Bettenhygiene & Patientenbetten: S2k-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Patientenbetten müssen nach jeder Entlassung desinfizierend aufbereitet werden, insbesondere Griffkontaktflächen und die patientennahe Umgebung.
- •Matratzen sollten mit wischdesinfizierbaren, flüssigkeits- und erregerdichten Überzügen (Encasings) geschützt werden.
- •Bettwäsche ist nach jedem Patientenwechsel in einem validierten desinfizierenden Waschverfahren aufzubereiten.
- •Beim Umgang mit kontaminierter Wäsche sind strikte Arbeitsschutzmaßnahmen (Schutzkittel, Handschuhe) einzuhalten.
- •Die dezentrale Bettenaufbereitung in separaten Räumen wird gegenüber der zentralen Aufbereitung auf dem Flur bevorzugt.
Hintergrund
Das Patientenbett ist ein zentrales Element in der stationären Versorgung. Eine unzureichende Bettenhygiene kann zur Quelle nosokomialer Infektionen werden, da Erreger (wie MRSA, VRE oder C. difficile) auf Oberflächen und Textilien lange überleben können. Die Leitlinie definiert hygienische und ergonomische Standards für Betten, Bettwäsche und den Personalschutz.
Anforderungen an Patientenbetten
Krankenhausbetten müssen den Genesungsprozess unterstützen und gleichzeitig strenge hygienische Anforderungen erfüllen.
- Formstabilität und Druckentlastung: Matratzen sollten ein Raumgewicht von mindestens 40 aufweisen und punktelastisch sein (z. B. zur Dekubitusprophylaxe).
- Thermokomfort: Materialien müssen wasserdampfdurchlässig sein, um Schwitzen und Feuchtigkeitsstau zu vermeiden.
- Reinigungsfähigkeit: Bettgestelle und Zusatzteile müssen glatte, leicht trocknende Oberflächen haben. Konstruktiv bedingte Hohlkörper müssen zuverlässig flüssigkeitsdicht verschlossen sein.
| Komponente | Hygienische Anforderung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Matratze | Wischdesinfizierbare, erregerdichte Überzüge (Encasings) | Schützt vor Kontamination; muss bei Entlassung wischdesinfiziert und visuell auf Defekte geprüft werden. |
| Kopfkissen & Decken | Encasings oder desinfizierend waschbar | Füllungen aus Pflanzenfasern, Tierhaar oder thermolabilen Kunststoffen sind ungeeignet. |
| Bettgestell | Vollständig wischdesinfizierbar | Keine ungeschützten Elektromotoren oder schwer zugängliche Ritzen erlaubt. |
Bettenaufbereitung nach Entlassung
Jeder Patient hat Anspruch auf ein sauberes, desinfiziertes Bett. Vor jeder Neubelegung sind folgende Schritte zwingend erforderlich:
- Desinfizierende Reinigung: Griffkontaktflächen (Bettgitter, Galgen), Nachttisch, Patiententelefon und das Kleiderschrankfach müssen desinfiziert werden.
- Flächendesinfektion: Es sind VAH- oder RKI-gelistete Präparate mit nachgewiesener Wirksamkeit zu verwenden. Bei speziellen Erregern (z. B. C. difficile, Norovirus) muss das Wirkspektrum (sporizid, viruzid) entsprechend angepasst werden.
- Bettwäsche: Laken und Bezüge müssen komplett abgezogen, ohne Zwischenlagerung in widerstandsfähigen Säcken gesammelt und in einem validierten desinfizierenden Waschverfahren aufbereitet werden.
- Inletts (Kissen/Decken): Sollen anlassbezogen (bei Verschmutzung, Geruch, MRE-Besiedlung) oder nach festgelegtem Turnus (z. B. Kissen vierteljährlich) aufbereitet werden.
Bettenhygiene während des Aufenthalts
Auch während der Liegezeit des Patienten müssen Hygienestandards aufrechterhalten werden:
| Maßnahme | Frequenz / Indikation | Empfehlung |
|---|---|---|
| Flächendesinfektion | Einmal täglich | Patientennahe Kontaktflächen (Bett, Nachtschrank, Bedienelemente) desinfizieren. |
| Sichtbare Verunreinigung | Sofort | Zweistufiges Verfahren: Erst mechanische Entfernung (ohne Desinfektionsmittel wegen Eiweißfixierung), dann Flächendesinfektion. |
| Wäschewechsel (Routine) | Wöchentlich | Patientenbezogener Wechsel ist in der Regel ausreichend. |
| Wäschewechsel (MRSA) | Täglich | Bei antiseptischer Dekolonisierung von MRSA müssen Laken und Bezüge täglich gewechselt werden. |
Personalschutz und Arbeitssicherheit
Der Umgang mit benutzten Betten birgt Infektions- und Verletzungsrisiken für das Personal.
- Schutzausrüstung: Beim Abziehen von Wäsche mit Körperflüssigkeiten oder bei isolierten Patienten sind Schutzkittel und Handschuhe zu tragen (Schutzstufe 2 nach TRBA 250). Bei aerogenen Erregern ist zusätzlich ein Mund-Nasen- und Haarschutz erforderlich.
- Gefährliche Arzneimittel (z. B. Zytostatika): Kontaminierte Wäsche darf nur mit zertifizierten Handschuhen und Schutzkittel berührt werden. Die Wäsche ist vor Ort flüssigkeitsdicht zu verpacken und darf nicht sortiert werden.
Organisation der Aufbereitung
Die Leitlinie empfiehlt klare organisatorische Strukturen für den Klinikbetrieb:
- Dezentrale Aufbereitung: Wird aus Kostengründen und zur Vermeidung von Kreuzinfektionen beim Transport gegenüber der zentralen Aufbereitung bevorzugt.
- Räumlichkeiten: Die Aufbereitung sollte in einem separaten Raum stattfinden. Stationsflure dürfen nicht genutzt werden, da Fluchtwege blockiert werden und ein Infektionsrisiko für Dritte besteht.
- Qualitätssicherung: Die Prozesse müssen in Arbeitsanweisungen schriftlich fixiert sein. Halbjährliche visuelle und mikrobiologische Stichproben durch das Hygienefachpersonal werden empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Prüfen Sie Matratzen-Encasings bei jedem Patientenwechsel visuell auf Risse oder Durchfeuchtung. Ein defektes Encasing erfordert den sofortigen Austausch und ggf. die Entsorgung der Matratze, um nosokomiale Infektionen zu vermeiden.