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Reha nach Arm-Majoramputation: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Rehabilitation beginnt bereits präoperativ durch Einhändertraining, Hilfsmittelberatung und Peer-Counseling.
  • Postoperativ stehen Ödemreduktion (z. B. Rigid Dressing) und Stumpfformung im Fokus.
  • Die Entscheidung zur Prothesenversorgung sollte frühzeitig im interdisziplinären Team getroffen werden.
  • Eine rasche aktive Prothesenversorgung und moderne OP-Verfahren (TMR, RPNI) senken das Risiko für Phantomschmerzen.
  • Nachamputationen zur Behandlung chronischer Phantomschmerzen sind absolut kontraindiziert.
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Hintergrund

Die Rehabilitation nach einer Majoramputation an der oberen Extremität ist ein kontinuierlicher, langfristiger Prozess. Ziel ist die möglichst vollständige Reintegration in den privaten, beruflichen und sozialen Bereich. Der Prozess erfordert ein interdisziplinäres Team und beginnt idealerweise bereits vor dem chirurgischen Eingriff.

Phasen der Rehabilitation

Der Rehabilitationsprozess wird in mehrere aufeinanderfolgende Phasen unterteilt:

PhaseZeitraumWichtige Maßnahmen
PräoperativVor der AmputationEinhändertraining, Peer-Counseling, Hilfsmittelberatung
PerioperativOperationPeriphere Amputationshöhe, Nervenkürzung (RPNI, TMR) zur Neuromvermeidung
PostoperativAkutkrankenhausÖdemreduktion (Rigid Dressing), Wundpflege, Myotraining
Frühe RehaBis ProthesenentscheidungStumpfformung, Kontrakturprophylaxe, Entscheidung zur Prothesenversorgung
Späte RehaProthesentrainingADL-Training, komplexes Steuerungstraining, berufliche Reintegration
NachsorgeLebensbegleitendErhalt des Reha-Ergebnisses, Prothesenwartung, Refreshertraining

Funktionsklassen nach Amputationshöhe

Die Einteilung der Amputationshöhe ist entscheidend für die prothetische Versorgung und die zu erwartende Funktion:

KlasseAmputationsniveau
1Handgelenkexartikulation
2Transradial (Unterarm)
3Exartikulation im Ellenbogengelenk
4Transhumeral (Oberarm)
5Schulterexartikulation und Schultergürtel (Forequarter)

Rehabilitationspotenzial und Einflussfaktoren

Vor der Einleitung einer prothetischen Versorgung muss das Rehabilitationspotenzial bestimmt werden. Bei geplanten myoelektrischen Prothesen sollte ein EMG-Test erfolgen. Folgende Faktoren beeinflussen den Erfolg:

KategorieFaktoren
Orthopädisch-chirurgischAmputationshöhe, bilaterale Amputation, Stumpfverhältnisse, Kontrakturen
NeurologischKoordinationsstörungen, Apoplex, kognitive Leistungsfähigkeit, Polyneuropathie
PsychiatrischMotivation, Anpassungsstörungen, Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
KontextfaktorenFamiliäre Unterstützung, Wohnort, berufliche Situation

Schmerztherapie

Die Differenzierung und adäquate Behandlung von Schmerzen ist essenziell, da Schmerzen das Rehabilitationsergebnis massiv gefährden.

  • Phantomgefühl: Wahrnehmung des nicht mehr existenten Körperteils. Operative Verfahren wie TMR (Targeted Muscle Reinnervation) oder RPNI reduzieren diese.
  • Stumpfschmerz: Lokalisiert im verbleibenden Extremitätenteil. Ursachen können Neurome, schlechte Weichteildeckung oder unpassende Prothesenschäfte sein.
  • Phantomschmerz: Schmerzhafte Sensation im amputierten Körperteil durch kortikale Reorganisation.

Empfehlungen zur Schmerztherapie:

  • Lückenlose postoperative Schmerztherapie und Vermeidung von Schmerzspitzen.
  • Frühe Spiegeltherapie oder Virtuelle Realität (VR) sind zur Behandlung sinnvoll.
  • Rasche aktive Prothesenversorgung nach Wundheilung anstreben, da die Muskelaktivierung einen lindernden Effekt auf Phantomschmerzen hat.
  • Kontraindikation: Nachamputationen wegen chronischer Phantomschmerzen sollen nicht durchgeführt werden.
  • Medikamente: NSAR und Nicht-Opioidanalgetika sind für die Langzeittherapie wegen Nebenwirkungen nicht zu empfehlen. Bei neuropathischen Schmerzen kommen Pregabalin, Gabapentin oder trizyklische Antidepressiva zum Einsatz.

Evaluation und Assessments

Zur Objektivierung des funktionellen Ergebnisses muss eine Assessmentbatterie verwendet werden. Die gängigsten Tests für Armamputierte sind:

AssessmentFokusBemerkung
Box and Block Test (BBT)GrobgeschicklichkeitTransfer von Holzwürfeln über eine Trennwand in einer Minute
Clothespin Relocation Test (CRT)Geschicklichkeit und KompensationUmsetzen von Wäscheklammern; deckt Ausweichbewegungen (z. B. Schulter) auf

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie frühzeitig die Spiegeltherapie und forcieren Sie eine rasche aktive Prothesenversorgung, um der kortikalen Reorganisation und chronischen Phantomschmerzen effektiv entgegenzuwirken.

Häufig gestellte Fragen

Die Rehabilitation beginnt bereits präoperativ, unter anderem durch Einhändertraining, Hilfsmittelberatung und Peer-Counseling.
Besonders etabliert sind der Box and Block Test (BBT) zur Prüfung der Grobgeschicklichkeit und der Clothespin Relocation Test (CRT) zur Aufdeckung von Kompensationsmechanismen.
Nein, laut Leitlinie sind Nachamputationen wegen chronischer Phantomschmerzen absolut kontraindiziert und sollen nicht durchgeführt werden.
Eine unmittelbare Kompressionstherapie mittels offener Gipsverbände (Rigid Dressing) ist äußerst effizient. Alternativ kommen elastische Bandagen, Stumpfstrümpfe oder Liner zum Einsatz.

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