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Riech- und Schmeckstörungen: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Sinunasale Erkrankungen sind mit über 70 % die häufigste Ursache für Riechstörungen.
  • Die Basisdiagnostik erfordert eine Endoskopie sowie eine psychophysische Testung, bevorzugt mit dem Sniffin' Sticks-Test.
  • Riechstörungen können ein frühes Warnsymptom für neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Alzheimer-Demenz sein.
  • Bei chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen zeigen Biologika (insbesondere Dupilumab) signifikante Verbesserungen des Riechvermögens.
  • Die Patientenaufklärung über Sicherheitsrisiken (Gas, Brandgeruch, verdorbene Speisen) ist essenziell.
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Hintergrund

Die S2k-Leitlinie behandelt die Diagnostik und Therapie von Riech- und Schmeckstörungen. Epidemiologisch weisen ca. 3,6 % der Allgemeinbevölkerung eine funktionelle Anosmie und 18 % eine Hyposmie auf. Die häufigsten Ursachen in HNO-Kliniken sind sinunasale Erkrankungen (ca. 63-72 %), gefolgt von postviralen Ursachen (bis zu 18 %, inkl. COVID-19), idiopathischen und posttraumatischen Auslösern.

Terminologie und Klassifikation

Riechstörungen (Dysosmien) werden in quantitative und qualitative Störungen unterteilt.

Quantitative StörungDefinition
NormosmieNormale Empfindlichkeit
HyposmieVerminderte Empfindlichkeit mit Gebrauchseinschränkung im Alltag
AnosmieSehr deutliche Einschränkung oder kompletter Verlust (inkl. funktioneller Anosmie)
HyperosmieÜbernormale Funktion (sehr selten, z. B. bei Migräne)
Qualitative StörungDefinition
ParosmieVeränderte Wahrnehmung von Gerüchen in Gegenwart einer Reizquelle
PhantosmieWahrnehmung von Gerüchen in Abwesenheit einer Reizquelle (Halluzination)
Olfaktorische IntoleranzÜbersteigerte subjektive Empfindlichkeit bei normaler/verminderter Sensitivität

Ursachen von Riechstörungen

Man unterscheidet sinunasale (z. B. chronische Rhinosinusitis, Polyposis nasi, allergische Rhinitis) und nicht-sinunasale Dysosmien (postinfektiös, posttraumatisch, toxisch, angeboren oder neurologisch).

Neurologische ErkrankungAusprägung der RiechstörungBesonderheiten
Idiopathisches Parkinson-SyndromAusgeprägt (Hyposmie/Anosmie)Typisches Frühsymptom (oft >10 Jahre vor Motorik)
Alzheimer-DemenzAusgeprägtTypisches Frühsymptom
Multiple SkleroseLeicht bis moderatTritt bei 20-45 % der Patienten auf
Huntington-ErkrankungMittelgradig-

Diagnostik

Die Basisdiagnostik umfasst Anamnese, HNO-Status, Endoskopie der Riechspalte und eine psychophysische Testung.

  • Psychophysische Testung: Es besteht ein Starker Konsens für die bevorzugte Nutzung des Sniffin' Sticks-Tests im deutschsprachigen Raum, da hierfür altersspezifische Normbereiche vorliegen. Alternativen sind der UPSIT oder CCCRC-Test.
  • Retronasales Riechen: Testung mittels Schmeckpulver oder Candy-Smell-Test bei Dissoziation von ortho- und retronasalem Riechvermögen.
  • Objektive Testung: Ableitung olfaktorischer ereigniskorrelierter Potenziale (OEKP) bei Gutachten, Kindern oder kognitiv beeinträchtigten Personen.

Therapie

Die Patientenberatung bezüglich Sicherheitsaspekten (Warnung vor Gas, Rauch, verdorbenen Speisen) ist zentral. Spontanremissionen sind häufig (z. B. bei postinfektiösen Ursachen ca. 30 % nach 12 Monaten; bei der SARS-CoV-2-Delta-Variante >80 % nach 6 Monaten).

  • Akute Rhinosinusitis: Eine temporäre Riechstörung bedarf keiner gesonderten Therapie (Starker Konsens).
  • Chronische Rhinosinusitis (mit/ohne Polypen): Leitliniengerechte Therapie der Grunderkrankung.
  • Biologika bei Polyposis nasi: Starker Konsens: Wenn die Behandlung der Riechstörung im Vordergrund steht, sollte primär Dupilumab eingesetzt werden. Auch Omalizumab und Mepolizumab zeigen in Studien positive Effekte.
  • Allergische Rhinitis: Topische Steroide sind die aussichtsreichste Therapieoption (Starker Konsens).
  • Nichtallergische/idiopathische Rhinitis: Individueller Therapieversuch zur Verbesserung der Grunderkrankung (Starker Konsens).

💡Praxis-Tipp

Klären Sie Patienten mit Anosmie zwingend über Sicherheitsrisiken im Alltag auf (z. B. fehlende Wahrnehmung von Brandrauch, Gas oder verdorbenen Lebensmitteln). Denken Sie bei einem idiopathischen Riechverlust stets an eine neurologische Abklärung, da dies ein Frühsymptom für Morbus Parkinson oder eine Alzheimer-Demenz sein kann.

Häufig gestellte Fragen

Im deutschsprachigen Raum wird bevorzugt der Sniffin' Sticks-Test empfohlen, da für diesen Test altersspezifische Normwerte vorliegen und er verschiedene Riechfunktionen (Identifikation, Diskrimination, Schwelle) erfasst.
Ja, bei etwa einem Drittel der Patienten kommt es innerhalb von 12 Monaten zu einer signifikanten spontanen Verbesserung. Bei Riechstörungen durch die SARS-CoV-2-Delta-Variante berichten sogar über 80 % nach 6 Monaten von einer Erholung.
Dupilumab zeigt in Studien die schnellste und deutlichste Verbesserung des Riechvermögens und sollte primär eingesetzt werden, wenn die Dysosmie im Vordergrund steht. Auch Omalizumab und Mepolizumab können positive Effekte erzielen.
Ja, eine ausgeprägte Hyposmie oder Anosmie gilt als typisches Frühsymptom beim idiopathischen Parkinson-Syndrom und der Alzheimer-Demenz. Beim Parkinson-Syndrom kann die Riechstörung den motorischen Symptomen um über zehn Jahre vorausgehen.

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