Obstruktive Sialadenitis: Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Speichelsteine (Sialolithiasis) sind mit 60-85 % die häufigste Ursache der obstruktiven Sialadenitis.
- •Die Sonographie ist nach der klinischen Untersuchung das bildgebende Verfahren der ersten Wahl.
- •Bei der Therapie sollen zunächst konservative Maßnahmen ausgeschöpft werden.
- •Drüsenerhaltende chirurgische Verfahren (z.B. Sialendoskopie, ESWL) sind einer kompletten Drüsenentfernung vorzuziehen.
Hintergrund
Die obstruktive Sialadenitis beschreibt eine Entzündung der Kopfspeicheldrüsen (Glandula parotis, Glandula submandibularis, Glandula sublingualis), die durch eine Störung des Speichelabflusses verursacht wird. Typisches Symptom ist eine rezidivierende, oft nahrungsabhängige (periprandiale) und schmerzhafte Schwellung der betroffenen Drüse. Unbehandelt kann die Obstruktion zu einer akuten Sialadenitis oder langfristig zu einer Drüseninsuffizienz führen.
| Ursache | Häufigkeit | Bemerkung |
|---|---|---|
| Speichelsteine (Sialolithiasis) | 60-85 % | Meist ist nur eine Drüse betroffen. |
| Stenosen | 5-25 % | Postentzündlich, traumatisch oder durch Anomalien bedingt. |
| Sialodochitis | 10-15 % | Entzündung des Gangepithels (z.B. durch Radiojodtherapie oder Autoimmunerkrankungen). |
Diagnostik
Die Diagnostik zielt darauf ab, die genaue Ursache und Lokalisation der Obstruktion zu identifizieren, um eine zielgerichtete Therapie einzuleiten.
| Stufe | Maßnahme | Stellenwert / Bemerkung |
|---|---|---|
| 1 | Klinische Untersuchung | Inspektion, bimanuelle Palpation, Ausstreichen der Drüse (Beurteilung des Speichels). |
| 2 | Sonographie | Bildgebendes Verfahren der 1. Wahl. Sensitivität für Steine bis zu 95 %. |
| 3 | Sialendoskopie | Diagnostik der Wahl nach der Sonographie. Vorteil: Direkte Intervention möglich. |
| 3 | MR-Sialographie | Nichtinvasiv, artefaktfreie Darstellung des Gangsystems ohne Strahlenbelastung. Keine Intervention möglich. |
Hinweis: Die konventionelle Röntgen-Sialographie wird aufgrund der Strahlenbelastung und neuerer Verfahren heute nur noch selten angewendet.
Therapie
Das therapeutische Vorgehen hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Während früher oft die komplette Drüse entfernt wurde, stehen heute drüsenerhaltende Verfahren im Vordergrund. Eine funktionelle Erholung der Drüse nach drüsenerhaltender Chirurgie wird in über 85 % der Fälle beschrieben.
| Stufe | Therapie | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1 | Konservative Therapie | Sollte bei Erstdiagnose primär erfolgen. Sialagoga, Hydratation, Drüsenmassage, Antibiotika/Antiphlogistika bei Infektion. |
| 2 | Drüsenerhaltende Chirurgie | Bevorzugtes operatives Vorgehen. Interventionelle Sialendoskopie, Gangschlitzung (ggf. mit Marsupialisation), ESWL (Stoßwellenlithotripsie). |
| 3 | Radikale Chirurgie | Ultima Ratio. Parotidektomie (teilweise/komplett) oder Submandibulektomie, wenn schonendere Verfahren versagen. |
Spezifische drüsenerhaltende Verfahren
- Interventionelle Sialendoskopie: Besonders erfolgreich bei kleinen, mobilen Steinen und kurzer Symptomdauer. Auch zur Dilatation von Stenosen geeignet.
- Gangschlitzung: An der Glandula submandibularis oft sehr erfolgreich (ggf. mit Marsupialisation). An der Glandula parotis wegen hohen Stenoserisikos zurückhaltender einzusetzen.
- Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL): Erreicht auch Steine, die für intraduktale Methoden zu weit proximal liegen. Kontraindiziert bei akuter Entzündung.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie die Sonographie als primäres Bildgebungsverfahren. Finden Sie bei typischer Anamnese weder sonographisch noch endoskopisch ein Korrelat, ziehen Sie Bruxismus als mögliche Ursache in Betracht.