnet. Bei akut kranken Kindern kommt es häufig zu einer erhöhten ADH-Ausschüttung, weshalb je nach Klinik eine Reduktion auf 50-80 % des errechneten Volumens sinnvoll sein kann.

KörpergewichtFlüssigkeitsbedarf pro TagFlüssigkeitsbedarf pro Stunde
1 - 10 kg100 ml/kg4 ml/kg
11 - 20 kg1000 ml + 50 ml/kg (für jedes kg > 10)40 ml + 2 ml/kg (für jedes kg > 10)
> 20 kg1500 ml + 20 ml/kg (für jedes kg > 20)60 ml + 1 ml/kg (für jedes kg > 20)

Wahl der Infusionslösung

Für die Grundinfusion gelten folgende starke Empfehlungen:

  • Natrium: Einsatz isotoner Lösungen (Na 135-145 mmol/l). Hypotone Lösungen begünstigen Hyponatriämie und Hirnödeme.
  • Chlorid: Verwendung balancierter Vollelektrolytlösungen (bVEL), um hyperchlorämische Azidosen und Nierenversagen zu vermeiden.
  • Glukose: Kinder ≤ 6 Jahre beginnen mit 5 % Glukose, ältere Kinder mit 2,5 % Glukose. Die Anpassung erfolgt nach Blutzucker und Ketonurie (Ziel: Normoglykämie, Vermeidung von Katabolie).
  • Kalium: Da bVEL nur ca. 4-5 mmol/l Kalium enthalten, ist bei normaler Diurese nach 24-48 Stunden oft eine zusätzliche Substitution nötig.

Flüssigkeits- und Volumentherapie (Bolus)

Bei Hypovolämie oder Schock muss das intravasale Volumen rasch aufgefüllt werden. Glukosehaltige Lösungen sind hierbei (außer bei nachgewiesener Hypoglykämie) nicht indiziert.

StufeMaßnahmeBemerkung
1. Bolus20 ml/kg KG bVEL (ohne Glukose)Bei Schock in < 10 Minuten applizieren
2. Repetition10-20 ml/kg KG bVELBis zur hämodynamischen Stabilisierung (max. 40-60 ml/kg in der 1. Stunde)
3. EskalationKolloide (Albumin, Gelatine) 5-10 ml/kgNur erwägen, wenn Kristalloide nicht ausreichen. HES ist nicht mehr verfügbar.

Hinweis: In vital bedrohlichen Notfallsituationen soll frühzeitig ein intraossärer (i.o.) Zugang angelegt werden.

Monitoring und Zielparameter

Während der Volumentherapie muss eine kontinuierliche Reevaluation auf Zeichen der Hypo- oder Hypervolämie (Rasselgeräusche, gestaute Halsvenen, Hepatomegalie) erfolgen.

ParameterZielwert / Normalisierung
Kapillarfüllungszeit< 3 Sekunden
Diuresemind. 0,5 - 1 ml/kg/h
Herzfrequenz & BlutdruckAltersentsprechende Normwerte
VigilanzNormale Bewusstseinslage

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei akut kranken Kindern vollständig auf hypotone Lösungen als Grundinfusion. Nutzen Sie isotone, balancierte Vollelektrolytlösungen (bVEL) und passen Sie den Glukoseanteil alters- und bedarfsgerecht an.

Häufig gestellte Fragen

Nach der Holliday-Segar-Formel: 4 ml/kg/h für die ersten 10 kg, 2 ml/kg/h für 10-20 kg und 1 ml/kg/h für jedes weitere kg über 20 kg.
Isotone, balancierte Vollelektrolytlösungen (bVEL) mit einem altersentsprechenden Glukosezusatz (2,5 % bis 5 %).
Die initiale Bolusgabe erfolgt mit 20 ml/kg KG einer glukosefreien bVEL in unter 10 Minuten.
Nein, hypotone Lösungen sollen bei akut kranken Kindern vermieden werden, da sie das Risiko für eine Hyponatriämie und ein Hirnödem signifikant erhöhen.

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