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Händedesinfektion & Händehygiene: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die hygienische Händedesinfektion erfordert mindestens 3 ml Präparat und eine Einwirkzeit von mindestens 15 Sekunden auf der trockenen Hand.
  • Händewaschen ist auf sichtbare Verschmutzungen, Toilettengänge und den Kontakt mit Sporen oder Parasiten zu beschränken.
  • Vor der chirurgischen Händedesinfektion dürfen Hände maximal 30 Sekunden gewaschen werden; Hautbürsten sind obsolet.
  • An Händen und Unterarmen gilt ein striktes Verbot für Ringe, Uhren, künstliche Nägel und Nagellack.
  • Gepuderte OP-Handschuhe sind verboten; bei erhöhtem Perforationsrisiko wird Double Gloving empfohlen.
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Hintergrund

Die hygienische Händedesinfektion ist die weltweit wirksamste Einzelmaßnahme zur Unterbrechung von Infektionsketten und zur Prävention nosokomialer Infektionen. Die aktuelle AWMF-Leitlinie definiert evidenzbasierte Standards für den Klinik- und Praxisalltag.

Hygienische Händedesinfektion

Die Indikation richtet sich nach den von der WHO definierten 5 Momenten der Händedesinfektion:

BereichIndikation (Momente)
Direkte Patientenumgebung1. Vor Patientenkontakt
2. Vor aseptischen Tätigkeiten
3. Nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material
Erweiterte Patientenumgebung4. Nach jedem Patientenkontakt
5. Nach Kontakt mit der unmittelbaren Patientenumgebung

Durchführung:

  • Menge: Mindestens 3 ml Händedesinfektionsmittel.
  • Zustand: Nur auf die trockene Hand auftragen (Wasser verdünnt den Alkohol).
  • Dauer: Mindestens 15 Sekunden Einwirkzeit (eine Verkürzung von 30 auf 15 Sekunden erhöht nachweislich die Compliance).
  • Technik: Lückenlose Benetzung, besonderer Fokus auf Fingerkuppen, Nagelfalze und Daumen.

Chirurgische Händedesinfektion

Die chirurgische Händedesinfektion zielt auf die Reduktion der residenten Hautflora ab.

SchrittMaßnahmeBemerkung
1. WaschungHände und Unterarme ca. 30 Sekunden waschenLängeres Waschen schädigt die Haut ohne Zusatznutzen.
2. ReinigungNägel bei Bedarf reinigenNur weiche Kunststoffbürsten für Nägel nutzen. Keine Bürsten für die Haut!
3. Wartezeit>10 Minuten Abstand zur DesinfektionVerhindert Verdünnungseffekte durch Restfeuchte in der Oberhaut.
4. DesinfektionEinreiben nach Herstellerangabe (meist 1,5 - 5 Min.)Lückenlose Benetzung von Händen und Unterarmen.
5. TrocknungHände an der Luft trocknen lassenHände müssen vor dem Anlegen der OP-Handschuhe komplett trocken sein.

Händewaschen

Häufiges Waschen schädigt die Hautbarriere. Daher gilt:

  • Indikationen: Nur bei sichtbarer Verschmutzung, nach Toilettenbenutzung oder bei Kontakt mit Bakteriensporen (z. B. Clostridioides difficile), Protozoen oder Helminthen.
  • Vorgehen bei Sporen: Erst desinfizieren, dann waschen (verhindert Siphon-Kontamination).
  • Ausstattung: Flüssige Waschlotionen nutzen. Feste Seifenstücke sind verboten.
  • Trocknung: Einmalhandtücher verwenden. Elektrische Warmlufttrockner sind unzulässig.

Medizinische Handschuhe

Handschuhe ersetzen nicht die Händedesinfektion. Nach dem Ablegen ist immer eine Händedesinfektion erforderlich.

Handschuh-TypIndikationWichtige Hinweise
Unsterile EinmalhandschuheErwartete Kontamination mit Blut, Sekreten, SporenLatexfrei bevorzugt (Nitril/Vinyl). Wechsel nach jedem Patienten.
OP-HandschuheInvasive Eingriffe, Umgang mit sterilem MaterialGepuderte Handschuhe sind verboten. Latexproteingehalt muss <30 µg/g liegen.
  • Double Gloving: Bei erhöhtem Perforationsrisiko (z. B. Unfallchirurgie, Orthopädie) sollten zwei Paar OP-Handschuhe übereinander getragen werden.
  • Desinfektion behandschuhter Hände: Ist unter strengen Auflagen möglich (z. B. bei aufeinanderfolgenden Blutentnahmen), sofern der Handschuh chemikalienbeständig ist und keine Perforationen aufweist.

Voraussetzungen und Hautschutz

Für eine wirksame Händehygiene müssen folgende Grundvoraussetzungen erfüllt sein:

  • Schmuckverbot: An Händen und Unterarmen dürfen keine Ringe (auch keine Eheringe), Armbänder, Uhren oder Piercings getragen werden.
  • Fingernägel: Kurz, rund geschnitten (abschließend mit Fingerkuppe).
  • Verbot: Künstliche Nägel, Gelnägel und Nagellack sind unzulässig.

Hautschutzplan:

  • Vor der Arbeit: Hautschutzpräparate auftragen (Harnstoffgehalt <3 %, da Harnstoff die Penetration von Chemikalien fördert).
  • Nach der Arbeit: Hautpflegepräparate zur Regeneration nutzen.

💡Praxis-Tipp

Verkürzen Sie die Einwirkzeit der hygienischen Händedesinfektion auf 15 Sekunden. Studien zeigen, dass dies mikrobiologisch ebenso wirksam ist wie 30 Sekunden, aber die Compliance im stressigen Klinikalltag signifikant erhöht.

Häufig gestellte Fragen

Ja, zur Arbeitserleichterung (z. B. bei mehreren Blutentnahmen in Folge), sofern der Handschuh chemikalienbeständig ist, keine Perforationen aufweist und nicht stark kontaminiert ist.
Nein. An Händen und Unterarmen dürfen aus hygienischen Gründen und wegen der Verletzungsgefahr keinerlei Ringe, Uhren oder Armbänder getragen werden.
Nur bei sichtbarer Verschmutzung, nach dem Toilettengang oder nach Kontakt mit Bakteriensporen (z. B. C. difficile) und Parasiten.
Nein, Hände und Unterarme dürfen weder zur Reinigung noch zur Desinfektion gebürstet werden. Nur verschmutzte Fingernägel dürfen mit einer weichen Kunststoffbürste gereinigt werden.
Nein. Künstliche Nägel und Nagellack verhindern eine sichere Desinfektion, erhöhen die Handschuh-Perforationsgefahr und sind häufig Ausgangspunkt für nosokomiale Ausbrüche.

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