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Perioperative Infusionstherapie Kinder: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Präoperative Nüchternzeiten für klare Flüssigkeiten sollen auf 1 Stunde verkürzt werden.
  • Zur Grundinfusion wird eine isotone balancierte Vollelektrolytlösung mit 1-2,5 % Glukose empfohlen (Startrate: 10 ml/kg/h).
  • Bei Kreislaufinstabilität erfolgt die Flüssigkeitstherapie mit isotonen Vollelektrolytlösungen in Repetitionsdosen von 10-20 ml/kg.
  • Kolloide (Albumin, Gelatine, HES 130) sind bei Hypovolämie indiziert, wenn Kristalloide allein nicht ausreichen.
  • Bei Neugeborenen und Säuglingen müssen zwingend Spritzen- oder Infusionspumpen verwendet werden.
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Hintergrund

Ziel der perioperativen Infusionstherapie ist die Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der Homöostase (Normovolämie, normale Gewebeperfusion, normaler Säure-Basen-Elektrolyt-Metabolit-Haushalt). Unterschätzte Volumenverluste sind die häufigste Ursache für perioperative Kreislaufstillstände bei Kindern.

Kleine Kinder haben im Verhältnis zum Körpergewicht ein größeres extrazelluläres Flüssigkeitsvolumen (EZFV) als Erwachsene:

AltersgruppeAlterEZFV (Körpergewicht)
Neugeborene1.-28. Lebenstag40 %
Säuglingebis 1. Lebensjahr30 %
Kleinkinder2.-5. Lebensjahr20 %
Schulkinderab 6. Lebensjahr20 %

Präoperative Nüchternzeiten

Die perioperativen Nüchternzeiten sollen möglichst kurz gehalten werden, um Stress, Dehydratation und Ketoazidosen zu verhindern.

  • Klare Flüssigkeiten: Bis 1 Stunde vor Anästhesiebeginn erlaubt.
  • Bei kurzen Eingriffen (<1 h) und liegendem Venenzugang ist eine intraoperative Grundinfusion bei Kindern jenseits des Neugeborenenalters nicht zwingend erforderlich, sofern die Nüchternzeiten kurz waren und das Kind postoperativ schnell wieder trinken darf.

Wahl der Infusionslösungen

Perioperativ sollen isotone balancierte Vollelektrolytlösungen (b-VEL) eingesetzt werden. Sie bieten gegenüber Ringer-Laktat oder 0,9 % NaCl physiologischere Eigenschaften und verringern das Risiko hyperchlorämischer Azidosen oder Hyponatriämien.

Anforderungen an die Lösung:

  • Physiologisches Elektrolytmuster (isoionisch)
  • Theoretische Osmolarität von annähernd 308 mosmol/l (isotonisch)
  • Potenzielle Basenabweichung von annähernd 0 mmol/l (isohydrisch)
  • Bikarbonatvorstufe: Bevorzugt Azetat (gewebeunabhängige Metabolisierung, geringerer O2-Verbrauch als Laktat)

Stufenschema der Infusionstherapie

Die Therapie wird je nach klinischem Bedarf in drei Säulen unterteilt:

TherapieartIndikationEmpfohlene LösungZiel
GrundinfusionDeckung des Erhaltungsbedarfsb-VEL mit 1-2,5 % GlukoseNormale Blutglukose, stabiler Säure-Basen-Haushalt
FlüssigkeitstherapieAusgleich von Defiziten (z.B. Nüchternheit, Verluste)b-VEL (ohne Glukose)Normales EZFV
VolumentherapieKreislaufinstabilität, BlutverlustKolloide (Albumin, Gelatine, HES 130)Normales Blutvolumen (BV)

Hinweis zu Kolloiden: Kolloide sollen nur eingesetzt werden, wenn Kristalloide allein nicht ausreichend wirksam sind. HES 130 sollte in moderater Gesamtdosis (10-20 ml/kg) angewendet werden, die Tageshöchstdosis von 30 ml/kg darf nicht überschritten werden.

Dosierung: Die 10er-Regel

Für die Anfangsdosierungen hat sich in der klinischen Praxis die 10er-Regel bewährt. Im Verlauf muss die Therapie dem tatsächlichen Bedarf angepasst werden.

MaßnahmeInfusionslösungAnfangs- bzw. Repetitionsdosis
Grundinfusionb-VEL mit 1-2,5 % Glukose10 ml/kg/h
Flüssigkeitstherapieb-VELBoli von 10-20 ml/kg
VolumentherapieAlbumin, Gelatine, HES 130Boli von 5-10 ml/kg
TransfusionEK, GFP, TK10 ml/kg

Überwachung und Monitoring

Das intraoperative Basismonitoring reicht bei normalem Hydratationszustand meist aus. Der Hydratationszustand sollte klinisch (zentrale Kapillarfüllungszeit, Hautturgor, Fontanelle) überprüft werden.

  • Volumenreagibilität: Ein Autotransfusionsmanöver durch dosierten Druck auf die Leber kann bei kleinen Kindern eine Volumenreagibilität anzeigen (Beinanheben ist oft nicht ausreichend).
  • Erweitertes Monitoring: Bei großen Volumenumsätzen (arterielle/ZVK-Anlage, NIRS).
  • Blutgasanalysen (BGA): Bei Risikokindern und längeren OPs regelmäßig durchführen. Auf negative Trends (ZVS ↓, BE ↓, Laktat ↑) achten und frühzeitig gegensteuern.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie bei Neugeborenen und Säuglingen zwingend Spritzen- oder Infusionspumpen zur Vermeidung akzidenteller Überinfusionen. Bei Kleinkindern können 250-ml-Flaschen als Schwerkraftinfusion genutzt werden.

Häufig gestellte Fragen

Die Nüchternzeit für klare Flüssigkeiten soll auf 1 Stunde vor Anästhesiebeginn verkürzt werden, um Stress und Dehydratation zu vermeiden.
Empfohlen wird eine isotone balancierte Vollelektrolytlösung (b-VEL) mit einem Glukosezusatz von 1 bis 2,5 %.
Nach der 10er-Regel wird die Grundinfusion mit einer Rate von 10 ml/kg/h gestartet und im Verlauf an den tatsächlichen Bedarf angepasst.
Ja, Kolloide (Albumin, Gelatine, HES 130) können bei Hypovolämie eingesetzt werden, wenn Kristalloide allein nicht ausreichen. Die Tageshöchstdosis für HES beträgt 30 ml/kg.
Da das Anheben der Beine bei kleinen Kindern oft keinen ausreichenden Höhenunterschied erzeugt, kann ein Autotransfusionsmanöver durch dosierten Druck auf die Leber durchgeführt werden.

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